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15.05.2019

14:38

Nikita Fahrenholz

Eine Garage aus der Garage – was das Start-up Fahrengold plant

Von: Alexander Demling

Mit Delivery Hero wurde der Berliner Nikita Fahrenholz reich, nun gründet der 34-Jährige sein bisher persönlichstes Unternehmen: Fahrengold.

Die Garage der Zukunft ist nicht mehr grau. PR

Fahrengold

Die Garage der Zukunft ist nicht mehr grau.

BerlinNur nicht zu schnell. Ganz behutsam, nicht zu fest aufs Gas: Nikita Fahrenholz fährt seinen weißen Ferrari auf das offene Tor zu. Die weiße Falttür des Quaders ist aufgeschoben, in seiner transparenten Rückseite, auf die der 34-jährige Unternehmer den Sportwagen zufährt, spiegeln sich auch noch ein grasgrüner Porsche 911T aus den späten Sechzigerjahren und ein Hochregallager.

Luxus-Karossen und die Kühle einer Werkhalle – es ist eine seltsame Kombination, hier in einem Blechbearbeitungsbetrieb im Berliner Stadtteil Lankwitz. Aber es ist auch eine seltsame Kombination, die der Serien-Unternehmer Fahrenholz und sein neues Start-up bilden – und das, obwohl es sogar nach ihm benannt ist: Fahrengold. 

Unter diesem Namen will der Jungunternehmer die Garagen der Zukunft verkaufen. Ein sehr analoges Geschäft, wenn man bedenkt, dass die Unternehmen, mit denen der gebürtige Berliner seine Meriten verdient hat, bislang weitgehend digitale Angelegenheiten waren: 2010 gründete er mit vier anderen Lieferheld, die Essensliefer-Plattform, die in Delivery Hero aufging.

An dem im MDax notierten Acht-Milliarden-Konzern – einer der großen Erfolge der Berliner Gründerszene – ist Fahrenholz bis heute beteiligt, obwohl er nach einigen Jahren Aufbauarbeit 2014 aus dem Management ausstieg. Mit Lieferheld-Mitgründer Claude Ritter gründete er Book A Tiger – wieder eine Plattform, diesmal für Putzkräfte. 2018 stieg er auch dort aus, verschwand weitgehend von der Bildfläche.

Rund ein Jahr später steht er nun neben einer sechs mal vier Meter große Garage, auf deren Front „Fahrengold“ steht – wenn die weißen Schiebetüren einmal zugeschoben sind. Die Seitenwände aus extra gehärtetem Aluminium schimmern matt im Neonlicht der Halle. In die glatte, dunkel-transparente Innenwand sind Winterreifen eingelassen, in den Boden ein LED-Streifen, der ein Rechteck um den Stellplatz bildet.

Dieser Quader wirkt mehr wie ein Labor, in dem der Wissenschaftler Q für James Bond an einem aufgemotzten Aston Martin arbeitet als eine der Beton-Fertiggaragen, wie sie in den meisten deutschen Einfahrten stehen.

„Ich glaube, dass es sowas noch nirgendwo gibt“, sagt Fahrenholz, der im weißen T-Shirt und weißen Sneakern um sein Werk läuft und Details inspiziert. An Kleinigkeiten kann er sich inzwischen festbeißen, die Farbe der Steckdosen, oder ob die Decke exakt an der Wand abschließen oder etwas darüber hinausragen soll.

Der Gründer will nun Garagen verkaufen. Thomas Schorn

Nikita Fahrenholz

Der Gründer will nun Garagen verkaufen.

Fahrengold soll „eine Art Showroom“ sein, um seinem Porsche oder Tesla ins passende Setting stellen zu können. Wer seinen Wagen jederzeit anschauen will, kann sich die Wand aus abgedunkeltem Persolglas bestellen, wer sich selbst anschauen will, kann spiegelnden Edelstahl wählen.

Ein neues Delivery Hero ist das nicht: Bisher hat Fahrenholz zehn Vorbestellungen. Danach will er eine eigene Produktion aufbauen, vielleicht im Berliner Umland, und langfristig 500 bis 1000 Garagen pro Jahr in alle Welt liefern – auch Automobilhersteller und -händler hätten schon Interesse angemeldet.

