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28.10.2022

13:00

Telekommunikationshändler Komsa

Ostdeutschlands umsatzstärkstes Familienunternehmen wird bis 2025 britisch

Von: Anja Müller

Aus der Fusion soll bis 2025 eine Übernahme durch den IT-Händler Westcoast werden. Die Komsa-Gründer geben ihre Anteile dann komplett ab.

Der Chef des Telekommunikations-Großhändlers Komsa wird künftig auch in Personalunion das Unternehmen Westcoast leiten. Komsa

Pierre-Pascal Urbon

Der Chef des Telekommunikations-Großhändlers Komsa wird künftig auch in Personalunion das Unternehmen Westcoast leiten.

Düsseldorf Der Telekommunikationsgroßhändler Komsa schließt sich mit mit dem britischen Konkurrenten Westcoast zusammen. Das gab das Unternehmen aus dem sächsischen Hartmannsdorf am Freitag bekannt. Bis 2025 erfolgt dann die komplette Übernahme durch Westcoast. Die Komsa-Gründer Gunnar Grosse und Jürgen Unger geben sukzessive ihre Aktien an die Briten ab und scheiden als Gesellschafter aus.

Im ersten Schritt wird Anfang kommenden Jahres ein gemeinsames Unternehmen entstehen, an dem Komsa 51 Prozent und Westcoast 49 Prozent halten sollen – wenn die Behörden zustimmen. Zusammen erwirtschaften die weiter selbstständig agierenden Firmen 5,5 Milliarden Euro mit 2200 Mitarbeitenden. Komsa, das umsatzstärkste Familienunternehmen aus Ostdeutschland, setzte zuletzt 1,4 Milliarden Euro um, Westcoast 4,1 Milliarden Euro.

Komsa erwirbt Elektronikgeräte von Herstellern wie Apple oder Samsung und verkauft diese an große und kleinere Fachhändler in Deutschland und Polen weiter. Zudem arbeitet das Unternehmen mit Systemhäusern zusammen, die Unternehmenskunden betreuen.

Es gebe mehrere Gründe für den Zusammenschluss, erklärte Komsa-Chef Pierre-Pascal Urbon im Gespräch mit dem Handelsblatt. Erstens habe sich die Wettbewerbssituation durch die Pandemie und die enorme Ausbreitung von mobilem Arbeiten fundamental verändert. „Das geht nicht mehr weg“ , sagte Urbon.

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    Die Folge: Telekommunikation und IT wachsen in den Unternehmen zusammen. „Darüber wurde zehn Jahre geredet, aber das ändert die Industrielogik grundlegend“, sagte der Komsa-Chef. So nutzten immer mehr Unternehmen Microsoft Teams auch für die mobile Kommunikation. Die Firmen-Laptops müssen also mit den Mobiltelefonen vernetzt werden. Der Schritt bei Komsa vom Händler zum Dienstleister wird so weiter vorangetrieben.

    Der Umsatzanteil von Komsa mit Systemhäusern liegt bei 250 bis 300 Millionen Euro, rund 1,1 Milliarden Euro erwirtschaftet Komsa mit den rund 20.000 Fachhändlern.

    Internationalisierung als notwendiger Schritt

    Zudem spiele die Geopolitik eine immer wichtigere Rolle. „Früher dachte man immer global, heute ist es wichtig, dass die Telekommunikations- und Cloud-Dienste aus Europa kommen“, erklärte Urbon. Während Komsa sich auf die Telekommunikation spezialisiert hat und auch Vermietung und Betrieb von Smartphones für Unternehmen anbietet, ist Westcoast schon lange mit Cloud-Dienstleistungen befasst.

    Beide Unternehmen stehen im Wettbewerb mit deutlich größeren US-Konzernen wie Ingram Micro mit 55 Milliarden Dollar Jahresumsatz und TD Synnex mit 38 Milliarden Dollar Umsatz. Urbon sieht Komsa zwar gut aufgestellt und als einen der Marktführer hierzulande, der Westcoast den deutschen Markt eröffnet. „Aber die Handyhersteller und Technologiepartner machen zum Teil kein Geschäft mit uns, wenn wir nicht europäisch aufgestellt sind“, sagt er.

    Deshalb habe man – ohne Investmentbank, wie Urbon betont – einen Partner gesucht, „um nicht Gefahr zu laufen, dass Komsa durch diese Trends marginalisiert wird“. Dem Unternehmen gelinge mit dem Zusammenschluss die notwendige Internationalisierung in Europa. Westcoast ist in Frankreich und Irland aktiv, Komsa auch in Polen.

    Das britische Unternehmen wurde vor 40 Jahren von Joe Hemani gegründet und ist weiter in Familienhand. Der Brite gibt den Chefposten an den Komsa-Chef Urbon ab, der dann beide Unternehmen in Personalunion führt.

    Auch die aktuell hohen Energiekosten und die hohe Inflation infolge des Angriffskriegs von Russland in der Ukraine machten den Komsa-Kunden, also den Händlern, zu schaffen. „Daher wollen sie mit Großhändlern zusammenarbeiten, die die Lagerung finanzieren können.“ Und das könne Komsa dank der für die Handelsbranche hohen Eigenkapitalquote von mehr als 20 Prozent. Durch die Ausgabe eines Schuldscheindarlehens und das damit verbundene Investmentgrade-Rating habe man die finanzielle Stabilität dazu.

    Außerdem regeln die Gründer Gunnar Grosse und Jürgen Unger mit dem schrittweisen Verkauf ihre Nachfolge. Beide werden mit dem Zusammenschluss den Aufsichtsrat verlassen, während die Ehefrau von Grosse, Kerstin Grosse Aufsichtsratschefin bleibt.

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