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26.10.2021

16:43

UN-Umweltbericht

„Auf dem Weg in eine Klimakatastrophe“ – Erde steuert auf eine Erwärmung von 2,7 Grad zu

Von: Silke Kersting

PremiumKurz vor Beginn der Weltklimakonferenz in Glasgow machen die Vereinten Nationen mit ihrem Umweltbericht Druck auf die Staatengemeinschaft – und hoffen auf eine neue Dynamik.

Das Pariser Klimaabkommen sieht vor, die Erderwärmung auf am besten 1,5 Grad zu begrenzen. dpa

Wandgemälde zeigt eine brennende Erde

Das Pariser Klimaabkommen sieht vor, die Erderwärmung auf am besten 1,5 Grad zu begrenzen.

Berlin Die Erde steuert derzeit auf eine Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts von 2,7 Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit zu. Das geht aus dem neuen Emissionslückenreport des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde. „Wir sind immer noch auf dem Weg in eine Klimakatastrophe“, warnte António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN), in New York an diesem Dienstag.

Die Zusagen der Länder zum Klimaschutz bleiben weit hinter dem zurück, was nötig ist, heißt es in dem Bericht. Dieser erscheint einmal jährlich und beziffert die Lücke zwischen dem Versprechen der Länder, klimaschädliche Emissionen zu senken, und der Minderung, die tatsächlich notwendig wäre, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten. Selbst wenn die Ankündigungen einzelner Länder in den vergangenen Tagen berücksichtigt würden, so Guterres, erwärme sich die Temperatur um mehr als zwei Grad.

Das im Dezember 2015 von der Weltgemeinschaft vereinbarte Pariser Abkommen sieht vor, die Erderwärmung bis zum Jahr 2100 auf unter zwei Grad Celsius, am besten 1,5 Grad, gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Bis heute hat sich die Temperatur um durchschnittlich 1,1 Grad erhöht. In Deutschland liegt der Wert nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) bei 1,6 Grad.

Die UN setzen nun auf die bevorstehende Weltklimakonferenz in Glasgow, die COP26. Sie hoffen, dass die Staats- und Regierungschefs gleich zu Beginn der zweiwöchigen Konferenz neue, nachgebesserte Klimaziele vorlegen und so eine Dynamik entsteht, die weitere Länder zur Nachahmung motiviert.

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    Australien nennt Datum für Netto-null-Emissionen

    Einige Länder hatten bereits in den vergangenen Monaten ehrgeizigere Klimaziele angekündigt, andere ziehen nach. Australien etwa kündigte am Dienstag an, bis 2050 den Ausstoß von Treibhausgasen auf netto null reduzieren zu wollen. Netto null bedeutet, dass nicht mehr Emissionen ausgestoßen werden als etwa durch natürliche Senken wie Wälder wieder aufgefangen werden können.

    Der konservative Premierminister Scott Morrison hatte sich lange geweigert, ein konkretes Datum für das Erreichen der Klimaneutralität vorzulegen, obwohl Australien immer wieder selbst schwer von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen ist.

    Grafik

    Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20), zu denen auch Australien gehört, sind besonders relevant, um das Klimaziel zu erreichen. Sie verantworten rund 80 Prozent der globalen Emissionen.

    „Einige G20-Staaten oder Staatengruppen, wie etwa die EU, USA, Neuseeland und UK, haben ihre Ziele bereits deutlich nachgeschärft – aber für eine 1,5-Grad-Politik immer noch nicht ausreichend“, moniert die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. Moralisch liege der größte Druck auf Ländern mit den höchsten Pro-Kopf-Emissionen. Dazu zählen neben Australien auch Saudi-Arabien, Kanada und die USA.

    China muss Ziele nachschärfen

    Vor allem aber müsse China, das für fast ein Drittel der absoluten globalen Emissionen verantwortlich ist, sein Ziel nachschärfen, fordert Germanwatch. Die Volksrepublik verzeichnet weiter steigende Emissionen, bekräftigte aber am Dienstag erneut, den Höhepunkt der CO2-Emissionen vor 2030 erreichen zu wollen.

    Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, sprach bei einer Veranstaltung in Berlin mit Blick auf Australien und China von enorm wichtigen Schritten, auch wenn diese noch nicht ausreichten.

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    Auch die Schwellenländer mit dem größten Wachstum der Emissionen, etwa Indien, müssen den Trend steigender Emissionen drehen. Nur dann hält es etwa Germanwatch für möglich, das 1,5-Grad-Limit noch einhalten zu können.

    Netto-null-Zusagen könnten einen großen Unterschied machen, heißt es bei den Vereinten Nationen, aber die derzeitigen Pläne seien vage und spiegelten sich nicht in den offiziell eingereichten Klimazielen wider.

    Bislang haben sich insgesamt gut 50 Länder verpflichtet, um die Mitte des Jahrhunderts nicht mehr Treibhausgase auszustoßen, als über Reduktionsmaßnahmen wieder aus der Atmosphäre entzogen werden können. Dies deckt nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als die Hälfte der weltweiten inländischen Treibhausgasemissionen, mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts und ein Drittel der Weltbevölkerung ab.

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