Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

22.06.2022

13:09

Personalberatung

Michael Ensser führt künftig den Headhunter Egon Zehnder

Von: Tanja Kewes

Der Deutsche will die Personalberatung zur weltweiten Nummer eins machen – und gleichzeitig die Traditionen nicht aufgeben.

Michael Ensser setzte sich jetzt bei der Wahl zum Chairman des Personalberatungsunternehmens Egon Zehnder gegen zwei Kandidaten aus Asien und den USA durch. Egon Zehnder / Oliver Soulas

Neuer Weltchef beim Headhunter Egon Zehnder

Michael Ensser setzte sich jetzt bei der Wahl zum Chairman des Personalberatungsunternehmens Egon Zehnder gegen zwei Kandidaten aus Asien und den USA durch.

Düsseldorf Die 270 Partner der Personalberatung Egon Zehnder haben einen neuen Chairman gewählt: Michael Ensser. Der Deutsche setzte sich in einer geheimen Wahl gegen zwei Kandidaten aus Asien und den USA durch.

Er übernimmt das Amt zum 1. November von der Britin Jill Ader, die altersbedingt die höchste Führungsposition der 1964 in Zürich gegründeten Firma verlässt und in eine beratende Funktion wechselt. Ader war die erste Frau, die eine der fünf größten Personalberatungen weltweit geleitet hat.

Egon Zehnder erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Jahresumsatz von knapp 800 Millionen Euro. Deutschland ist mit einem Erlös von zuletzt rund 110 Millionen Euro nach den USA der zweitwichtigste Markt für die Beratung.

Michael Ensser überzeugte mit einer klaren Ansage zur Expansion und zu seiner Führungserfahrung. „Ich freue mich auf die neue Herausforderung. Unser erklärtes Ziel ist die weltweite Marktführerschaft, nicht nur in Europa“, erklärte der 57-Jährige nach seiner Wahl.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Unser Fokus liegt mehr denn je auf der Beratung der obersten Führungsebene, die auf jedem Kontinent vor großen Herausforderungen steht“, sagte der Manager. „Wir erwarten mehr Veränderungen an der Spitze und einen größeren Beratungsbedarf bei der Weiterentwicklung von Spitzenpersonal und Unternehmenskulturen, die sich unter anderem nie da gewesenen geopolitischen Verschiebungen stellen müssen.“

    25 Jahre Beratungserfahrung

    Der promovierte Politikwissenschaftler Ensser ist seit 25 Jahren bei Egon Zehnder. Er berät Firmen aus der Medien- und Telekommunikationsbranche in Führungsfragen und hatte bereits verschiedene Leitungsfunktionen inne.

    So war er als Managing Partner zunächst von 2012 bis 2019 Deutschlandchef von Egon Zehnder, später führte er auch den Schweizer Standort. Er lenkte die „Zehnders“ hierzulande durch schwierige Zeiten. Die Gesellschaft steckte – wie die gesamte deutsche Wirtschaft – in der digitalen Transformation.

    Die Personalberater mussten sich selbst neu aufstellen. Schließlich lebten sie lange von ihrer Visitenkartensammlung und aus ihrem Selbstverständnis heraus. Diese Zeiten waren und sind vorbei. Soziale Netzwerke wie LinkedIn und Xing und agile Konkurrenten fordern die Headhunter heraus.

    Im Interview mit dem Handelsblatt erklärte Ensser als Deutschlandchef 2017: „Angriff ist die beste Verteidigung. Wir suchen und finden für unsere Klienten nicht mehr nur neue Köpfe, sondern begleiten diese neuen und ihre alten Kollegen dann auch bei ihren Führungsherausforderungen.“

    Die Beratung stelle sich breiter auf. Ein großer Teil des Geschäfts habe nichts mehr mit der klassischen Suche zu tun. Egon Zehnder werde deshalb „auch nicht in 100 Jahren“ zur Strategieberatung. Führung sei aber ein großes strategisches Thema.

    Egon Zehnder will an Traditionen festhalten

    In den vergangenen drei Jahren war Ensser im globalen Board von Egon Zehnder tätig. Außerdem leitet er die deutsche Board Academy, die gemeinsam mit der Strategieberatung McKinsey und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ins Leben gerufen wurde und Führungspersönlichkeiten auf die Übernahme von Aufsichtsratspositionen vorbereitet.

    Als Weltchef will er nun die internationale Expansion vorantreiben. Darunter sollen aber nicht die Traditionen leiden. So ist Egon Zehnder anders als einige Konkurrenten wie der weltweite Marktführer Korn Ferry mit einem Jahresumsatz von zuletzt 2,4 Milliarden Euro nicht börsennotiert, sondern eine Partnerschaft. Das soll auch so bleiben.

    Darüber hinaus wollen die Berater von Egon Zehnder auch an weiteren, sie charakterisierenden Anachronismen festhalten:

    • So verpflichten die „Zehnders“ erstens nie andere Personalberater. Sie holen immer Menschen aus der Industrie oder aus Strategieberatungen.
    • Zweitens wächst die Beratung ausschließlich organisch, nicht über Akquisitionen.
    • Und drittens pflegt die Beratung eine Art sozialistische Struktur. Alle Partner bekommen jährlich zusätzlich zu ihrem Grundgehalt die gleiche Gewinnausschüttung – unabhängig von ihrem gemachten Umsatz.

    Einzig die Seniorität sorgt für etwas Unterschied. Mit 62 Jahren ist allerdings Schluss.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×