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10.03.2022

16:27

Recycling

Ex-DIHK-Präsident Schweitzer stellt Alba SE zum Verkauf

Von: Christoph Schlautmann

PremiumDie Alba Group will sich von ihrem börsennotierten Metallrecycler Alba SE trennen. Die einstige Interseroh bereitete dem Konzern wenig Freude.

Alba Group: Eric Schweitzer stellt Alba SE zum Verkauf dpa

Alba-Inhaber Eric Schweitzer

Der Unternehmer sucht einen Käufer für den Schrott-Recycler Alba SE.

Düsseldorf Die Ankündigung des Berliner Müllunternehmers Eric Schweitzer glich einer Kapitulation. Seine Alba Group prüfe Aktienverkäufe an der börsennotierten Tochter Alba SE oder die Hereinnahme eines strategischen Investors, teilte ein Sprecher am Mittwoch mit. Denkbar sei auch ein vollständiger Verkauf der 93-prozentigen Beteiligung, die der Berliner Familienkonzern an dem Kölner Tochterunternehmen hält.

Die Alba SE, früher einmal geführt von seinem Bruder Axel und im Aufsichtsrat kontrolliert von Eric selbst, kümmert sich europaweit um das Recycling von Stahl- und Metallschrott. Das Unternehmen galt als Schlüssel für den Aufstieg des Berliner Unternehmens an die Branchenspitze, bevor es zum Mühlstein für den Konzernerfolg wurde.

Bei ihrem Griff nach der börsennotierten Alba SE im Jahr 2005, die damals noch Interseroh AG hieß, hatten sich die ungleichen Brüder nicht weniger vorgenommen, als Deutschlands größtem Abfallentsorger Remondis die Stirn zu bieten. Der konkurrierenden Eigentümerfamilie Rethmann aus dem westfälischen Lünen wollte man im Müllgeschäft zu Leibe rücken.

Ein komplettes Reich der Abfallverarbeitung von Holz, Papier, Glas und Kunststoffen sollte rund um den 1968 vom früh verstorbenen Vater Franz Josef gegründeten Familienbetrieb entstehen. Auch Stahlrecycling, Elektroschrott und ein duales System für die Erfassung von Verpackungsmüll schlossen die Pläne ein.

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    Der steile Aufstieg gelang, gesellschaftlich geadelt von der Wirtschaftsvertretung DIHK, die Eric Schweitzer, dem älteren der zwei Brüder, 2013 das prestigeträchtige Präsidentenamt antrug. Noch 2017 verteidigte die Alba Group, wie die Gemeinschaftsfirma der Geschwister seit 2011 hieß, den zweiten Rang unter Deutschlands Müllentsorgern – vor dem französischen Angreifer Veolia.

    Verluste im Millionenbereich

    Nun aber, seit einem überraschenden Startschuss im vergangenen Juli, zerfällt das einstige Recycling-Imperium in einer höheren Geschwindigkeit als Bioplastik auf dem Komposthaufen. Der Umsatz des Gesamtkonzerns befindet sich seit Jahren im Sturzflug, die Gewinne bleiben aus, eine Realteilung der Firma ist in vollem Gang.

    Einen hohen Teil der Verantwortung trägt dabei die nun zum Verkauf gestellte Alba SE. 2019 und 2020 schrieb sie unterm Strich Verluste im einstelligen Millionenbereich.

    Zwar gaben die Berliner den Verkaufsbeschluss bekannt, ohne konkrete Gründe für diesen Schritt zu nennen. Der wahrscheinlichste aber ist der Bedarf an finanziellen Mitteln. 2020, so weist es der für jenes Jahr soeben veröffentlichte Geschäftsbericht aus, erlitt die Alba Group einen Nettoverlust von drei Millionen Euro. Auf dem Unternehmen lasteten Ende 2020 zudem Verbindlichkeiten in Höhe von 276 Millionen Euro.

