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28.02.2022

13:17

Theresa Hauck

Diese Gründerin ermöglicht Wald-Investments via Krypto-Token – wie es funktioniert und was man beachten sollte

Von: Anis Mičijević

PremiumInvestments in Wald waren bislang vor allem etwas für institutionelle Investoren. Die Plattform Econos will auch Privatanlegern Zugang gewähren.

Wald-Investment via Krypto-Token – wie es funktioniert

Theresa Hauck

Die Econos-Mitgründerin will Anlegern Zugang zu alternativen und nachhaltigen Finanzprodukten ermöglichen.

Düsseldorf Sie hat zweieinhalb Jahre bei der Boston Consulting Group gearbeitet, er neun Jahre bei McKinsey. Im vergangenen Jahr lernten sich Theresa Hauck und Michael Krause über gemeinsame Kontakte kennen und gründeten kurz darauf die Investmentplattform Econos.

Gemeinsam bauen sie nun das grüne Fintech in München auf, das sich jetzt schon als „zentrale Anlaufstelle für nachhaltige Investments“ bezeichnet. Woher nimmt das Gründerduo das Selbstvertrauen? Immerhin existiert das Start-up erst seit etwas mehr als einem halben Jahr.

„Wir sind kein klassisches Start-up, das in der Garage gesessen hat und sich dann überlegt hat, was es Schönes macht“, lautet die Antwort der 27-jährigen Gründerin, die von 2018 bis 2019 im Rahmen des Carlo-Schmid-Programms bei den Vereinten Nationen in New York gearbeitet hat. „Wir haben von Anfang an extrem professionell arbeiten können“, sagte Hauck im Podcast „Handelsblatt Today“.

Für das nötige Startkapital und das professionelle Umfeld sorgte der Ankerinvestor Pelion Green Future, eine Investmentholding der Arvantis Group, die Alexander Samwer 2018 gegründet hat. Seit der jüngste der Samwer-Brüder seine Anteile an der Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet verkauft hat, investiert er massiv in erneuerbare Energien. Bisher kam Econos nach eigenen Angaben komplett ohne externe Finanzierungsrunden aus, das Geld kam ausschließlich von Pelion.

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    Hauck: „Das Investment wird zerstückelt“

    Michael Krause ist schon vor Econos als Unternehmer aktiv gewesen: Der 36-Jährige ist Mitgründer der Münchener Firma Napcabs, die Schlafkabinen an Flughäfen anbietet. Mit Theresa Hauck entwickelt er nun alternative und nachhaltige Finanzprodukte, die auf die Blockchain-Technologie setzen.

    Beispielsweise hat Econos für rund 1,5 Millionen Euro einen 107 Hektar großen Wald in Sachsen-Anhalt gekauft, an dem sich Privatanleger via Kryptoanleihe beteiligen können. „Das Investment wird mithilfe der Blockchain-Technologie zerstückelt“, erklärt Hauck. Die kleinen digitalen Anteile, sogenannte Token, werden auf der Ethereum-Blockchain gespeichert und in die Kryptowallets der Anleger gebucht. Wer keine Kryptowallet hat, bekommt eine von Econos.

    Privatanleger sollen auf diese Weise Zugang zu Investments erhalten, die bislang allein schon wegen ihrer schieren Größe vor allem institutionellen Anlegern vorbehalten waren. „Für ein Waldinvestment braucht man sonst sechs- oder siebenstellige Beträge“, sagt Hauck. Über Econos können Anleger auch mit kleinen Beträgen einsteigen. „Durch die Digitalisierung senken wir außerdem auch die Kosten und den bürokratischen Aufwand“, sagt die Gründerin.

    Forst als Anlageklasse habe sich bereits vor mehr als 30 Jahren in den USA etabliert, erklärt Wendelin von Gravenreuth, Senior Manager für illiquide Vermögenswerte Forstwirtschaft und Landwirtschaft bei der Meag, der Vermögensverwalterin des Rückversicherers Munich Re. „Seither hat das Interesse institutioneller Investoren an dieser Assetklasse stetig zugenommen“, schreibt er in einem Kommentar. Die Meag hat nach eigenen Angaben insgesamt rund 280.000 Hektar Forst in ihrem Portfolio.

