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12.09.2018

20:35

Wettbewerb in Kooperation mit dem Handelsblatt

Das sind die zehn Sieger des Start-up-Contests Weconomy

Von: Martin-W. Buchenau

Die Sieger des Gründerwettbewerbs Weconomy 2018 versuchen sich an Technik für eine bessere Welt. Statt Geldpreisen werden sie künftig von Topmanagern beraten.

Die Weconomy-Jury sowie das Team von Wissensfabrik, UnternehmerTUM und Handelsblatt, die den Gründerwettbewerb jährlich ausrichten.  Wissensfabrik/SLAVICA

Weconomy

Die Weconomy-Jury sowie das Team von Wissensfabrik, UnternehmerTUM und Handelsblatt, die den Gründerwettbewerb jährlich ausrichten.

Die Szene wirkt etwas makaber. Die Medizintechnikerin Miriam Haerst lächelt, hat das Modell eines Menschenschädels unter dem einen Arm und ein Gerät unter dem anderen, das einer weißen Kaffeemaschine ähnelt. „Was könnte eines Tages bei einer komplizierten Schädelverletzung im Notfall-OP passieren?“, fragt die Unternehmensgründerin in die Runde.

Die richtige Antwort gibt Haerst während ihrer Präsentation: „Dieser 3D-Drucker steht im Nachbarraum und fertigt in wenigen Minuten individuell ein Implantat für den beschädigten Teil der Schädeldecke.“

Das Start-up Kumovis ist eine Ausgründung aus der TU München. Dort entstanden erste Prototypen, mit denen die Gründer um Haerst das Funktionieren ihres Druckers nachgewiesen haben. Im Oktober soll ein Vorserienprodukt gefertigt und anschließend mit Pilotkunden erprobt werden.

Haerst weiß, dass der Zukunftsmusik ihres Unternehmens heutzutage noch etliche Bestimmungen der Krankenhäuser und Medizintechnik entgegenstehen. Eine erste Hürde haben sie und ihr Team aber schon überwunden. Implantate aus 3D-Druckern müssten normalerweise im Reinraum gefertigt werden, damit keine für den Patienten gefährlichen Schmutzpartikel mit eingebacken werden.

In Kumovis’ Gerät herrscht bereits ein Reinraum: Spezialfilter und eine neu entwickelte Luftführung schaffen den partikelfreien Druckbereich. Das Gerät selbst muss also nicht mehr in einem Reinraum stehen, sondern kann vor Ort eingesetzt werden.

Das erste Serienprodukt ihres Start-ups Kumovis soll 2019 auf den Markt kommen.  Wissensfabrik/SLAVICA

Miriam Haerst

Das erste Serienprodukt ihres Start-ups Kumovis soll 2019 auf den Markt kommen.

Die Jury des von der „Wissensfabrik“ veranstalteten Gründerwettbewerbs Weconomy unter Vorsitz von Burkhard Schwenker von Roland Berger ist begeistert von solchen Einfällen: „Deutschland braucht mehr Gründer mit innovativen Geschäftsideen. Denn sie fordern etablierte Unternehmen heraus und stärken so unsere Volkswirtschaft insgesamt.“

Knapp 100 Start-ups hatten sich bei Weconomy beworben. Die elfköpfige Jury hat aus 20 Finalisten die zehn Gewinner gekürt. Hinter dem Veranstalter „Wissensfabrik“ steht ein bundesweites Netzwerk der deutschen Wirtschaft mit rund 130 Mitgliedern aller Branchen und Größen sowie dem Handelsblatt als Medienpartner.

Die Gewinner stammen neben der Medizintechnik aus der Industrie, der Sensorik- und Informationstechnologie sowie aus der Luftfahrttechnik.

Der Gründer präsentiert Teile seines neuartigen Wingcopters.  Wissensfabrik/SLAVICA

Tom Plümmer

Der Gründer präsentiert Teile seines neuartigen Wingcopters.

Wingcopter

So überzeugte etwa Tom Plümmer von Wingcopter mit einer Drohne mit Flügeln und schwenk- sowie einklappbaren Rotoren. Der zehn Kilo schwere „Wingcopter“ kann senkrecht starten und landen wie eine Drohne, aber auch fliegen wie ein Flugzeug. Er kann zudem sechs Kilo Gewicht mit Geschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern transportieren.

Durch die Flügel ist er wegen des geringeren Energieverbrauchs vergleichbaren Drohnen in der Reichweite deutlich überlegen. „In Deutschland ist die Zulassung nicht einfach“ weiß Plümmer. Aber in Afrika sei das 50.000 Euro teure Fluggerät schon im Einsatz, um Medikamente und Laborproben in abgelegene Gebiete zu transportieren.

Der Lidar-Markt ist sein Terrain.  Wissensfabrik/SLAVICA

Valentin Baier

Der Lidar-Markt ist sein Terrain.

