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13.12.2018

21:34

Start-ups

Thermondo wird Wärmelieferant

Von: Anja Müller

Der Heizungsplattform will künftig auch Gas an die eigenen Kunden liefern. Damit geht man in Konkurrenz zu den eigenen Investoren.

Thermondo-Kunden sollen künftig auch das Gas vom Heizungsvermieter beziehen. Thermondo

Mehr als nur Heizungen

Thermondo-Kunden sollen künftig auch das Gas vom Heizungsvermieter beziehen.

DüsseldorfPhilipp Pausder will mit seiner Heizungsplattform Thermondo der Vision, ein Energieunternehmen zu werden, noch näher kommen. Am heutigen Freitag wird Pausder auf der Weihnachtsfeier von Deutschlands größtem Heizungs-Handwerksbetrieb, der zugleich Marktplatz und Plattform ist, vor seinen Mitarbeitern verkünden, dass Thermondo zum Komplettanbieter im Heizungsbereich werden will. Kunden sollen nicht nur eine neue Heizung auf Raten kaufen und einbauen lassen, sondern auch die Wärme, das heißt zunächst einmal Gas, ebenfalls direkt von Thermondo beziehen, wie das Handelsblatt vorab erfuhr.

„Künftig kauft der Kunde nicht mehr nur eine Heizung bei uns oder eine gemanagte Heizung, sondern Wärme als Komplettangebot.“ Dabei wird der Kunde selbst keinen Gasvertrag mehr abschließen, sondern alles über Thermondo laufen lassen. Er wird nicht einmal wissen, von wem er sein Gas bezieht.

„Wir verändern die Tektonik in der Kundenbeziehung zwischen Energieunternehmen und Haushalt“, sagt der 43-jährige Unternehmer. Gas liefern könne man mit der entsprechenden Lizenz, aber die komplexen Prozesse beim Kunden, könne man nicht so einfach einkaufen. Thermondo versichert, klimaneutral zu handeln. Im Klartext heißt das, dass nicht das Gas selbst klimaneutral ist, sondern Thermondo mit ausgleichenden Projekten unterm Strich für Klimaneutralität sorgen will.

In einer Beispielrechnung ergibt sich somit ein Preis von rund 190 Euro pro Monat für ein Komplettpaket, darin enthalten: die Heizung selbst für zum Beispiel 6112 Euro, die Installation, die Wartung, der 24-Stunden-Service für Reparaturen und eben auch das Gas.

Es ist nicht das erste Mal, dass das 2012 gegründete Unternehmen sein Geschäftsmodell erweitert. Als den Gründern klar wurde, dass die beauftragten Installateure unzuverlässig waren, wenn ihnen eigene Aufträge dazwischen kamen, stellten sie kurzerhand selbst Handwerker ein und wurden so mit der der Zeit, Deutschlands größter Heizungsinstallateur.

Philipp Pausder: Thermondo-Chef fordert die Energieversorger heraus

Philipp Pausder

Thermondo-Chef fordert die Energieversorger heraus

Philipp Pausder baut seine 2012 gegründete Firma zum Komplettanbieter für Wärme aus. Damit greift der Gründer die Energieversorger an.

Namhafte Investoren wie Eon, Rocket Internet, Holtzbrinck Ventures haben in Thermondo investiert und seit 2017 auch Vorwerk. Insgesamt flossen bereits mehr als 50 Millionen Euro in das Unternehmen. Aus Sicht von Dirk Meurer, Geschäftsführer von Vorwerk Direct Selling Ventures ist das Heizungs-Installationsgeschäft „groß und margenträchtig genug“. Dort gebe es noch genügend Digitalisierungspotenzial, das eher margenschwache Energieversorgungsgeschäft bräuchte man nicht zwingend, aber da man den Kundenkontakt in Energiefragen einmal habe, könne man den Kunden auch hier ein Angebot machen.

Dennoch ist klar: Ein solches Wärme-Miet-Modell schneidet die Energieversorger vom Kontakt mit ihren Endkunden ab. Und weil Kundendaten ein wichtige Gut sind, positioniert sich Thermondo geschickt im Eigenheim der Heizungsbesitzer, die jetzt gar nicht mehr Eigentümer ihrer Heizung werden müssen, wenn es nicht wollen.

Thermondos Investor Eon will dagegen selbst mehr Geld mit Dienstleistungen verdienen. Vor genau einem Monat wurde bekannt, dass Eon in ein Joint Venture mit dem niederländischen Unternehmen Guidion einsteigt. An dem Joint Venture hält Eon 45 Prozent und das niederländische Unternehmen Guidion 55 Prozent. Unter dem Namen Home.on bietet es eine Plattform, auf der sich Privatkunden, egal, ob sie bereits Eon-Kunde sind, oder nicht, Handwerker suchen können für den Einbau von Heizungen, Solaranlagen oder Smarthome-Systemen. Home.on ist wie Thermondo als Handwerksbetrieb in die Innungsrolle eingetragen.

Auf Nachfrage erklärt ein Eon-Sprecher: „Bei Thermondo handelt es sich um eine Venture-Beteiligung gemeinsam mit anderen Unternehmen. Dieses Co-Investment wird von einem separaten Team unabhängig vom operativen Geschäft geführt, auch wenn Eon auf seiner Seite Thermondo bewirbt.“ Es gebe zwar Überschneidungen, dennoch handele es sich bei Home.on um ein eigenes operatives Zukunftsprojekt.

Seit 2015 hat Thermondo mit Kesselheld aus Düsseldorf auch Konkurrenz aus der Start-up-Szene. Das Geschäft ist komplex und anspruchsvoll. Auch Kesselheld arbeitet mit eigenen Handwerkern.

Thermondo-Chef Pausder selbst hält noch 13 Prozent der Anteile an Thermondo, sein Mitgründer Florian Tetzlaff noch sechs, und Kristofer Fichtner noch drei Prozent. Die Software Manfred vernetzt die Kundenwünsche mit den Heizungsinstallateuren und sorgt dafür, dass die großen Heizungshersteller wie Viessmann, Vaillant, Buderus, Wolf, Junkers etc. ihre Heizungen dann direkt zur Baustelle des Kunden liefern, die dort von den Installateuren eingebaut werden. Zu den Investoren zählt mit 19 Prozent der Energieversorger Eon, Holtzbrinck Ventures mit 15 Prozent, Rocket Internet hält elf Prozent, die Investitionsbank Berlin 8,5 Prozent, Vorwerk rund sieben Prozent.

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