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17.05.2022

12:45

OQ Chemicals

Milliardendeal: Deutsches Chemieunternehmen steht zum Verkauf

Von: Arno Schütze, Bert Fröndhoff

Die Ölgesellschaft des Omans stellt das Unternehmen aus Monheim zum Verkauf. Wettbewerber Perstorp wird an Petronas aus Malaysia verkauft.

OQ Chemicals ist 2007 aus einem Gemeinschaftsunternehmen der früheren Degussa und Celanese und weiteren Teilen des Celanese-Konzerns entstanden.

OQ-Werk in Oberhausen

OQ Chemicals ist 2007 aus einem Gemeinschaftsunternehmen der früheren Degussa und Celanese und weiteren Teilen des Celanese-Konzerns entstanden.

Frankfurt, Düsseldorf Die deutsche Chemiefirma OQ Chemicals steht Finanzkreisen zufolge vor einem Milliarden Euro schweren Verkauf. Die staatliche Ölgesellschaft des Omans will als Eigentümer in den kommenden Tagen entsprechende Informationsprospekte zur Tochtergesellschaft verschicken. Oman Oil Company hofft bei einem Verkauf auf eine Bewertung von mehr als 2,5 Milliarden Euro, wie mehrere mit der Transaktion vertraute Personen sagten.

OQ Chemicals ist mit 1400 Mitarbeitern einer der weltweit führenden Hersteller sogenannter Oxo-Chemikalien, die etwa für Beschichtungen, Schmierstoffe, kosmetische und pharmazeutische Produkte sowie Aroma- und Duftstoffe gebraucht werden. Der Konzern kommt nach eigenen Angaben auf einen Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Euro und hat seinen Sitz im rheinländischen Monheim.

Der wichtigste Produktionsstandort ist aber mit 1000 Mitarbeitern Ruhrchemie in Oberhausen. In Finanzkreisen werden vor allem Investoren wie Apollo, Bain, oder Cinven als mögliche Bieter gehandelt.

Wettbewerber Perstorp steht vor Verkauf an Petronas

Hoffnungen von Finanzinvestoren, sowohl OQ Chemicals als auch Wettbewerber Perstorp zu kaufen und miteinander zu fusionieren, dürften sich seit Dienstag zerschlagen haben. Perstorp-Eigentümer PAI kündigte an, das Unternehmen für 2,3 Milliarden Euro an eine Tochter des staatlichen Ölkonzerns Petronas aus Malaysia zu verkaufen. Das Handelsblatt hatte am Montag berichtet, dass ein Verkauf der schwedischen Chemiefirma kurz bevorsteht.

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    Der Private-Equity-Investor PAI hatte Perstorp 2005 übernommen und durch eine Reihe von Zu- und Verkäufen neu aufgestellt. Unter anderem hatte das Unternehmen die Produktion von nachhaltigem Methanol aus Kohlendioxid, Reststoffströmen, Biogas und grünem Wasserstoff eingeführt, was die Herstellung des Stoffs aus fossilen Brennstoffen ersetzen soll. Perstorp hat in den vergangen zwölf Monaten ein Betriebsergebnis (Ebitda) von umgerechnet 272 Millionen Euro verbucht.

    OQ Chemicals ist 2007 aus einem Gemeinschaftsunternehmen der früheren Degussa und Celanese und weiteren Teilen des Celanese-Konzerns entstanden. Darunter befand sich auch Ruhrchemie. Bei dem Oberhausener Unternehmer hat der deutsche Chemiker Otto Roelen einst das heute weltweit bekannte Oxo-Verfahren entdeckt, mit dem petrochemische Stoffe wie Ethylen und Propylen umgewandelt werden.

    Oman Oil will sich wieder auf Rohstoffförderung konzentrieren

    Käufer war 2007 das Private-Equity-Unternehmen Advent. 2013 reichte der Investor das Unternehmen an den staatlichen Ölkonzern des Omans weiter, der sich damit vom reinen Ölförderer zum Petrochemie-Unternehmen weiterentwickeln wollte.

    Das Bestreben von Oman Oil, sein Upstream-Geschäft (Ölförderung) mit dem Downstream-Geschäft (Verarbeitung des Rohstoffs) zu kombinieren, erzielte allerdings nicht die gewünschten Ergebnisse. Zuletzt stiegen angesichts der hohen Ölpreise die Einnahmen aus dem Rohstoffverkauf, weshalb eine Diversifizierung als weniger dringlich galt. Das Sultanat stellt die deutsche Tochtergesellschaft daher wieder zum Verkauf.

    Bei einem Deal könnte OQ Chemicals mit etwa dem Zehnfachen des für 2022 erwarteten Betriebsergebnisses von gut 250 Millionen Euro bewertet werden, wie mit dem Vorgang vertraute Personen sagten. JP Morgan organisiere den Verkaufsprozess.

    Private-Equity-Firmen haben Erfahrung darin, Portfoliounternehmen zu stärken, neu aufzustellen und später mit Gewinn zu verkaufen. Oft werden die Firmen mit weiteren Zukäufen verstärkt, um global schlagkräftigere Einheiten zu bilden. Die Unternehmen, ihre Eigentümer und Berater lehnten Stellungnahmen ab oder waren zunächst nicht erreichbar.

    Dieser Artikel erschien zuerst am 16.05.2022 um 20:13 Uhr.

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