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21.10.2018

19:45 Uhr

Weconomy-Award

Wo Gründer plötzlich Topmanager inspirieren

VonMartin-W. Buchenau

Die Gewinner des Start-up-Preises erhalten wertvolle Tipps von erfolgreichen Führungskräften. Doch es zeigt sich: auch die Manager profitieren von den Gründern.

Speeddating zwischen Gründern und erfahrenen Managern.  Tim Frankenheim

Die Teilnehmer des Weconomy-Wettbewerbs in der Düsseldorfer Handelsblatt-Zentrale

Speeddating zwischen Gründern und erfahrenen Managern.

DüsseldorfWichtige Köpfe aus Unternehmen kommen häufiger in die neue Handelsblatt-Zentrale nach Düsseldorf. Was es bislang noch nicht gab: Start-ups treffen Topmanager zum halbstündigen Speeddating, Beratung und Inspiration aus erster Hand. Erstmals ist das Handelsblatt als Medienpartner auch Gastgeber des zwölften Weconomy-Wettbewerbs.

„Das Handelsblatt steckt mitten im digitalen Umbruch, umso wichtiger ist für uns der direkte Kontakt zu den erfolgreichen Unternehmern von morgen“, sagte Sebastian Matthes, Stellvertreter des Chefredakteurs und Digitalchef des Handelsblatts, zum Start des Weconomy-Wochenendes.

Zehn vielversprechende Start-ups hatten den Wettbewerb und damit ein intensives Coaching über ein Jahr gewonnen. „Wir brauchen solche Vorbilder und vielleicht auch mal ein supererfolgreiches Start-up, damit die Gründungstätigkeit in Deutschland einen Push bekommt“, sagte Michael Heinz.

Gründen in Deutschland muss attraktiver werden

Der BASF-Vorstand und Arbeitsdirektor ist zugleich Vorsitzender des Lenkungskreises der Wissensfabrik. „Wir bräuchten so etwas, wie Boris Becker früher einmal fürs Tennis war.“

In der Wagnis-Kapital-Branche heißen solche herausragenden Unternehmen, die eine Bewertung von über einer Milliarde Dollar haben, Einhörner. „Wir suchen Einhörner“, betonte Bosch-Personalchef Christoph Kübel. Denn Konzerne wie Bosch interessieren am Ende des Tages nur Ideen mit einem Marktpotenzial von über einer Milliarde Euro. Aber der Konzern arbeitet in vielfältiger Form auch mit kleineren Start-ups zusammen.

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Doch in welchem Zustand ist denn die deutsche Gründerszene? Einblick gibt der aktuelle Gründungsmonitor der KfW. Bei boomender Gesamtkonjunktur ist die Gründungstätigkeit in Deutschland weiter rückläufig ist.

Denn anders als in Krisenzeiten bietet sich potenziellen Gründern eine Fülle attraktiver Beschäftigungsmöglichkeiten, ohne das Risiko der Selbstständigkeit. Nur 557.000 Personen – 17 Prozent weniger als im Vorjahr – haben eine neue selbstständige Tätigkeit begonnen, so wenige wie noch nie.

Noch kein Grund zur Beunruhigung, „solange die Anzahl der wachstumsstarken Start-ups steigt und die Qualität der Gründungen stimmt“, meinte Helmut Schönenberger, Chef der UnternehmerTUM, der Gründerinitiative der TU München, die den Weconomy-Preis unterstützt. Und die Qualität der Gründungen hat sich laut KfW-Monitor deutlich verbessert.

So nahm die Zahl ideengetriebener „Chancengründer“ im vergangenen Jahr um acht Prozent auf 333.000 zu. Sogenannte Chancengründungen sind in der Regel überdurchschnittlich bestandsfest und beschäftigungsintensiv.

Sie haben daher volkswirtschaftlich einen besonderen Stellenwert. Darüber hinaus ging es mit der Zahl innovativer Gründer (76.000, plus 31 Prozent), digitaler Gründer (144.000, plus drei Prozent) und Wachstumsgründer (127.000, plus zehn Prozent) aufwärts.

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„Ganz tolle Gründer sind das hier“, lobte Heinz-Walter Große, scheidender Vorstandschef des Medizintechnik-Herstellers B.Braun Melsungen. Die meisten Topmanager waren bereits am Vorabend angereist. Beim Abendessen diskutierte unter anderem Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth bereits intensiv mit den Gründern. Am Samstag dann gab es den ganzen Tag Austausch im 20-Minuten-Takt.

„Das ist manchmal schon etwas kurz“, sagte Miriam Haerst von Kumovis . Die junge Ingenieurin baut einen Reinraum-3D-Drucker für Implantate. Aber die Jungunternehmerin ergriff die Gelegenheit und setzte sich beim Mittagessen gleich neben Bosch-Forschungschef Michael Bolle. „Bedenken Sie die Verteilung in Ihrem Geschäftsmodell“, mahnte Bolle.