Laserscanner

Valentin Baier vom Münchner Start-up Blickfeld hat noch größere Ziele: Er will den Lidar-Markt revolutionieren. Lidar sind bislang sündhaft teure Laserscanner, die für autonom fahrende Autos nahezu unverzichtbar sein werden, um die Umgebung zu erkennen. Baier wendet eine neuartige Siliziumtechnologie an.

Das macht das Sensorsystem klein, wartungsfrei, preisgünstig und tauglich für den Massenmarkt. „Der Scanner aus Silizium wird 100 Euro kosten statt bislang 60.000 Euro“, verspricht der Gründer. Stimmt die Aussage und ist die Technik massentauglich, dann kann das Start-up bald womöglich alle Autokonzerne als Kunden gewinnen und ihnen die „neuen Augen der Autos“ verkaufen.

Schadstoffmesser

Robert Heinecke hat mit seinem Start-up Breeze Technologies die Umweltbelastung im Blick. Seine Geräte messen Schadstoffbelastungen der Luft – in Innen- und Außenbereichen. Die Geräte sind klein, kostengünstig und damit für einen flächendeckenden Einsatz geeignet. Eine Software analysiert die Messwerte und unterbreitet geeignete Verbesserungsvorschläge.

Schaltkreise

Schwieriger zu erklären ist die Software von Contunity. Sie ermöglicht auch Nicht-Ingenieuren, Schaltkreise zu entwickeln. „Algorithmen und künstliche Intelligenz entwickeln den Programmcode, Schaltpläne und das Platinen-Layout – Arbeit, die bislang Fachwissen und viel Zeit erforderte“, sagt Gründer Alexander Pohl.

Infrarot-Lichtquellen

Die von Benjamin Buchbach gegründete Dresdener Firma Infrasolid hat Infrarot-Lichtquellen auf wenige Mikrometer geschrumpft. Mithilfe von Infrarotstrahlen werden Zusammensetzung und Konzentration von Gasen bestimmt. Die kleinen Bauteile von Infrasolid können in Smartphones eingebaut werden und machen Gas-Messgeräte so mobil.

Geht es nach dem Dresdner, bekommen Smartphones bald eine völlig neue Funktion.  Wissensfabrik/SLAVICA

Robert Langer

Geht es nach dem Dresdner, bekommen Smartphones bald eine völlig neue Funktion.

Die dafür notwendigen neuen Infrarotsensoren auf Basis organischer Halbleiter liefert der zweite Dresdener Gewinner: Senorics-Gründer Robert Langer. Geht es nach den Gründern, dann kann das Smartphone der Zukunft etwa die Luftverschmutzung exakt analysieren.

Mobiles Labor

Dominic Roth hat mit dem Start-up Stenon ein mobiles Labor für Bodenanalysen entwickelt. Landwirte müssen damit ihre Proben nicht mehr in Labore schicken und sie dort langwierig auswerten lassen. Mit Stenons Programm „FarmLab“ erhalten Landwirte die Werte in Echtzeit vor Ort und wissen sofort, wie viel Dünger sie für einen optimalen Ertrag ausbringen müssen.

Bei Siemens hatte der Gründer seinen Job aufgegeben.  Wissensfabrik/SLAVICA

Jan-Dirk Reimers

Bei Siemens hatte der Gründer seinen Job aufgegeben.

Baukasten-Motor

Jan-Dirk Reimers von TorqueWerk baut den ersten Elektromotor für industrielle Anwendungen mit einem kostengünstigen Baukastensystem. Die gewünschte Leistung der Motoren wird durch die Anzahl der eingesetzten Module bestimmt. Das klingt einfach, ist aber bislang einzigartig.

Digitaler Assistent

Kai Arno Uhlig hat mit Userlane aus München eine Technologie entwickelt, mit deren Hilfe Nutzer jede Software sofort bedienen und verstehen können – ganz ohne Schulung. Klingt für jeden Anwender wie ein Traum. Möglich wird das durch einen digitalen Assistenten, der wie ein Navigationssystem jeden Schritt begleitet.

So gut die Ideen auch sein mögen: Der Weg zum Unternehmenserfolg ist für alle Start-ups hart. Vor allem wenn die Geschäftsideen zur Konkurrenz für Großkonzerne werden. Weil all die Start-ups dafür exklusive Ratschläge brauchen, haben sie bei Weconomy mitgemacht.

Gewonnen haben die zehn Weconomy-Sieger ein Wochenende im Oktober in den neuen Räumlichkeiten des Handelsblatts in Düsseldorf. Dort treffen sie auf Topmanager und Experten der deutschen Wirtschaft, darunter der BASF-Vorstand und Lenkungskreisvorsitzende der „Wissensfabrik“, Michael Heinz, Trumpf-Geschäftsführer Heinz-Jürgen Prokop, SAP-Managerin Hala Zeine und Heinz-Walter Große, Vorstandschef bei B.-Braun.

Neben der Gelegenheit zu Einzelgesprächen mit den Topmanagern erhalten die Gewinner von der Gründerinitiative Weconomy ein ganzes Jahr intensive Unterstützung bei der Umsetzung und Weiterentwicklung ihrer Geschäftsideen.

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