Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

26.10.2021

04:00

Weltklimakonferenz

Greenwashing oder effizienter Klimaschutz: Wie Unternehmen sinnvolle Strategien entwickeln

Von: Silke Kersting, Klaus Stratmann

Die freiwillige CO2-Kompensationen von Unternehmen ist gängige Praxis, hilft aber nicht dabei, klimaneutral zu werden. Der WWF verlangt mehr Anstrengungen von der Wirtschaft.

Ein Stopp des Kohleabbaus reicht nicht: Unternehmen müssen in allen Wertschöpfungsketten Emissionen reduzieren dpa

Braunkohletagebau Welzow-Süd

Ein Stopp des Kohleabbaus reicht nicht: Unternehmen müssen in allen Wertschöpfungsketten Emissionen reduzieren

Berlin Wenige Tage vor Beginn der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow rücken auch die Klimaschutzbemühungen der Unternehmen verstärkt in den Fokus. Die Umweltorganisation WWF fordert von der Wirtschaft, nicht nur die eigenen klimaschädlichen Emissionen zu reduzieren, sondern stärker die vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten in den Blick zu nehmen.

Das sei „nicht einfach, aber für das 1,5-Grad-Klimaziel zentral“, sagte Sebastian Öttl, Experte für nachhaltige Unternehmensführung beim WWF Deutschland, dem Handelsblatt.

Laut Öttl machen die Emissionen in den vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten den Großteil der Gesamtemissionen aus, je nach Branche und Geschäftsmodell oft mehr als 70 bis 80 Prozent.

Unternehmen würden ihrer Verantwortung für Klimaschutz nur über eine ganzheitliche Strategie gerecht, die Emissionen in der gesamten Wertschöpfungskette reduziert, in Klima- und Naturschutz investiert und sich bei Partnern und Politik für echten Klimaschutz einsetzt, so der WWF, der an diesem Dienstag einen Leitfaden für unternehmerischen Klimaschutz vorstellt. „Es braucht in der aufgeheizten Diskussion um Klimaneutralität von Unternehmen eine Orientierung, die die Priorisierung richtig setzt“, so Öttl.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Ab Mitte des Jahrhunderts dürfen weltweit netto keine Treibhausgasemissionen mehr anfallen. „Um wirksam und glaubwürdig zu sein, dürfen sich Unternehmen nicht mehr nur vage zu diesem Ziel bekennen; vielmehr müssen ihre Klimastrategien geeignet sein, es auch zu erreichen“, heißt es in dem Leitfaden, der dem Handelsblatt vorliegt.

    Angemessene Bepreisung von Emissionen

    Der WWF fordert zudem, zusätzliche Mittel für den Klimaschutz bereitzustellen, und zwar in Form von höheren Investitionen in Klima- und Naturschutzprojekte. „Wir fordern dreierlei von Unternehmen: die drastische Emissionsreduktion in der gesamten Wertschöpfungskette, eine angemessene Bepreisung der nicht vermeidbaren Emissionen für zusätzliche Investitionen in Klima- und Naturschutz sowie die aktive und transparente Kommunikation“, so Öttl.

    Grafik

    Eine reine Kompensation von Emissionen mit eingekauften CO2-Gutschriften „zur Unterstützung von Marketing-Claims à la ,klimaneutral‘ ist keine ausreichende Klimaschutzmaßnahme“, sagte Öttl weiter. „Schlimmstenfalls ist sie bloßes Greenwashing.“ Emissionen, die auf dem Reduktionspfad weiterhin anfallen, sollten nicht eins zu eins kompensiert werden.

    Stattdessen sollten Unternehmen sie angemessen bepreisen, etwa mit den rund 200 Euro pro Tonne CO2, die das Umweltbundesamt an Umweltschäden berechnet. Dieses Budget sollte dann als Investition etwa in Naturschutzprojekte fließen. Die freiwillige CO2-Kompensation steht unter dem Generalverdacht, die erwarteten Effekte nicht zu erzielen, und wird Thema bei der am Sonntag beginnenden Klimakonferenz sein.

    Suche nach verbindlichen Regeln

    Der Ursprungsgedanke der CO2-Kompensation geht auf das 1997 verabschiedete Kyoto-Protokoll, den Vorläufer des Pariser Klimaabkommens, zurück. Es enthielt nur für Industrieländer Verpflichtungen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen.

    Weltmeteorologieorganisation

    WMO warnt: „Steuern auf globale Erwärmung von 2,5 bis 3 Grad zu“

    Weltmeteorologieorganisation: WMO warnt: „Steuern auf globale Erwärmung von 2,5 bis 3 Grad zu“

    Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

    Um den Industrieländern zu ermöglichen, ihre Ziele kosteneffizient zu erreichen, wurde staatlichen und privaten Akteuren ermöglicht, einen Teil ihrer Reduktionsverpflichtungen in Entwicklungsländern zu erfüllen.

    Das war einfach darstellbar, weil die Entwicklungsländer selbst noch keine Reduktionsverpflichtungen eingehen mussten. Das Protokoll ist Ende 2020 ausgelaufen, nun ist das 2015 beschlossene Pariser Klimaschutzabkommen maßgeblich.

    Demnach müssen sich alle 195 Vertragsstaaten zu Reduktionszielen verpflichten. Daraus erwachsen Probleme: Wenn beispielsweise ein Investor aus einem Industriestaat die in einem Entwicklungsland erzielten CO2-Einsparungen zur Kompensation verwenden möchte, tritt er in Konkurrenz zum Gastland, das jetzt selbst ein Interesse daran hat, CO2-Minderungen nachzuweisen. Es besteht die Gefahr, dass Reduktionen doppelt gezählt werden. Es gibt noch keine international verbindlichen Regeln, die das verhindern.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×