Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

02.03.2022

19:57

Oligarchen

Roman Abramowitsch will den FC Chelsea verkaufen

Von: Carsten Volkery

Der Oligarch will angesichts drohender Sanktionen den Londoner Spitzenklub loswerden – und den Erlös angeblich der Ukraine spenden. Ein Schweizer Milliardär ist interessiert.

FC Chelsea: Roman Abramowitsch sucht offenbar Käufer Corbis Sport/Getty Images

Roman Abramowitsch

Der Oligarch verlangt angeblich vier Milliarden Pfund für den FC Chelsea.

London Der russische Oligarch Roman Abramowitsch will seinen Besitz in England verkaufen – inklusive des Fußballklubs FC Chelsea. Das bestätigte er am Mittwochabend. Die US-Bank Raine Group fühlt derzeit in seinem Namen bei potenziellen Interessenten vor.

Der mögliche Nettoerlös soll Abramowitsch zufolge in eine Stiftung überführt und Opfern des Kriegs in der Ukraine zugutekommen. Zudem schreibt der 55-Jährige Kreditlinien in Gesamthöhe von 1,5 Milliarden Pfund ab, die er als Besitzer dem FC Chelsea zur Verfügung gestellt hat.

Der in den USA lebende Schweizer Milliardär Hansjörg Wyss hatte zuvor der Zeitung „Blick“ gesagt, er und drei weitere Personen hätten am Dienstag eine Einladung erhalten, den Klub zu kaufen. „Abramowitsch gehört zu den engsten Beratern und Freunden von Putin“, sagte Wyss. „Er ist wie alle anderen Oligarchen auch in Panik.“ Er wolle alle seine Villen und den Klub schnell loswerden.

Der Labour-Abgeordnete und scharfe Abramowitsch-Kritiker Chris Bryant hatte am Dienstag zudem im britischen Parlament gesagt, der Oligarch sei dabei, seine Immobilien zu verkaufen. „Ich glaube, er hat Angst, sanktioniert zu werden. Deshalb verkauft er schon morgen sein Haus – und dann auch eine weitere Wohnung“, sagte er.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Bryant forderte die Regierung auf, den Russen endlich auf die Sanktionsliste zu setzen und sein Vermögen einzufrieren. „Ich habe die Sorge, dass wir zu lange brauchen.“

    In London sorgt es seit Tagen für Verwunderung, dass Abramowitsch von Sanktionen bislang verschont bleibt. Er gilt als Unterstützer Putins und hatte den Krieg hat er bisher nicht verurteilt. Die jetzige Stiftung zugunsten der Kriegsopfer scheint zumindest dahin zu deuten, dass Abramowitsch in diesem Punkt einlenken könnte. Die Regierung hatte angekündigt, mehr als hundert russische Personen und Firmen wegen der Invasion in die Ukraine mit Sanktionen zu belegen. Doch stehen nur wenige Oligarchen auf der britischen Liste.

    Ukrainekrise

    Roman Abramowitsch will den FC Chelsea verkaufen

    Ukrainekrise: Roman Abramowitsch will den FC Chelsea verkaufen

    Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

    Abramowitsch hatte sein Vermögen nach dem Zerfall der Sowjetunion mit Öl und Aluminium gemacht. Mit 12,1 Milliarden Dollar ist er einer der reichsten Männer Russlands. 2003 hatte er den FC Chelsea gekauft.

    Außerdem besitzt er Londoner Immobilien im Wert von 200 Millionen Pfund. Darunter sind eine herrschaftliche Villa in Kensington Palace Gardens, einer Privatstraße mit vielen Botschaften und Milliardärsanwesen, und ein dreistöckiges Penthouse in einem Hochhaus an der Themse. Allerdings war Abramowitsch in den vergangenen drei Jahren kaum in London.

    Mehr zu den russischen Oligarchen:

    Wyss sagte gegenüber „Blick“, er könne sich den Einstieg bei Chelsea mit Partnern gut vorstellen. Aber erst wolle er noch vier bis fünf Tage warten. „Abramowitsch fordert derzeit viel zu viel. Wissen Sie: Chelsea steht bei ihm mit zwei Milliarden Pfund in der Kreide. Aber Chelsea hat kein Geld. Bedeutet: Diejenigen, die Chelsea kaufen, sollen Abramowitsch entschädigen.“

    Abramowitsch fordert drei Milliarden Pfund für den amtierenden Champions-League-Sieger. In der Vergangenheit hatte er Kaufangebote in Höhe von rund zwei Milliarden Pfund als zu niedrig abgelehnt. Nun jedoch steht er unter akutem Verkaufsdruck und wird seine Erwartungen wohl deutlich senken müssen.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×