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03.11.2021

09:21

Klimaschutz

Klima-Gefahr Methangas: Unternehmen planen Emissions-Reduktion

Von: Klaus Stratmann

Methan verursacht etwa die Hälfte des Klimawandels – und droht insbesondere den Energieträger Erdgas infrage zu stellen. Jetzt reagiert die Gasbranche.

Methan-Leckagen verursachen massive Klimaschäden. dpa

Verlegung einer Erdgasleitung in Mecklenburg-Vorpommern

Methan-Leckagen verursachen massive Klimaschäden.

Berlin Die Reduktion von CO2-Emissionen ist das Gebot der Stunde. In dieser und der kommenden Woche dreht sich bei der Weltklimakonferenz in Glasgow alles um die Frage, was geschehen muss, um beim Thema CO2-Reduktion voranzukommen. Dabei ist CO2 zur Chiffre für den menschengemachten Klimawandel geworden. In den Blick gehören aber auch alle anderen Emissionen, die den Treibhauseffekt befeuern – zum Beispiel Lachgas oder Methan. 

Klimaschutzorganisationen rücken insbesondere Methan als besonders klimaschädliches Gas in den Fokus. Tatsächlich ist sein klimaschädigender Effekt um den Faktor 28 höher als der von Kohlendioxid. Nach Angaben der EU-Kommission geht rund die Hälfte der bisherigen globalen Erwärmung auf den Methanausstoß zurück. Und: Der Ausstoß steigt immer weiter an. Im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten haben sich die Methanwerte in der Atmosphäre verdreifacht.

So manche vermeintlich unstrittige Strategie gegen den Klimawandel wirkt auf einmal gar nicht mehr so überzeugend, wenn auch die Methanemissionen einbezogen werden. Zum Beispiel beim im Vergleich zur Kohle vermeintlich klimaschonenden Energieträger Erdgas.

Hier tritt Methan bei der Förderung und dem Transport des Gases aus – in welchem Umfang allerdings, das ist umstritten und zum Teil auch schlicht unbekannt. „Wir brauchen endlich verpflichtende Maßnahmen für die Erfassung und Reduktion von Methanemissionen der Gasindustrie“, fordert Sascha Müller-Kraenner, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die nächste Bundesregierung müsse „den Kuschelkurs mit der Gasindustrie aufgeben und sich hier für strenge Vorgaben und eine EU-weite Methanabgabe einsetzen“, fordert er.

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    Und da die Gasbranche weiß, dass die DUH ihre Anliegen sehr konsequent verfolgt und schon ganze Branchen, allen voran die Autoindustrie, das Fürchten gelehrt hat, sind die Unternehmen nicht untätig geblieben.

    Im September stellte die Vereinigung der Fernleitungsbetreiber (FNB Gas), in der sich die großen überregionalen und grenzüberschreitenden deutschen Gastransportunternehmen zusammengeschlossen haben, die Ergebnisse eines Pilotprojektes zur Erfassung der Methanemissionen vor.

    EU-Kommission plant Regulierungsvorschlag zu Methanemissionen

    Die FNB Gas hat nach eigenen Angaben an rund 43.000 potenziellen Emissionsquellen – etwa an Ventilen oder Schiebern – im deutschen Gasfernleitungsnetz Untersuchungen vorgenommen. Es handelt sich laut FNB Gas um die „bislang umfangreichste koordinierte Messung“ dieser Art. Die Messungen hat das international tätige Spezialunternehmen „The Sniffers“ durchgeführt.

    Grafik

    Aus einer Hochrechnung der Messergebnisse ergibt sich nach Angaben von FNB Gas ein Anteil der Mitgliedsunternehmen „von etwa 0,06 Prozent an den Gesamttreibhausgasemissionen in Deutschland“. Das Ergebnis zeige, dass man die bisher angenommenen Methan-Emissionswerte im Nationalen Inventarbericht „deutlich nach unten“ korrigieren könne.

    Außerdem wollen die Betreiber der Gasfernleitungen ihre Bemühungen im Kampf gegen Undichtigkeiten im Leitungssystem verstärken. „Wir wollen besser werden und führen deshalb die Messinitiative im nächsten Jahr fort. Bis zum Jahr 2025 streben die Mitglieder des FNB Gas an, gemeinschaftlich die Emissionen im Vergleich zum Stand von 2015 zu halbieren“, sagte FNB-Geschäftsführerin Inga Posch.

    Man orientiere sich dabei an den Zielsetzungen der Oil and Gas Methane Partnership (OGMP) unter dem Dach der Vereinten Nationen und deren Leitlinien, ergänzte Posch. „Ein wichtiges Resultat unseres Pilotprojektes ist, dass wir in Zukunft mit gezielten Maßnahmen Emissionsquellen beseitigen können“, sagte Posch. „Ein halbes Prozent der Leckagen ist verantwortlich für 90 Prozent der diffusen Emissionen“, ergänzte sie.

    Ende Juni war die DUH in einer eigenen Studie zu deutlich alarmierenderen Ergebnissen gekommen. Nach Veröffentlichung der FNB-Untersuchungsergebnisse im September legte die DUH im Oktober mit einem konkreten Forderungspaket nach, das auf einer Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) basiert. Zentrale Botschaft: Methan muss nach Überzeugung der DUH genauso wie CO2 einen Preis bekommen. Erst so würden die notwendigen Anreize für Erdgasunternehmen gesetzt, die klimaschädlichen Leckagen entlang der gesamten Wertschöpfungsketten zu erfassen und zu schließen.

    Das Thema hat längst eine politische Dimension erhalten. Die EU-Kommission will im Dezember einen Regulierungsvorschlag zu Methanemissionen innerhalb der EU vorlegen. Unter anderem sollen Gasunternehmen erstmals dazu verpflichtet werden, auf Basis von Messungen über ihre Methanemissionen zu berichten sowie Leckagen zu finden und zu schließen.

    Auch bei der Weltklimakonferenz in Glasgow spielt das Thema eine Rolle. Die EU versucht in Glasgow, gemeinsam mit den USA voranzugehen. Ziel ist es, die Methanemissionen weltweit bis 2030 um mindestens 30 Prozent im Vergleich zu 2020 zu reduzieren.

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