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27.04.2022

17:21

Optikunternehmen

Sensorspezialist Sick bleibt dabei: „Wir produzieren nicht für militärische Zwecke“

Von: Martin-W. Buchenau

PremiumDer familienfremde Firmenchef Mats Gökstorp soll den Sensorspezialisten auf Erfolgskurs halten. 2021 sammelte Sick Aufträge für 2,3 Milliarden Euro ein.

Der Schwede führt den Sensorenspezialisten Sick seit gut einem halben Jahr. SICK AG/Dschafar El Kassem

Mats Gökstorp

Der Schwede führt den Sensorenspezialisten Sick seit gut einem halben Jahr.

Stuttgart Mats Gökstorp führt den Sensorspezialisten Sick seit gut einem halben Jahr. Am Grundsatz des süddeutschen Familienunternehmens hält der gebürtige Stockholmer unumstößlich fest: „Wir produzieren keine Produkte für militärische Zwecke.“ Daran ändert auch der aktuelle Krieg in der Ukraine nichts.

Erwin Sick (1909–1988) gründete das Optikunternehmen aus Waldkirch bei Freiburg im Jahr 1946. Er hatte den Zweiten Weltkrieg erlebt und legte früh fest, dass sein Optikunternehmen nie für das Militär arbeiten werde. Der pazifistischen Ausrichtung des Gründers folgend hat das Unternehmen das Russland-Geschäft gekappt, „bis auf einen ganz kleinen Teil der Kundschaft in der Lebensmittelindustrie“, sagt Gökstorp.

Die Südbadener betraf der Konflikt bisher nicht direkt, sie produzieren weder in der Ukraine noch in Russland. In Ungarn dagegen unterhält Sick eine größere Fertigung, der 57-jährige Gökstorp hofft daher, dass das Gasembargo gegen Polen und Bulgarien nicht auch auf Ungarn ausgeweitet wird.

Die Geschäfte laufen trotz Pandemie und Lieferengpässen gut. Der Umsatz stieg 2021 um 16 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro, wie Gökstorp berichtet. Den operativen Gewinn steigerte Sick gar um 44 Prozent auf 202 Millionen Euro. Die Ebitmarge liegt damit bei über zehn Prozent.

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    Sick-Laserdetektoren identifizieren Lastwagen an Mautstellen, sortieren Gepäckstücke auf Flughäfen und positionieren Container auf Überseeschiffen. Sie schützen die Mona Lisa im Pariser Louvre vor Diebstahl und Industriearbeiter vor Verletzungen. Die Sick-Sensoren ermöglichen auch autonomes Fahren, wenn auch bisher nur für Transportfahrzeuge in Werkshallen. Die intelligenten Sick-Sensoren werden in automatisierten Produktionen auf der ganzen Welt eingesetzt.

    Gökstorp will Softwareanteil von Sick steigern

    Das Unternehmen mit 11.000 Beschäftigten sieht sich weiter auf Wachstumskurs: Im vergangenen Jahr hat Sick Aufträge für 2,3 Milliarden Euro erhalten, etwa ein Drittel mehr als im Vorjahr 2020. Das Unternehmen investiert mehr als zehn Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung.

    Gemeinsam mit Trumpf entwickelt der Mittelständler den ersten industriellen Quantensensor. Es soll der sensibelste Sensor aller Zeiten werden. Neuigkeiten dazu will der Kooperationspartner auf der Hannover-Messe (Ende Mai/Anfang Juni) präsentieren, erste Sensoren noch 2022 ausliefern.

    Gökstorp will das Geschäft von Sick noch stärker digitalisieren, der Softwareanteil soll steigen. Der Informatiker und Ingenieur trat 2003 mit der Übernahme von Sick IVP in das Unternehmen ein. Der gebürtige Schwede wurde 2007 Mitglied der Geschäftsleitung, später Verantwortlicher für die Vertriebsprozesse im Konzern. Ab 2013 war er Vertriebsvorstand und richtete die Vertriebsstrukturen global aus. Sein Erfolg dabei brachte ihm schließlich den Aufstieg zum Vorstandsvorsitzenden ein.

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