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09.04.2022

11:19

Start-ups

Tandemploy wird an Phenom verkauft – Gründerinnen bleiben als Managerinnen

Von: Tanja Kewes

Anna Kaiser und Jana Tepe haben mit ihrem Start-up das Prinzip New Work in Deutschland mitetabliert. Nun verkaufen sie ihr Start-up – und treiben es als Angestellte voran.

Jobsharing: Tandemploy-Gründerinnen Jana Tepe und Anna Kaiser Tandemploy

Jana Tepe und Anna Kaiser

Die Gründerinnen von Tandemploy verkaufen ihr Unternehmen – bleiben jedoch als Managerinnen dabei.

Düsseldorf Tandemploy ist einst aus einer fixen Idee heraus entstanden. Anna Kaiser und Jana Tepe wollten das Jobsharing in Deutschland populär – und möglich – machen. Sie kündigten deshalb von einem auf den anderen Tag ihre Stellen bei einer auf die Digitalwirtschaft spezialisierten Personalberatung und machten sich selbstständig. Sie gründeten 2013 das Start-up Tandemploy und wurden zu Pionierinnen der New-Work-Bewegung.

Ihre Kreativität und ihr Mut zahlten sich aus. Ihre Software sorgt bis heute dafür, dass sich Mitarbeiter in Konzernen wie der Deutschen Lufthansa und Evonik ihre Stellen teilen, sich beruflich fortentwickeln oder einfach „blind“ zum Mittagessen verabreden können. Die Informationen, die die Mitarbeiter dabei beiläufig preisgeben, werden anonymisiert und erlauben Personalern, ein genaueres Bild ihrer Belegschaft zu haben.

Jetzt verkaufen die Gründerinnen Tandemploy. Es ist damit der erste Exit, der aus Encourage Ventures hervorgeht, einem Netzwerk von Investorinnen, die ausschließlich in Start-ups mit mindestens einer Frau im Gründungsteam investieren.

Mit der Übernahme werden aus den Gründerinnen angestellte Mangerinnen. Sie wechseln – wie alle rund 30 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – mit ihren deutschen Arbeitsverträgen zu Phenom. Jana Tepe wird Marketingchefin für den EMEA-Raum, und Anna Kaiser wird als Vordenkerin unter anderem den Netzwerkaufbau rund um die Themen Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Zukunft der Arbeit vorantreiben.

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    Beide sehen den Verkauf als Chance, ihr Produkt weiterzuentwickeln und Millionen Mitarbeitenden zugänglich zu machen. Tandemploy war einst als als B2C-Jobsharing-Plattform gestartet und hat sich mittlerweile zu einer B2B-Talentmarktplatz-Software gewandelt. „Uns ging es immer darum, groß zu denken und unsere Vision umzusetzen: Wir möchten mehr gemeinschaftliches Arbeiten ermöglichen und so die Arbeitswelt verändern“, sagte Jana Tepe dem Handelsblatt.

    „Wir haben uns diesen Schritt gründlich überlegt, auch verschiedene Angebote gehabt und gegeneinander abgewogen und waren letztlich überzeugt, dass wir mit Phenom gemeinsam die größtmögliche Wirkung erzielen werden.“ Der Zusammenschluss mit einem anderen Tech-Unternehmen war demnach der erfolgversprechendste und naheliegendste nächste Schritt. Schließlich wolle man kollaboratives Arbeiten nicht nur predigen, sondern auch selbst praktizieren.

