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02.09.2022

13:52

Reporting

Mit Nachhaltigkeitsberichten beim Kunden punkten

Von: Stefan Terliesner

Von 2024 an werden Unternehmen verpflichtet, über ihre Sustainability-Kriterien Rechnung abzulegen. Experten raten, früher zu beginnen.

Der Mittelständler aus Melle wurde für seinen Nachhaltigkeitsbericht ausgezeichnet. PR

Lager bei Büromöbelhersteller Assmann

Der Mittelständler aus Melle wurde für seinen Nachhaltigkeitsbericht ausgezeichnet.

Der Büromöbelhersteller Assmann mit Sitz im niedersächsischen Mellen berichtet vorbildlich über seine Nachhaltigkeitsaktivitäten. Mit seinen 390 Mitarbeitern hat das Unternehmen bereits den vierten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht, obwohl es rechtlich nicht dazu verpflichtet ist.

Dafür wurde er als bester Nachhaltigkeitsbericht eines kleinen und mittelständischen Unternehmens vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und der Unternehmerinitiative Future ausgezeichnet.

Demnächst müssen viele Unternehmen dem Beispiel von Assmann folgen. Sie müssen über Nachhaltigkeit berichten. Das verlangt die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU. Sie muss bis zum 1. Dezember 2022 in nationales Recht umgesetzt werden.

Ab 2024 wird die EU-Richtlinie sukzessive zur Pflicht. Die neuen Anforderungen gelten für alle Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 40 Millionen Euro.

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    Für EU-Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness ist die CSRD ein Meilenstein: „Die Bürger werden in der Lage sein, die Tätigkeiten von Unternehmen nicht nur in finanzieller Hinsicht zu messen, sondern auch zu beurteilen, wie sie sich auf Menschen und Umwelt auswirken.“ Die Berichtspflicht sei notwendig, um die Transformation der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit zu finanzieren. Das Geld soll von Anlegern und Kreditgebern kommen.

    Kritiker warnen vor Bürokratie und Kosten. Während etliche Konzerne bereits Erfahrungen mit der Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten gemacht haben, fangen die meisten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bei null an. Zuerst sollten sie Kapazitäten für die Berichterstattung schaffen, vor allem für die Konzeption sowie die Datensammlung. Was inhaltlich in den Bericht reingehört, gibt die CSRD vor.

    Oft dürfte die Beschaffung der Zahlen ein Problem darstellen. KMU erheben aktuell vor allem Kennzahlen wie Energieverbrauch und müssen für die nun geforderte Informationstiefe neue Strukturen schaffen. Auch Prüfgesellschaften wie Dekra und TÜV Süd, die ebenfalls bei der Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten helfen, raten Unternehmen, schon jetzt mit der Berichterstattung zu beginnen. Bis die Berichtspflicht in Kraft tritt, sollten sie den Aufwand einschätzen sowie Kapazitäten und Strukturen aufbauen.

    Beratungsbedarf ist groß

    Hilfestellung erhalten Unternehmen auch von den Industrie- und Handelskammern. Die IHK Mittelfranken zum Beispiel bietet das Online-Seminar „Der Weg zum eigenen Bericht“ an. Am Markt gibt es neben den großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften auch spezialisierte Beratungsunternehmen. Allerdings werden langsam die Ressourcen knapp. Wie Oliver Blank, Leiter European Affairs beim Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI), ausführt, „ist der Beratungsbedarf zwar riesig, aber es gibt nicht genug Berater, die beim Auf- oder Umbau des Sustainability Reportings unterstützen“.

    Das Institut der deutschen Wirtschaft rät dazu, Nachhaltigkeit in allen Dimensionen zu verstehen. Auch soziale Aspekte wie die Achtung von Menschenrechten in der Lieferkette und Unternehmensführung gehörten in den Report. Unternehmen wirtschafteten nachhaltig, wenn sie die langfristigen Interessen ihrer verschiedenen Anspruchsgruppen über kurzfristige Erfolge beim Wachstum oder Unternehmenswert stellen.

    Nachhaltigkeitsberichte bieten Chancen. Unternehmen können positive Entwicklungen aufzeigen, aber auch erklären, warum es an einigen Stellen noch hakt. Im Bericht können sie über ihr ökologisches und soziales Engagement informieren und damit bei ihren Kunden punkten.

    Egal, ob Unternehmen mit anderen Firmen oder mit Endverbrauchern Geschäfte machen: Künftig werden Kunden genauer hinsehen, wie nachhaltig ein Unternehmen agiert. Nachhaltigkeitsaspekte schlagen sich schon bald bei Industrie- und Gewerbeunternehmen über Zinsdifferenzen in den Finanzierungskonditionen nieder. Sie beeinflussen auch die Bonität. Geht alles gut, müssen Unternehmen zwar noch mehr Bürokratiekosten stemmen, dafür können sie bei ihren Kunden an Vertrauen gewinnen.

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