Garagen ab 100.000 Euro

„Die meisten Garagen gefallen mir nicht, der Markt ist ziemlich eingefahren“, sagt der Ex-McKinsey-Berater. Entweder kämen Garagen von der Stange oder würden von Architekten passend zum meist luxuriösen Haus designt. Erstere kosten dann unter 10.000 Euro, selbst die Designvarianten der traditionellen Hersteller wie Zapf liegen je nach Ausstattung im niedrigen fünfstelligen Bereich. Darüber vermutet Fahrenholz ein Premium-Segment, das bisher kaum bedient werde. Darauf ist er aber auch angewiesen: Fahrengold beginnt bei rund 100.000 Euro, mit LED-Steuerung, Sicherheitskameras und Temperaturregelung per App.

Sein Partner ist Michael Schultz, der Fahrenholz in Designfragen unterstützt und auch an der Firma beteiligt ist. Der Architekt baute das Haus des Internet-Millionärs - samt Garage. Für seinen eigenen Garten hat er Fahrengold also nicht erfunden.

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Trotzdem ist das natürlich Luxus für reiche Menschen wie Fahrenholz selbst – er leugnet das auch gar nicht, gehörte er doch noch nie zu den Gernegroßen in der Berliner Gründerszene, die noch jeden Handwerker-Buchungsdienst zur Weltverbesserungsaktion hochjauchzten: „Mit einem Pizzalieferdienst revolutionierst du auch nicht die Welt“, sagt er. Er habe damit Geld verdienen wollen.

„Nikita war immer ein Operations Guy, der ein Team organisieren und antreiben konnte“, sagt einer, der bei Delivery Hero eng mit ihm zusammenarbeitete. „Er ist keiner, der im Management eines großen Unternehmens glücklich wird.“ Tatsächlich kann Fahrenholz begeistert von der Frühzeit von Lieferheld erzählen, als die drei Gründer so viel arbeiteten, dass sie sich frische T-Shirts im H&M besorgten, sich einmal fast mit rivalisierenden Lieferando-Gründern prügelten und in kurzer Zeit einen europäischen Digital-Champion aufbauten.

Bei seinem zweiten Unternehmen Book A Tiger ging in den vergangenen Jahren nicht immer alles aufwärts: Ritter und Fahrenholz hatten es als Plattform gestartet, auf der Privatpersonen freiberufliche Putzkräfte buchen konnten. Später stellten sie Hunderte Reinigungskräfte an, um eine bessere Qualität als Konkurrent Helpling bieten zu können – und schockierten damit erstmal ihre Investoren. Als zweites Standbein bauten sie eine Reinigungsplattform für Geschäftskunden auf. Seit 2018 fokussiert sich das in „Tiger Facility Services“ umbenannte Unternehmen voll darauf, den Dienst für Privatkunden betreiben sie auf Sparflamme weiter – auf Vergleichsseiten kommen seitdem zu den einst sehr guten immer mehr schlechte Bewertungen.

Book A Tiger sei nach den zahlreichen Strategiewechseln wieder auf einem guten Kurs, sagt Fahrenholz. Der Grund für seinen Ausstieg sei persönlich gewesen: „Ich war müde“. Nach neun Jahren ununterbrochener Aufbauarbeit in zwei Start-ups seien seine Batterien leer gewesen. Fahrenholz verreiste und nutzte den Designprozess mit Schütz als sein persönliches Entschleunigungsprogramm: „Fahrengold zu entwickeln dauerte eineinhalb Jahre. Für jemanden, der aus dem Softwarebereich kommt, ist das eine halbe Ewigkeit“, sagt er. Heute ernähre er sich gesünder, schlafe mehr, arbeite weniger. Sport macht er immer noch viel, den Kampfsport „Mixed Martial Arts“, für den er einst in aller Frühe trainierte, betreibt er aber gerade nicht mehr.

Ob er der Workaholic- und Hustle-Kultur der Szene aber dauerhaft abschwören kann, ist noch nicht ausgemacht. Kürzlich hat Fahrenholz in Farmako investiert, das Cannabis-Start-up von Kreditech-Gründer Sebastian Diemer. Und bald will er selbst noch einmal gründen – dann wieder eine digitale Plattform. „Wenn wir es richtig gut machen, brauchen wir nicht die Schnellsten zu sein.“ Das habe er aus der Fahrengold-Erfahrung gelernt.

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