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23.06.2019

11:41

Vorbild

Wie Spanien versucht, den deutschen Mittelstand zu kopieren

Von: Sandra Louven

Spanische Unternehmer und Politiker sehen im deutschen Mittelstand ein Vorbild. Sie wollen den eigenen Unternehmen nun helfen, mit Hilfe des Modells zu wachsen.

Mit einer Kopie des deutschen Mittelstands verspricht man sich 13 Prozent mehr Produktivität. Jorge Fernández Salas on Unsplash

Blick auf Madrids Einkaufsstraße

Mit einer Kopie des deutschen Mittelstands verspricht man sich 13 Prozent mehr Produktivität.

Madrid Der Chef der spanischen Unternehmervereinigung Círculo de Empresarios, John de Zulueta, ist zwar Amerikaner, aber wenn es darum geht, die spanische Wirtschaft zu stärken, dann kommt de Zulueta stets auf ein anderes Land zu sprechen: Deutschland. Im vergangenen Herbst sind der Generalsekretär seiner Organisation und ein weiteres Mitglied in die Bundesrepublik gereist, um sich vor Ort ein Bild von der Tradition des deutschen Mittelstands zu machen.

Zurück in Madrid wollten sie ihr Wissen teilen und organisierten für ihre Mitglieder, aber auch für Verantwortliche der spanischen Politik mit der deutschen Botschaft eine Tagung zur deutschen Unternehmenskultur und zur politischen Förderung des so berühmten deutschen Mittelstands.

Jesus Prieto, Chef des spanischen Maschinenbauers CT Engineering, der selbst jahrelang in Deutschland gearbeitet hat, beschrieb dabei unter anderem das System der Hausbank, die deutsche Mittelständler oft über Jahrzehnte begleitet, oder den Erfolg der dualen Ausbildung als Talentpool für Unternehmen.

Eine aus Berlin eingeflogene Expertin des Wirtschaftsministeriums erklärte das Zentrale Förderprogramm für Innovationen im Mittelstand (ZIM) und stieß damit auf große Begeisterung in Madrid. „Uns würde es freuen, wenn wir den deutschen Mittelstand kopieren könnten“, sagte de Zulueta. „Dann würde die Produktivität der spanischen Unternehmen um 13 Prozent zulegen.“

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    Das ist das Ergebnis einer Studie, die seine Vereinigung angefertigt hat. Untersuchungen belegen, dass die mittelständischen Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 30 und 500 Millionen Euro in Spanien deutlich produktiver sind – sowohl als kleine Firmen, aber auch als die ganz großen Konzerne.

    Das Problem aber ist, dass es in Spanien nur sehr wenig Mittelständler gibt: Sie machen weniger als ein Prozent aller spanischen Unternehmen aus, während mittelgroße Unternehmen in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2016 immerhin auf einen Anteil von 2,9 Prozent kommen. Der Círculo de Empresarios will die spanischen Unternehmen deshalb beim Wachstum unterstützen.

    In der spanischen Regierung stößt de Zulueta auf offene Ohren. „Die deutsche Politik ist für uns Vorbild, was die Industriepolitik und die Unterstützung von kleinen und mittelständischen Unternehmen angeht“, sagt Raül Blanco Díaz, aktuell Generalsekretär für kleine und mittelständische Unternehmen im spanischen Industrieministerium. „Das wollen und werden wir jetzt auch hier in Spanien machen.“

    Hilfsprogramm für kleine Unternehmen

    Schon bei seinem früheren Arbeitgeber, der katalanischen Unternehmervereinigung Cercle d’Economia, sei der deutsche Mittelstand mit seinen Weltmarktführern, seiner dualen Ausbildung und seiner Flexibilität Vorbild gewesen. Zwar ist noch unklar, ob der dem deutschen Modell so zugetane Generalsekretär auch nach der derzeit anstehenden Regierungsbildung in Spanien auf seinem Posten bleibt.

    „Aber eine gewisse Offenheit für neue Ansätze scheint in der Regierung vorhanden zu sein“, sagt Alfredo Bonet, Generalsekretär des Círculo de Empresarios, dem Handelsblatt. Die Unternehmervereinigung verlässt sich aber nicht allein darauf, sondern hat schon vor einigen Jahren ein eigenes Programm ins Leben gerufen, um spanischen Kleinunternehmen beim Wachsen zu helfen.

    Zusammen mit der Stiftung der Bankinter und dem spanischen Institut für Außenhandel haben sie das Programm „Cre100do“ aufgesetzt – ein Wortspiel mit dem spanischen Ausdruck für wachsend („creciendo“). Ausgewählt wurden 100 Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 50 und 300 Millionen Euro, deren Chefs sich regelmäßig zu Schulungen über Finanzierungsthemen, Personalarbeit oder Technologie treffen, für die der Círculo Experten als Vortragende aussucht.

    „Dahinter steht immer die Grundidee zu zeigen, wie man wachsen kann“, so Bonet. Die Unternehmen schauten dabei über den eigenen Tellerrand hinaus und tauschten sich beim anschließenden Networking mit Gleichgesinnten aus, die oft ähnliche Probleme haben.

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