Bolle weiß, wovon er spricht. Bei Bosch schied er einst aus, um selbst ein Start-up zum Fliegen zu bringen. Das gelang auch gut, bis nach der Jahrtausendwende die Technologieblase platzte. Bolle musste verkaufen und kehrte zurück zu Bosch.

Trumpf-Geschäftsführer Heinz-Jürgen Prokop pflichtete Bolle in Sachen Kumovis bei: „Das Produkt ist beeindruckend, aber es ist immer die Frage, wo die Wertschöpfung entsteht – beim Maschinenbauer einschließlich Service oder beim Anbieter der Implantate.“ Der Laserspezialist Trumpf ist ebenfalls wieder ins 3D-Drucker-Geschäft eingestiegen, allerdings bei Metallen.

Gründer mit klaren Zielen

Tom Plümmer von Wingcopter nutzte das Treffen gleich konsequent zur Akquise. Der Erfinder eines Quadrocopters mit schwenkbaren Rotoren und Flügeln sprach einen Konzernchef direkt an, ob nicht die Venture-Capital-Tochter einsteigen möchte. In Tansania wird das unbemannte Fluggerät, das sechs Kilo Last transportieren kann, bereits von DHL zum Transport von Medikamenten eingesetzt.

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Die Erfindung kann senkrecht starten wie eine Drohne, aber hat mit seinen Flügen eine deutlich höhere Reichweite. „Tolles Gerät, aber schon ein klarer Fall für Venture-Capital“, meinte auch LBBW-Vorstand Karl Manfred Lochner. Er beobachtet die Start-up-Szene seit acht Jahren. Heute wüssten die jungen Leute schon viel genauer, was sie wollen, als früher.

Längst ist der Wettbewerb keine Einbahnstraße mehr, auf der sich die Jungen Ratschläge der alten Haudegen holen. Konzerne wie Siemens und Bosch, aber auch Mittelständler wie Laser-Spezialist Trumpf oder Anlagenbauer Voith haben eigene Venture-Capital-Fonds aufgelegt, um sich an Start-ups zu beteiligen. Die Manager schauen bei Weconomy genau hin, ob sie nicht von der einen oder anderen Neugründung lernen können.

Breeze, das Gewinner-Start-up aus Hamburg, das Sensorik mit intelligenter Datenanalyse verknüpft und kostengünstig Messstationen zur Luftreinhaltung anbietet, beeindruckte Daimler-Personalchef Porth. „Wenn die Technik stabil ist, könne das etwas sein für die Luftreinhalteprojekte in den 14 am stärksten belasteten Städten.“

Bosch-Personalchef Kübel war beeindruckt von Senorics aus Dresden, die ein Minilabor für die Hosentasche entwickelt haben. Damit lassen sich Flüssigkeiten und feste Stoffe analysieren. Ähnliches bietet das Start-up Infrasolid für die Gasmessung mit winzigen Infrarotstrahlern an. Auch Bosch arbeitet an Mehrfachsensoren. Gerade beim Smog in China könnte das für Smartphones ein Thema werden.

Auch das Start-up Blickfeld, das den Markt für Lidar-Sensoren mit einer revolutionär günstigen Variante aufrollen will, fand viel Interesse bei den Konzernmanagern. Und nicht wenige Unternehmenschefs wollen Userlane mal ausprobieren.

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Gründer Kajetan Uhlig verspricht Unternehmen, dass seine Software Mitarbeiter intuitiv an die Hand nimmt, wenn sie neue Software lernen müssen. Aufwendige Schulungen oder Workshops würden so überflüssig. Robert Langer von Sensorics lobte am Ende der Veranstaltung die Vielfalt der Unternehmerfragen.

„Es war manchmal anders als erwartet, hat aber sehr viel gebracht“, meinte auch Jan-Dirk Reimers vom jungen Elektromotoren-Spezialisten TorqueWerk. Das mag beispielsweise auch an SAP-Topmanager Carsten Polenz gelegen haben, der vor allem die strategischen Fähigkeiten der Jungunternehmer stark forderte. Denn häufig können die Ideen in verschiedenen Anwendungen einen Markt finden.

„Für die Gründer ist es wichtig, da die beste Nische herauszupicken, in der man sich entwickeln kann“, sagte Polenz, der die Themen Industrie 4.0 und Internet der Dinge bei SAP unter sich hat.

Dem Brainstorming-Wochenende in den Räumen des Handelsblatts folgt nun ein einjähriges Coaching für die Start-ups mit Fachleuten aus den unterstützenden Unternehmen.

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