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22.02.2022

12:39

Neuer Elektrobus

VW will Anfang März den ID.Buzz enthüllen – das sind die Pläne für den Elektro-Bulli

Von: Stefan Menzel

Mit dem ID.Buzz macht der VW-Konzern sein ikonisches Transporter-Modell elektrisch. Kunden müssen sich allerdings noch bis Herbst gedulden.

Der elektrische Bulli soll zur neuen Ikone der VW-Elektrostrategie werden. Volkswagen

VW ID.Buzz

Der elektrische Bulli soll zur neuen Ikone der VW-Elektrostrategie werden.

Hamburg Für Volkswagen ist es das wichtigste neue Modell in diesem Jahr: der elektrische ID.Buzz. Bei der Transporter-Tochter VW Nutzfahrzeuge (VWN) in Hannover laufen intensive Vorbereitungen für Produktions- und Verkaufsstart – Anfang März soll das Auto offiziell vorgestellt werden.

Die ersten noch getarnten Modelle waren am Wochenende auf den Straßen rund um Hamburg unterwegs. Noch vor dem Sommer will Volkswagen den Vorverkauf freigeben, voraussichtlich im Herbst sollen die ersten Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert werden.

Aktuell wird in Hannover an den ersten Vorserienmodellen des ID.Buzz gearbeitet. Etwa zehn elektrische Kleinbusse verlassen das Transporterwerk derzeit pro Tag. Bis die volle Serienproduktion beginnt, dürften jedoch noch einige Wochen vergehen. VWN will damit vor der Sommerpause beginnen. In diesem Jahr dürften damit einige Zehntausend Exemplare gefertigt werden.

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Standort erkennen

    „50.000 bis 60.000 werden es wahrscheinlich im ersten vollen Jahr werden“, sagte VWN-Vertriebsvorstand Lars Krause bei der Testfahrt in Hamburg. Danach könnte Volkswagen die Jahresproduktion weiter ausbauen. Entscheidend sei dafür, dass sich die Kundennachfrage für das neue Fahrzeug entsprechend entwickeln werde.

    Verkauf von VW ID.Buzz startet zunächst in Deutschland

    Volkswagen beginnt mit dem Verkauf des ID.Buzz zunächst in Deutschland. VWN will den Kleinbus als Pkw und auch als Nutzfahrzeug beispielsweise für Handwerker anbieten. Die Absatzplaner in Hannover kalkulieren damit, dass VWN auf längere Sicht von der Nutzfahrzeug-Version mehr Exemplare verkaufen wird als von der Pkw-Variante.

    Zum Auslieferungsstart im Herbst sollen beide Versionen bei den Volkswagen-Händlern stehen. Die Pkw-Variante dürfte in Deutschland nach Abzug der staatlichen Förderprämie weniger als 50.000 Euro kosten. Die genauen Preise will Volkswagen Anfang März bekannt geben.

    Der VW-Konzern hofft nicht nur in Deutschland und Europa auf Verkaufserfolge mit dem neuen Elektrobus, sondern vor allem auch in den USA. In den Vereinigten Staaten hatte sich Volkswagen vor allem in den 70er- und 80er-Jahren mit seinem „Bulli“ einen Namen gemacht. Jetzt hofft VW darauf, mit dem ersten rein elektrischen Kleinbus an diese Verkaufserfolge aus der Vergangenheit anknüpfen zu können.

    Produktion auch in den USA denkbar

    Ist die Nachfrage in Nordamerika hoch genug, könnte VW den Elektrobus eines Tages auch unmittelbar in den USA produzieren. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, so VWN-Vertriebschef Krause. Volkswagen besitzt eine eigene Fabrik im US-Bundesstaat Tennessee, in der der ID.Buzz von den Bändern laufen könnte. Der Verkaufsstart in Nordamerika ist für das kommende Jahr geplant.

    Volkswagen setzt darauf, dass sich der neue Elektrobus recht schnell am Markt durchsetzen wird. „Wir haben damit ein Alleinstellungsmerkmal“, sagte VWN-Vertriebsvorstand Krause. Bei den Konkurrenten gebe es noch keine Transporter und Kleinbusse, die von Anfang an durchgängig als Elektrofahrzeug entwickelt und konzipiert worden seien. Die meisten Wettbewerber hätten umgewandelte Verbrennermodelle im Angebot, die nachträglich einen Elektroantrieb bekommen hätten.