    Zweiter Zukauf für Phenom in Deutschland

    Hinzu kommt: Der Technologiekonzern Phenom ist inhaltlich breiter und globaler aufgestellt. Das soll nun auch der Tandemploy-Software nutzen. So sagt Mitgründerin Anna Kaiser: „Uns wurde bei allem Zuspruch und Erfolg zunehmend klar, dass künftig im Personalmanagementmarkt integrierte Lösungen gefragter sein werden als Software-Inseln. Wir freuen uns sehr, die Arbeitswelt auf globaler Ebene mitzugestalten und dabei die enorme Reichweite und Funktionalität der Talent-Experience-Plattform von Phenom zu nutzen.“

    Das Technologieunternehmen Phenom ist in Philadelphia beheimatet und hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen mit einer auf Künstlicher Intelligenz basierenden Software zu helfen, den richtigen Job zu finden. Inzwischen gehört das 2011 von den indischstämmigen Brüdern Mahe und Hari Bayireddi gegründete Start-up zu den am schnellsten wachsenden Tech-Unternehmen, zeigt eine Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte.

    Mit Tandemploy verstärkt sich Phenom zum zweiten Mal in Deutschland. Im vergangenen Jahr ging die Firma Talentcube aus München an das US-Unternehmen. Damit ergänzt der Konzern mit insgesamt inzwischen 1600 Mitarbeitern die bereits bestehenden europäischen Standorte in Großbritannien, Irland, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Spanien, Schweden und der Schweiz. Ein Börsengang wird zeitnah erwartet.

    Für Co-Gründer und CEO Mahe Bayireddi ist die Übernahme von Tandemploy ein strategisch wichtiger Schritt, um das Produktportfolio auszubauen: „Tandemploy verfolgt mit Leidenschaft das Ziel, die Arbeit von Menschen kollaborativer, produktiver und freudvoller zu gestalten.“

    Und weiter sagt er: „Ihre Vorreiterrolle in Deutschland, ihre bemerkenswerte Technologie und ihre viel beachtete Unternehmenskultur passen perfekt zu Phenom und werden unser Wachstum im Wirtschaftsraum EMEA rasch beschleunigen. Wir freuen uns sehr, dass sie entschieden haben, sich uns anzuschließen, um gemeinsam die Branche weiter zu transformieren.“

    Erst im Januar vergangenen Jahres hatten sich Kaiser und Tepe in einer Finanzierungsrunde neues Geld für die Expansion besorgt. Es war ein vielbeachteter Deal. Denn die Gründerinnen ließen nur Frauen zum Zuge kommen. Mit ihrem „All Female Deal“, wie sie ihn nannten, setzten sie ein Signal. Es war die erste rein weibliche Finanzierungsrunde dieser Dimension eines deutschen Tech-Start-ups, das dazu unter weiblicher Führung steht.

    Start-up-Förderung speziell für Frauen

    Mit dem Anteilsverkauf erweiterten die beiden ihren Gesellschafterkreis, der bis dato von Männern wie dem früheren SAP-Finanzvorstand Werner Brandt dominiert war, um fünf Investorinnen, die Top-Positionen in der Wirtschaft besetzen und Expertinnen für die Bereiche Digitalisierung, Finanzierung und Personal sind.

    Sie legten damit indirekt auch den Grundstein für die Gründung von Encourage Ventures. Inzwischen sind in diesem Netzwerk 400 Start-ups und Investorinnen engagiert.

    Doch das war den 35- und 38-jährigen Unternehmerinnen nicht genug. Bei allem Zuspruch und Erfolg wurde ihnen zunehmend klar, dass künftig im Personalmanagementmarkt integrierte Lösungen gefragt sein werden und weniger Software-Inseln wie die ihre.

    Die Gründerinnen wollen wie ein Großteil ihrer zehn Altgesellschafter weiter investiert bleiben. Für Investorin Stephanie Bschorr, die 2021 als eine von fünf neuen Geldgeberinnen dazustieß, ist die Übernahme durch Phenom „ein richtiger und wichtiger Schritt“.

    „Wir sind sehr zuversichtlich, dass sich sowohl das Team als auch die Software von Tandemploy bei Phenom gut entfalten können.“ Zudem stehe nun auch ein Börsengang als Exit in Aussicht. Damit habe sich schon der erste All-Female-Deal fantastisch entwickelt und zeige auf, welches Potenzial im Netzwerk Encourage Ventures stecke.

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