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20.09.2018

13:20

Rocket Internet stellt sich dem Wandel des Start-up-Marktes Reuters

Rocket Internet

Die Zeiten schnellen Wachstums sind vorbei. Rocket Internet muss sich gedulden.

Rocket Internet

Warum Oliver Samwer seine Strategie ändern muss

Von: Johannes Steger

Das als Start-up-Schmiede bekannte Unternehmen schreibt Gewinne. Dennoch muss sich Rocket Internet auf den Wandel des Start-up-Marktes reagieren. Eine Analyse.

Düsseldorf Es läuft gut für Oliver Samwer: Das von ihm gegründete Unternehmen Rocket Internet hat im ersten Halbjahr einen Gewinn von von 297 Millionen Euro erzielt. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 27 Millionen Euro angefallen. Mittlerweile sitzt das als Start-up-Fabrik bekannte Unternehmen auf liquiden Mitteln von 2,1 Milliarden Euro. Die will das Unternehmen unter anderem für ein neues Aktienrückkaufprogramm nutzen.

Mit Börsengängen wie dem Kochboxversender Hello Fresh oder dem Online-Möbelhändler Home24 sind zwar Beteiligungen erfolgreich an die Börse gegangen. Damit verschwanden aber auch Wachstumsstars aus dem Portfolio des Konzerns.

Immer wieder muss sich Samwer nun die Frage gefallen lassen, was denn das nächste „große Ding“ werden würde. Die Antworten fallen unspezifisch aus – und doch kann Samwer nicht anders, denn die Start-up-Branche hat sich grundlegend geändert.

Fintech, künstliche Intelligenz, Softwarelösungen – gebetsmühlenartig wiederholt Samwer bei fast jeder Gelegenheit, welche Zukunftstechnologien er für aussichtsreiche Investmentkandidaten hält. Im Portfolio werden bislang aber andere Beteiligungen prominent platziert.

Zum einen das Münchner Unternehmen Westwing, das schon bald eine neue kräftige Finanzspritze für Rocket bringen dürfte. Die Gründer Delia Fischer und Stefan Smalla gaben zuletzt bekannt, ihr vor sieben Jahren gegründetes Unternehmen bald an die Börse zu bringen, wodurch sie an 120 Millionen Euro frisches Kapital kommen wollen. Hier stieg der Umsatz um 22 Prozent, auch die Ebitda-Marge verbesserte sich.

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Das Versprechen, bis Ende 2017 mindestens drei seiner Start-ups profitabel zu machen, konnte Samwer dagegen nicht erfüllen. Bei Delivery Hero, Home24 und Hello Fresh klappte es noch nicht.

Wachstum verzeichnete hingegen der Online-Modehändler Global Fashion Group und „Afrikas Amazon“ Jumia, das in den nächsten 24 Monaten eine weitere Finanzierungsrunde plant. Neben Rocket Internet sind auch Orange oder Goldman Sachs beteiligt. Ob sich sein Unternehmen beteiligen werde, ließ Samwer hingegen in einem Telefonat mit Journalisten offen.

Es ist eine der wenigen deutschen Tech-Erfolgsgeschichten, die Samwer mit Unternehmen wie Zalando oder Delivery Hero geschrieben hat. Ohne ihn, da sind sich viele Branchenkenner einig, wäre das deutsche Start-up-Ökosystem nicht so weit, wie es heute ist.

Das Fließband-Prinzip funktioniert nicht mehr

Samwer schuf nicht nur die Grundlage für viele junge Gründungen, sondern schaffte auch Aufmerksamkeit für eine neue Art von Unternehmertum. Selbst Menschen, die nicht gut auf ihn zu sprechen sind, halten ihn für einen Wegbereiter der deutschen Start-up-Branche.

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Der Start-up-Investor hat im ersten Halbjahr einen Gewinn von 297 Millionen Euro eingefahren. Die liquiden Mittel nutzt Rocket für Aktienrückkäufe.

Doch die hat sich gewandelt: Es ist noch gar nicht lange her, da bestimmte E-Commerce die Branche. Mittlerweile entstehen viele Zukunftsfelder: Von Fintech über E-Recruiting bis hin zu mannigfachen Anwendungsfeldern der künstlichen Intelligenz. Und die erfordern eine gänzlich neue Herangehensweise als das klassische Plattformgeschäft.

Eine hochspezialisierte Anwendung im Bereich KI oder Datenanalyse benötigt deutlich länger bis zur Fertigstellung und schlussendlichen Anwendung als etwa ein Online-Händler. Als Investor braucht es dafür nicht nur mehr Geduld, sondern auch das nötige Technologieverständnis. Das Prinzip, wie am Fließband neue Start-ups auf den Markt zu schmeißen, funktioniert da nicht mehr.

Das weiß auch Rocket-Chef Samwer: Im Gespräch mit Journalisten am Donnerstag verwies er erneut auf Bereiche wie künstliche Intelligenz oder Softwarelösungen. Man suche weiter nach Möglichkeiten, aber der Filter sei größer als noch vor drei Jahren. Die Chance sei nun da, sich breiter aufzustellen.

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Viel zu sehen ist davon im Portfolio indes noch nicht. Noch immer dominieren die Händler. Zuletzt ging Rocket allerdings mit seinem Start-up Expertlead an die Öffentlichkeit, eine Talente-Börse für IT-Fachkräfte. Eine zukünftige Wachstumsbranche, schließlich konkurriert im digitalen Zeitalter nicht nur das Start-up aus Berlin um die nötigen Digitalexperten, sondern auch der Mittelständler aus Ostwestfalen und der milliardenschwere Dax-Konzern. Samwers Gespür funktioniert noch.

Doch die Zeit der großen Wachstumsgeschichten, in denen Unternehmen in kürzester Zeit vom Start-up zum möglichen Börsenkandidaten getrimmt wurden, sind wohl fürs Erste vorbei. Rocket werde erst darüber kommunizieren, in was sie investierten, wenn es auch soweit ist, stellte Samwer klar.

Bis dahin müssen sich auch Anleger des im MDax gelisteten Konzerns in einer Disziplin üben, die auch für Rocket selbst neu sein dürfte: Geduld.

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