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12.05.2022

15:26

Prothesenhersteller

Ottobock hält trotz Krisen an Börsenplänen fest

Von: Martin Murphy

Das Familienunternehmen hat das Coronajahr 2021 mit einem Gewinn abgeschlossen, sagt die Finanzchefin. Noch in diesem Herbst könnte der Börsengang folgen.

Die Managerin ist seit September Finanzchefin des Prothesenherstellers. Ottobock

Kathrin Dahnke

Die Managerin ist seit September Finanzchefin des Prothesenherstellers.

Berlin Der Prothesenhersteller Ottobock steuert für dieses Jahr den Gang an den Kapitalmarkt an. „Bei den Planungen für diesen Schritt sind wir auf Kurs“, sagte Finanzvorständin Kathrin Dahnke dem Handelsblatt. Das Unternehmen sei nun kapitalmarktfähig. Die Entscheidung liege aber letztlich bei den Eigentümern – der Familie Näder und dem Finanzinvestor EQT. Aus Sicht von Finanzmarktexperten könnten Aktien der Gesellschaft erstmals im Herbst an der Börse gehandelt werden.

Das familiengeführte Unternehmen bereitet sich bereits seit einigen Jahren darauf vor und hatte dazu vorab EQT in den Aktionärskreis geholt. Die Pläne mussten die Eigentümer um Hans Georg Näder aber immer wieder zurückstellen, weil in den avisierten Zeiträumen die Börse schwächelte. Zuletzt hatte die Coronakrise die Pläne verzögert.

Durch den Angriff Russlands auf die Ukraine ist nun zusätzlicher Druck auf die Kapitalmärkte gekommen. Die meisten Kandidaten haben ihre Börsengänge daher zurückgestellt. Dazu gehört etwa die Jobplattform Stepstone, die zum Springer-Verlag gehört. Neben Ottobock treibt vor allem der Volkswagen-Konzern den Börsengang seiner Sportwagen-Tochter Porsche voran. Nach übereinstimmenden Angaben aus Kreisen des Konzerns und Banken soll die Abspaltung des VW-Ablegers im Herbst erfolgen.

Von einer Notierung am Aktienmarkt verspricht sich Ottobock einen besseren Zugang zu Geldquellen, über die das weitere Wachstum finanziert werden soll. Unter Druck sieht sich die Firma nicht, weist sie doch ein solides Wachstum aus. Finanzchefin Dahnke gibt nun erstmals Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung für 2021: Der Umsatz legte im vergangenen Jahr um 13 Prozent zu auf 1,19 Milliarden Euro; der bereinigte Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) stieg von 216 Millionen auf 234 Millionen Euro.

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    Dahnke war im vergangenen September vom Lichtspezialisten Osram zu Ottobock gewechselt, um die Vorbereitungen für den Börsengang zu begleiten. Sie folgte Jörg Wahlers, der den Posten aus gesundheitlichen Gründen räumen musste.

    Der Haupteigentümer von Ottobock musste die Börsenpläne immer wieder zurückstellen. dpa

    Hans Georg Näder

    Der Haupteigentümer von Ottobock musste die Börsenpläne immer wieder zurückstellen.

    Unter dem Strich steht für das vergangene Geschäftsjahr ein Gewinn in Höhe von 19,6 Millionen Euro, wie Dahnke sagte. Der ist zwar schmal, für die Finanzchefin ist das aber ein Beleg für die Ertragsstärke der Gesellschaft. „Wir haben die Auswirkungen der Pandemie zwar gespürt, aber wir sind robust aufgestellt“, sagte sie. Der Überschuss ist zwar im Verhältnis zum Umsatz schmal, dennoch schüttete das Unternehmen einen Teil davon als Dividende an die Familie Näder und EQT aus.

    Eigentümer Näder betont Unabhängigkeit der Ottobock-Führung

    In der Vergangenheit waren immer wieder Zweifel an der Rentabilität des Unternehmens aufgekommen. Durch Eingriffe des größten Aktionärs Hans Georg Näder würde die innere Ordnung von Ottobock hin und wieder durcheinandergewirbelt, bemängeln Kritiker.

    Näder, der einst die Anteile an der Firma geerbt hat, wies dies zurück. Er betonte in der Vergangenheit wie auch Vertreter von EQT, dass der Vorstand um dessen Chef Philipp Schulte-Noelle das operative Geschäft unabhängig führe. Unter Näder war die Gesellschaft deutlich gewachsen, heute ist der 60-Jährige Vorsitzender des Verwaltungsrats.

    Nach dem Zuwachs im vergangenen Jahr rechnet Dahnke für 2022 mit einem Plus bei Umsatz und Ergebnis. „Wir haben uns für dieses Jahr ein deutliches Wachstum vorgenommen.“ Beitragen sollen dazu alle Geschäftsbereiche. Bereits im vergangenen Jahr hätten alle Felder ein gutes Wachstum ausgewiesen. Ottobock produziert medizinisches Gerät wie Prothesen und Rollstühle, wächst aber stark in den Bereichen Service und sogenannter Exoskelette, mit denen Menschen körperliche Arbeit auf dem Bau und in Fabriken erleichtert wird.

    Der Ausblick auf das Gesamtjahr ist indes durch den Krieg in der Ukraine eingeschränkt, wie Dahnke sagte. Dieser verursache eine gewisse Unsicherheit. Das gilt wohl neben den Finanzen auch für das Börsenumfeld. Trübt sich das ein, dürfte sich der Schritt auf das Börsenparkett länger hinziehen.

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