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27.04.2022

11:04

Social Entrepreneurship Monitor

Sozialunternehmen spielen in Deutschland eine immer wichtigere Rolle

Von: Anja Müller

Immer mehr Gründer wollen Probleme in Gesellschaft und Umwelt lösen. Sie helfen Unternehmen sogar beim Lieferkettengesetz, wie das Beispiel SAP zeigt.

Deutsche Unternehmen unterstützen beispielsweise Umweltprojekte in Entwicklungsländern. Reuters

Plastiksammler in Nigeria

Deutsche Unternehmen unterstützen beispielsweise Umweltprojekte in Entwicklungsländern.

Düsseldorf Sozialunternehmen spielen eine zunehmend wichtigere Rolle in Deutschland. Das zeigen die Ergebnisse des Deutschen Social Entrepreneurship Monitors, die dem Handelsblatt vorab vorliegen. Bereits zum vierten Mal hat darin das Social Entrepreneur Netzwerk Deutschland (SEND) ausführlich aktuelle Daten zusammengetragen. So wurden 16,7 Prozent der 360 befragten Unternehmen erst im vergangenen Jahr gestartet.

Sozialunternehmen wollen einen gemeinschaftlichen Nutzen erzielen, also Bildung, Teilhabe und Klimaschutz mit unternehmerischen Mitteln verbessern.

Die Studie zeigt auch die Gründe für den Trend: Erstens wollen immer mehr junge Menschen sinnerfüllt arbeiten. Das geht bei Sozialunternehmen, die schon qua Definition die Welt besser machen wollen, besonders gut.

Zweitens steigt das Interesse insgesamt, soziale und Umweltprobleme mit unternehmerischen Mitteln zu lösen, weil der Druck stärker wird und die Zeit drängt. So unterstützt zum Beispiel die Firma ZuBaKa seit 2016 mehr als 1700 eingewanderte Kinder und Jugendliche mit Sprachförderbedarf im Rhein-Main-Gebiet und der Rhein-Neckar-Region.

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    Bei Wildplastic aus Hamburg wird Plastikmüll gesammelt. Die Sammler, die diesen an Stränden in Entwicklungsländern auflesen oder aus Flüssen fischen, werden fair bezahlt. Aus dem gesammelten Plastik entstehen Recyclingprodukte.

    Drittens steigt der Wunsch von Verbraucherinnen und Verbrauchern, Produkte zu kaufen, die ethischen, sozialen und ökologischen Ansprüchen genügen. Und viertens engagieren sich bei Sozialunternehmen immer mehr Kapitalgeber, die zumindest einen Teil ihres Geldes gezielt in Impact Investments, also solche, die eine positive Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft erzielen, geben wollen. Zu den Investoren zählen Family-Offices, spezielle Fonds, aber auch Dax-Konzerne wie SAP engagieren sich, um mehr Sozialunternehmen einzubinden.

    Dabei zeigen sich laut Monitor einige Besonderheiten von Sozialunternehmen im Vergleich zu anderen Start-ups: Mehr als drei Viertel der Gründerteams der im Monitor betrachteten Sozialunternehmen sind mindestens geschlechtergemischt; mehr als jedes fünfte Social Enterprise wurde ausschließlich von Gründerinnen aufgebaut. Zum Vergleich: Laut Jahresreport der Analysefirma Startupdetector verfügen nur 20 Prozent der Start-ups über eine Geschäftsführerin.

    55 Prozent der Sozialunternehmen finanzieren sich aus eigenen Ersparnissen

    Sozialunternehmen sind zudem deutlich regionaler aufgestellt als normale Start-ups. Die Gründer, die sich am Monitor beteiligten, verteilen sich sehr unterschiedlich auf die Bundesländer: So siedelten sich mit fast 20 Prozent die meisten in Berlin an, dicht gefolgt von NRW, Bayern, Hamburg und Hessen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es dagegen kein einziges.

    Mehr als 85 Prozent der Befragten verwenden ihre Gewinne meist ausschließlich für den Zweck der Organisation. Bislang finanzieren sich mehr als 55 Prozent der Sozialunternehmen aus eigenen Ersparnissen, und etwas weniger als die Hälfte nimmt öffentliche Fördermittel in Anspruch. Bislang bekommen sie noch wenig Wagniskapital, aber das ändert sich gerade.


    Spannend für Unternehmen und Geldgeber: Nicht nur Verbraucher, sondern auch Konzerne setzen immer häufiger auf Produkte oder Dienstleistungen von Sozialunternehmen. Diese Strategie ist unter dem Namen „Buy Social“ bekannt. SEND hat jüngst in Zusammenarbeit mit dem IT-Konzern SAP die Initiative Buy Social Deutschland auf den Weg gebracht.

    Das Thema nachhaltige und soziale Beschaffung gewinne zunehmend an Bedeutung, sagt David Korenke von SEND. „Eine steigende Anzahl Unternehmen hat erkannt, wie wichtig es ist, ihre Lieferkette nachhaltig zu gestalten. Sozialunternehmen nehmen dabei eine besondere Stelle ein, da ihr Unternehmenszweck eine positive gesellschaftliche Wirkung ist.“

    Das hätten Unternehmen wie SAP, Johnson & Johnson oder Zurich erkannt. Sie suchten aktiv nach Lieferanten aus dem Social-Entrepreneurship-Bereich. Wie der Monitor belegt, verkauft bereits heute mit 54 Prozent mehr als die Hälfte der Sozialunternehmen Produkte und Dienstleistungen an andere Unternehmen. 22 Prozent wollen dies künftig tun.

    SAP zum Beispiel hat noch mal eine unternehmensweite Kampagne gestartet. Danach sollen bis 2025 fünf Prozent der adressierbaren Unternehmensausgaben bei Sozialunternehmen und fünf Prozent bei Unternehmen, die Vielfalt fördern, ausgegeben werden. Alexandra van der Ploeg, weltweit bei SAP für Nachhaltigkeit zuständig, erklärt: „Wir wollen weitere Unternehmen dazu inspirieren, mehr Waren und Dienstleistungen von sozial engagierten Lieferanten zu kaufen und so einen positiven Einfluss auf die Gesellschaften zu erzielen.“

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