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05.12.2018

07:49

Start-up

100.000 Deutsche spenden fünf Millionen Euro über Gofundme

Von: Catrin Bialek

Der Spendenmarkt in Deutschland lässt Raum für neue Anbieter. Seit einem Jahr ist das US-Start-up Gofundme hierzulande aktiv – und hat 100.000 Menschen zum Spenden animiert.

Privatpersonen und Organisationen können für individuelle Projekte Spendensammlungen über diese Plattform organisieren. Screenshot Gofundme.com

Startseite von Gofundme

Privatpersonen und Organisationen können für individuelle Projekte Spendensammlungen über diese Plattform organisieren.

DüsseldorfVor einem Jahr ging die digitale Spendenplattform Gofundme in Deutschland an den Start. Jetzt zieht das amerikanische Start-up eine erste Bilanz: Rund 100.000 Menschen hätten sich hierzulande an Spendenaufrufen auf der Plattform beteiligt, heißt es. Das gesamte Spendenvolumen habe in den ersten zwölf Monaten bei etwa fünf Millionen Euro gelegen.

„Das erste Jahr in Deutschland hat all unsere Erwartungen übertroffen“, sagt Jeannette Gusko, Senior Regional Manager für den deutschsprachigen Raum bei Gofundme. Das hohe Spendenaufkommen zeige, wie groß das Bedürfnis in Deutschland ist, Solidarität mit anderen Menschen zu zeigen und sie in Notsituationen, aber auch bei der Erfüllung ihrer Wünsche und Projekte zu unterstützen.

Gesellschaftliches Engagement hat große Tradition in diesem Land“, sagt Managerin Gusko. „Die Resonanz zeigt, dass unser Anspruch, finanzieller Motor der Zivilgesellschaft zu sein, angenommen wird.“

So haben beispielsweise drei Schüler aus Berlin eine App fürs Smartphone programmiert, die gegen Mobbing im Schulalltag helfen soll. Jetzt suchen sie Menschen, die an ihre App glauben und dafür spenden wollen. Einen entsprechenden Aufruf stellten sie vor einigen Tagen auf die Plattform Gofundme. Insgesamt 15.000 Euro benötigen die Schüler, damit sie weiter an ihrem Projekt arbeiten und einen Prototypen erstellen können.

Die Mechanik von Gofundme ist simple: Privatpersonen und Organisationen können für individuelle Projekte Spendensammlungen über diese Plattform organisieren. Die Gebühr liegt bei 2,9 Prozent zuzüglich 0,25 Euro Zahlungsverarbeitungsgebühr.

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Darüber hinaus ermuntert die Plattform die Spender dazu, ein Trinkgeld an die Macher der Seite zu geben. Die Höhe soll der Spender selbst festlegen. Das funktioniere bislang sehr gut, versichert Gusko. Gofundme ist nicht der einzige Anbieter auf diesem Gebiet, auch Unternehmen wie Betterplace und Startnext buhlen um das Spendengeld der Menschen.

Im Team von Gusko arbeiten fünf Mitarbeiter. Weltweit sind bei Gofundme, das 2010 in San Diego als Crowdfunding-Plattform gegründet wurde, etwa 250 Menschen beschäftigt. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben profitabel, weist aber weder Umsatz noch Gewinnzahlen aus.

Am meisten Geld für die Gesundheit

Gofundme deckt allerdings nur einen kleinen Bereich des deutschen Spendenmarktes ab. Nach Angaben des Deutschen Spendenrates haben die Deutschen 2017 insgesamt 5,2 Milliarden Euro gespendet. 21 Millionen Menschen – das sind knapp 32 Prozent der Deutschen – gaben im vergangenen Jahr Geld an gemeinnützige Organisationen oder Kirchen.

Am meisten sei in Deutschland für Kampagnen gespendet worden, die die Gesundheit betreffen, teilt Gofundme mit. Auf den weiteren Plätzen folgten Spenden für gemeinnützige Organisationen und Spendenaufrufe für den Tierschutz. Der am häufigsten gespendete Betrag läge bei zehn Euro, knapp gefolgt von 50 und 20 Euro.

Gofundme hat anlässlich des ersten Geschäftsjahres in Deutschland eine Umfrage zum Spendenverhalten bei dem Marktforschungsunternehmen Yougov in Auftrag gegeben. Danach spenden 62 Prozent der Deutschen regelmäßig, 42 Prozent mindestens einmal im Jahr.

Ihre Spendenbereitschaft steigt der Umfrage zufolge: Fast bei jedem dritten Deutschen (29 Prozent) hat sie sich in den vergangenen zwei Jahren erhöht. Grund dafür sind oft aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen – allen voran die Zunahme von Krisen im Klima- und Umweltbereich (elf Prozent). Zahlreiche Menschen in Deutschland spenden zudem mehr, um dem zunehmenden Egoismus und dem sich verstärkenden Nationalismus (je neun Prozent) etwas entgegenzusetzen.

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