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03.11.2021

17:22

Glasgow

Klimaneutralität von Unternehmen: „Wir nehmen die Herausforderung an“

Von: Silke Kersting

Drei Unternehmen berichten über ihren Beitrag im Kampf gegen die Erderwärmung. Von der Politik fordern sie konkretes Handeln.

Drei Unternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität HeidelbergCement AG

3D-Betondruck bei Heidelberg Cement

Zement ist vielseitig einsetzbar, hat aber einen großen CO2-Fußabdruck. Nun will der Konzern das Problem angehen.

Berlin Die 26. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen hat gerade erst begonnen, da ist die Stimmung schon besser als in vielen Jahren zuvor. „Vielleicht erleben Sie mich ein wenig übereuphorisiert“, sagt Jochen Flasbarth in Glasgow, wo der Staatssekretär aus dem Umweltministerium am Mittwoch virtuell mit deutschen Unternehmensvertretern zusammentrifft. Es sei in den vergangenen Tagen sehr deutlich geworden, dass sich die unterschiedlichen Branchen auf den Weg machten, klimaneutral zu werden, so Flasbarth.

Das bestätigen Dominik von Achten, Vorstandsvorsitzender der Heidelberg Cement AG, Annika Roth, Chefin der Blechwarenfabrik Limburg, sowie Roland Harings, Vorstandsvorsitzender des Kupferproduzenten und -recyclers Aurubis.

„Wir nehmen die Herausforderung an, wir nehmen auch unsere Verantwortung verdammt ernst“, sagt von Achten. „Wir haben uns als Unternehmen ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt und arbeiten weltweit daran, die notwendigen Technologien schnell zu skalieren.“

Heidelberg Cement verfüge mit Beton über einen „Baustoff, der weltweit sehr gefragt ist“. Er sei vielseitig einsetzbar, habe aber einen großen CO2-Fußabdruck. Man wolle Teil der Lösung sein, diesen Fußabdruck zu reduzieren, so von Achten.

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    Forderung nach fairem Wettbewerbsschutz

    „Es ist die Dekade der Umsetzung“, sagt er weiter und fordert mit Blick auf eine Bepreisung von CO2, verbunden mit einem „fairen Wettbewerbsschutz“, entschlossenes politisches Handeln. Konkret nennt er einen CO2-Grenzausgleich, im Fachjargon „Carbon Border Adjustment Mechanism“ (CBAM) genannt, und weiterhin einen Anteil freier Emissionszertifikate für den Ausstoß von Treibhausgasen.

    Klimaneutralität werde immer mehr zu einem Wettbewerbsvorteil, sagt Aurubis-Chef Harings, fordert aber ebenfalls einen Schutz in der Transformationsphase. Von einem CO2-Grenzausgleich sei er nicht überzeugt, so Harings. „Ich befürchte eine unglaubliche Komplexität mit sehr vielen Schlupflöchern und sehr vielen Schwierigkeiten bei der Umsetzung.“

    Für ihn stehen eher Differenzverträge, sogenannte Carbon Contracts for Difference (CCfD), im Mittelpunkt. Dabei verpflichtet sich die öffentliche Hand gegenüber Unternehmen, bei Investitionen in neue, klimaneutrale Verfahren die Mehrkosten gegenüber Investitionen in konventionelle Technik zu übernehmen.

    Sowohl Heidelberg Cement als auch Aurubis sind nicht nur Mitglieder der Stiftung 2 Grad, sondern gehören auch der Initiative „Race to Zero“ der Vereinten Nationen an.  Wer bei dieser Initiative dabei sein will, muss sich nicht nur verpflichten, bis spätestens 2050 klimaneutral zu werden. Es geht auch darum, schon bis 2030 den Weg einzuschlagen, der die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit begrenzen kann.

    Innerhalb eines Jahres nach Beitritt müssen die Unternehmen einen Maßnahmenplan vorlegen, wie sie die Ziele 2030 und 2050 erreichen wollen, und jährlich über ihre Fortschritte berichten.

    Das Unternehmen hat erst im Oktober eine Anlage zur Reduzierung von Feinstaubemissionen in Betrieb genommen. Klimaneutral will Aurubis „deutlich vor 2050“ werden. dpa

    Aurubis-Werksgelände in Hamburg

    Das Unternehmen hat erst im Oktober eine Anlage zur Reduzierung von Feinstaubemissionen in Betrieb genommen. Klimaneutral will Aurubis „deutlich vor 2050“ werden.

    Bei der Stiftung 2 Grad handelt es sich um einen Zusammenschluss von Unternehmen, die sich dem Klimaschutz besonders verpflichtet fühlen, aber auch regelmäßig politische Unterstützung fordern. „Klimaneutralität kann zu einem neuen Markenzeichen werden“, sagt Sabine Nallinger, Vorständin der Stiftung.

    Damit könne Deutschland zeigen, dass es gelingen kann, ein führendes Industrieland klimaneutral aufzustellen und trotzdem den Wohlstand zu erhalten.

    „Aurubis produziert Metalle für die Megatrends der Zukunft – erneuerbare Energien, E-Mobilität oder Digitalisierung“, sagt Harings. „Wir wollen deutlich vor 2050 klimaneutral werden.“

    Er bemängelte, ebenso wie Annika Roth von der Blechwarenfabrik Limburg, dass bislang nur unzureichend definiert sei, was Klimaneutralität eigentlich genau bedeute und welche Maßnahmen die eigene Unternehmensbilanz beeinflussten. So speise Aurubis heute bereits in Hamburg CO2-frei produzierte Wärme in Hamburgs Fernwärmenetz ein, was dem Unternehmen aber nicht positiv angerechnet werde.

    Die Klimakonferenz in Glasgow hat am Montag begonnen. Bis 12. November verhandeln fast 200 Staaten über Wege zu mehr Klimaschutz, finanzielle Hilfen für ärmere Länder und noch immer ungeklärte Fragen zur Umsetzung des 2015 beschlossenen Pariser Klimaabkommens.

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