    Niedrige Korrelation zu anderen Anlageklassen

    Von Gravenreuth nennt mehrere Gründe für das wachsende Interesse institutioneller Investoren an Forstinvestments: Sie böten eine niedrige Korrelation zu anderen Anlageklassen, lieferten regelmäßige Ausschüttungen und hätten Eigenschaften eines Sachwerts. „In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit und Klimaneutralität zunehmend an Bedeutung gewinnen, fallen weitere positive Aspekte ins Gewicht, darunter die Themen CO2-Bindung und Biodiversität.“

    Doch genauso wie institutionelle Investoren sollten auch Privatanleger dabei einen langen Anlagehorizont verfolgen: Das Waldinvestment von Econos ist auf zehn Jahre ausgelegt. Die Investmentplattform stellt dabei eine Zielrendite von zwei bis vier Prozent in Aussicht. Ein Teil der Rendite berechnet sich aus einer jährlichen Ausschüttung. Deren Höhe hängt von den Erträgen aus der Bewirtschaftung des Waldes ab. Ein anderer Teil ist nach zehn Jahren fällig und ergibt sich aus der Landwertsteigerung.

    Fachkreise aus der Erwerbsforstwirtschaft schätzen die Zielrendite von Econos als unrealistisch ein und verweisen auf Forstbetriebe mit Flächen von 200 Hektar und mehr, die betriebswirtschaftlich „gerade mal so“ auf die schwarze Null kämen. Nicht zuletzt die extreme Trockenheit und der Insektenbefall in den vergangenen Jahren seien ein immer größeres Problem geworden.

    Gründerin Hauck hält dagegen: „Wir sind schon optimistisch, dass wir die Rendite erreichen – insbesondere weil die Wertsteigerung ein großer Faktor sein wird.“ Zudem plane man, in Zukunft auch an weitere Liquiditätsquellen wie Subventionen, Ökopunkte und CO2-Zertifikate zu gelangen. „Und gerade die Holzpreise haben sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt.“

    Hauck bezeichnet Wald als „grünes Gold, was wächst“. Ein Investment in Wald verhalte sich antizyklisch und sei unabhängig von politischen oder wirtschaftlichen Krisen. Zudem sei es als Inflationsabsicherung geeignet.

    Keine Einlagensicherung

    Zumindest aktuell trifft eine solche Aussage jedoch nur bedingt zu: Jüngst hat das Ifo-Institut seine Inflationsprognose für Deutschland für das laufende Jahr auf vier Prozent angehoben, im Januar lag die Teuerungsrate sogar bei 4,9 Prozent – also über der Zielrendite für das optimistische Szenario des Econos-Waldinvestments. Hauck verweist in diesem Zusammenhang auf die langfristige Perspektive: „Ich kann mir kaum vorstellen, dass wir über die nächsten zehn Jahre eine so hohe Inflation haben werden.“

    Neben dem Waldinvestment in Sachsen-Anhalt können Privatanleger über Econos auch in grüne Wagniskapitalfonds wie den World Fund investieren oder sich an der Projektfinanzierung von Solarparks in Großbritannien oder Italien beteiligen. Sie sollten jedoch beachten, dass sie durch den Kauf von Kryptotoken nicht direkt in die Projekte investieren, sondern sich nur mittelbar daran beteiligen – eine Einlagensicherung gibt es nicht. Für den Wald in der Ortschaft Fleetmark hat Econos eine Waldbrandversicherung abgeschlossen, allerdings sind Risiken, die sich zum Beispiel durch möglichen Schädlingsbefall ergeben, nicht mitversichert.

    Gründerin Hauck setzt auf das grüne Gewissen von Anlegern, die nachhaltig investieren wollen, aber schwammigen ESG-Kriterien misstrauen: „Wir investieren direkt in Hebel zum Klimaschutz, wo man sichergehen kann, dass mit dem Investment eine direkte Wirkung einhergeht.“ Es gebe keine klare Definition, was eigentlich grüne Investments sind, und gerade bei ETFs werde das immer deutlicher. „Denn sogar ein ETF, bei dem einfach nur Rüstungsaktien aus dem Portfolio gestrichen werden, kann schon als grün oder nachhaltig gelten.“

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