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03.11.2021

07:48

Energie

Streit um neue Erdgas-Pipelines

Von: Kathrin Witsch, Klaus Stratmann

Die Nachfrage nach dem fossilen Rohstoff bleibt in den nächsten Jahren konstant. Trotzdem werden neue Projekte geplant. Kritiker werfen den Betreibern Eigeninteresse vor. 

Die Eugal-Leitung verbindet die Erdgasempfangsstation in Lubmin bei Greifswald mit der Gasdruckregel- und Gasmessanlage in Deutschneudorf (Sachsen) nahe der tschechischen Grenze.  dpa

Erdgasleitung

Die Eugal-Leitung verbindet die Erdgasempfangsstation in Lubmin bei Greifswald mit der Gasdruckregel- und Gasmessanlage in Deutschneudorf (Sachsen) nahe der tschechischen Grenze. 

Düsseldorf Nicht nur die politisch umstrittene Pipeline Nord Stream 2 sorgt beim Thema Erdgasinfrastruktur für Streit. Längst ist eine Debatte darüber entbrannt, ob überhaupt noch neue Leitungen für den Transport fossiler Energieträger nach und in Deutschland nötig sind. 

Zwar steigt der Verbrauch von Erdgas im Stromsektor. Aber insgesamt bleibt er nach zahlreichen Studien dank immer mehr klimafreundlicherer Wärmequellen in den nächsten zehn Jahren konstant – oder geht je nach Szenario sogar zurück.

Die Gasnetzbetreiber wollen das Transportnetz in Deutschland trotzdem ausbauen. 1600 Kilometer sollen bis 2030 zusätzlich gebaut werden, das geplante Investitionsvolumen liegt laut dem aktuellen Netzentwicklungsplan der Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber (FNB Gas) bei knapp acht Milliarden Euro. 

Sie glauben, dass der Gasverbrauch in den nächsten Jahren steige und man deswegen auch neue Pipelines brauche. Zumal man die neuen Rohre später schlicht auf die Weiterleitung von grünem Wasserstoff umrüsten könne. Insgesamt bräuchte es laut FNB Gas für ein überregionales Wasserstoffnetz Leitungen mit einer Gesamtlänge von etwa 5900 Kilometern. Der Clou: Das Leitungssystem basiert zu über 90 Prozent auf dem bereits bestehenden Erdgasnetz.

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    Kritiker monieren allerdings, dass die bestehende Infrastruktur schon vollkommen ausreiche. Auch mit Blick auf die steigende Wasserstoffnachfrage. Sie werfen den Fernleitungsnetzbetreibern ein „massives Eigeninteresse“ vor. Schließlich würden die Kosten dieser Fehlinvestitionen dann über die Netzentgelte an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben, schreibt das Berliner DIW. Die Kosten für neue Infrastrukturprojekte werden bei Erdgas – ähnlich wie beim Stromnetzausbau – mithilfe sogenannter Netzentgelte über die Gasrechnung am Ende auf den Verbraucher umgelegt. 

    Aktivisten und Umweltschützer fordern den kompletten Stopp neuer Erdgasinfrastruktur-Projekte: „Wenn wir von grünem Wasserstoff reden, brauchen wir heute keine Erdgaspipeline zu bauen. Sondern eine Wasserstoffpipeline“, sagt Klima-Ökonomin Franziska Hoffart von „Scientists for Future“.

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