    Die Einstiegsvariante soll unter 50.000 Euro zu haben sein.

    Preise wie beim Verbrenner

    Die Einstiegsvariante soll unter 50.000 Euro zu haben sein.

    Für den ID.Buzz nutzt Volkswagen den „Modularen Elektrifizierungs-Baukasten“ (MEB), den die Wolfsburger auch bei den batteriegetriebenen Pkws aus der ID-Modellreihe verwenden und der einen hohen Standardisierungsgrad erlaubt. Damit bekommt der Elektrobus Fahreigenschaften, die an Personenwagen erinnern. Der ID.Buzz ist etwa 20 Zentimeter kürzer als die VW-Transporter mit Verbrennungsmotor. Weil der Elektroantrieb aber deutlich kleiner als ein Diesel ist, gibt es im Inneren des ID.Buzz viel Platz für die Passagiere.

    Elektrobus VW ID.Buzz symbolisiert Konzern-Wandel

    Der batteriebetriebene Kleinbus symbolisiert aus VW-Sicht den grundlegenden Wandel des Autoherstellers zum Elektroanbieter. „Das Fahrzeug steht für die Transformation von Volkswagen“, sagte Ralf Brandstätter, Vorstandschef der Kernmarke VW Pkw. Aus der Vergangenheit heraus gebe es zudem eine hohe emotionale Bindung der Kunden an den „Bulli“. Damit sollten entsprechend hohe Absatzzahlen für den ID.Buzz möglich sein.

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    Doch ein Verkaufserfolg für den neuen Elektrobus ist nicht automatisch garantiert. „Der Hinweis an eine erfolgreiche Vergangenheit reicht dafür nicht aus“, sagt Frank Schwope, Automobilanalyst bei der NordLB in Hannover. Ein Beispiel: Mit dem „New Beetle“ habe Volkswagen an die Käfer-Vergangenheit erinnern wollen, doch die echten dauerhaften Absatzerfolge seien ausgeblieben. Volkswagen habe den New Beetle deshalb aus dem Modellportfolio herausnehmen müssen.

    Elektroantrieb könnte VW ID.Buzz zu Erfolg machen

    Wegen der geringeren Stückzahlen als bei Pkws sei es noch schwieriger, einen Kleinbus dauerhaft erfolgreich zu verkaufen. Das zeige allein ein Blick auf die Vergangenheit von Volkswagen, so Autoanalyst Schwope. Nach der Jahrtausendwende habe der Wolfsburger Konzern mehrfach versucht, neue Kleinbusse auf den Markt zu bringen, die ebenfalls an frühere Modellkonzepte angelehnt waren. Das bekannteste Fahrzeug war der sogenannte „Microbus“, dessen Entwicklung Volkswagen über Jahre vorangetrieben hatte. Das Projekt war dann aber wegen fehlender Erfolgsaussichten eingestellt worden.

    Dieses Schicksal müsse dem ID.Buzz nicht drohen, der Elektroantrieb könne das Auto tatsächlich zu einem Erfolg machen. Aber Volkswagen müsse wirklich erst unter Beweis stellen, dass das gelingen könne. „Noch ist das Fahrzeug ein Nischenprodukt. Es wird sich zeigen, ob die Verbrennermodelle damit abgelöst werden können“, ergänzt Schwope.

    Für Auslastung von VW-Fabrik in Hannover wichtig

    Vor allem für die VW-Transporterfabrik in Hannover ist es entscheidend, dass sich der ID.Buzz dauerhaft durchsetzen kann. Das Werk braucht den Elektrobus für eine sichere Auslastung. Die Fabrik verliert in den kommenden Jahren einen Teil seiner bisherigen Verbrennerproduktion. Volkswagen fertigt den klassischen Transporter in der Nutzfahrzeug-Version künftig mit Ford. Dieses Fahrzeug kommt dann nicht mehr aus Hannover, sondern aus einem Ford-Werk in der Türkei.

    Das Pick-up-Modell „Amarok“ hatte Volkswagen schon vor längerer Zeit aus der hannoverschen Fabrik abgezogen. Auch dieses Fahrzeug entsteht künftig in einer Gemeinschaftsproduktion mit Ford und kommt dann aus einer Fabrik des US-Konzerns in Südafrika. VWN will diesen neuen „Amarok“ auch noch in diesem Jahr auf den Markt bringen.

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