    Aus der Firmenkasse entnahmen die zwei Gesellschafter zusammen 2,4 Millionen Euro, Banken und andere Geldgeber kassierten fast das Dreifache an Zinsen.

    Ein Verkauf der Alba SE dürfte die Relation zugunsten der Schweitzer-Brüder deutlich verbessern. Die Tochterfirma wird aktuell mit 482 Millionen Euro an der Börse bewertet, dürfte allerdings beim Verkauf deutlich weniger erzielen.

    Der Wert der öffentlich gehandelten Aktien – ein Anteil von nur sieben Prozent – wird durch eine im Beherrschungsvertrag vereinbarte Garantiedividende künstlich hoch gehalten. Diese Klausel ist jedoch zur Hauptversammlung 2022 gekündigt.

    Über Jahre hinweg hatte sich das Kölner Unternehmen für Eric und Axel Schweitzer zu einem Debakel entwickelt. Um deutschlandweit ins ganz große Geschäft mit der Mülltrennung einzusteigen, hatten sie über die Börse ihre ursprünglich nur 25 Prozent umfassenden Anteile in mehreren Schritten auf nahe an die 100-Prozent-Grenze aufgestockt.

    Ein Squeeze-out der letzten sieben Prozent an außenstehenden Aktionären aber misslang, sodass man ihnen wegen des geschlossenen Beherrschungsvertrags eine garantierte Dividende von zuletzt 4,17 Euro pro Anteilsschein zusichern musste. Für die Alba Group bedeutete das einen jährlichen Aufwand von drei Millionen Euro.

    Gewinne reichten nicht für die Zinszahlungen

    Schwerer noch lastete auf dem Zukauf, dass man die Aktien zwar mit hohen Aufschlägen an der Börse einsammeln musste, die Finanzierung aber durch teure Bankkredite erfolgte. Zeitweise waren die anschließenden Zinszahlungen durch die mageren Gewinne des Zukaufs kaum zu bestreiten, was dann auch dem Gesamtkonzern die Liquidität entzog.

    2017 holten sich die Brüder chinesische Investoren ins Haus, die dem Vernehmen nach 300 Millionen Euro in die Kasse brachten, bei einigen Tochterfirmen sogar die Mehrheit übernahmen, mit ihren Investments am Ende aber finanziell scheiterten.

    Anfang 2021 verließen die Asiaten den Konzern wieder. Zuvor schon änderte sich die Geschäftstätigkeit der Alba SE. Die börsennotierte Firma konzentrierte sich auf das Metallrecycling, gab im Gegenzug das Verpackungsmüllgeschäft an die Berliner Mutter ab.

    Doch auch die bricht seit Sommer 2021 zunehmend in zwei Teile. Im Juli kündigten die beiden Brüder an, ihr Firmenimperium – Anfang 2021 immerhin ein Eigenkapital von 179 Millionen Euro – per Realteilung aufzuspalten.

    „Die jetzt vorgenommene Neuordnung entspricht unseren inhaltlichen Schwerpunkten“, kommentierte Eric Schweitzer die Vereinbarung vor sechs Monaten. Als „wahrhaft verbrüderte“ Unternehmen werde man aber weiter Synergieeffekte nutzen, versprach dessen vier Jahre jüngerer Bruder Axel.

    Doch die Selbstverzwergung der Alba Group geht damit unvermindert weiter. Schaffte man 2011 mit 3,2 Milliarden Euro immerhin halb so viel Umsatz wie der Erzrivale Remondis, gingen die Erlöse seither Jahr für Jahr nach unten. 2020 unterschritt die Alba Group mit 987 Millionen Euro erstmals die Milliardengrenze. Die Rethmann-Tochter baute ihre Erlöse dagegen auf 8,2 Milliarden Euro aus.

    Durch die Realteilung der Alba Group, bei der Axel Schweitzer insbesondere das Asiengeschäft und das Kunststoffrecycling erhält, kommen die zwei eigenständigen Firmen rechnerisch gerade noch auf 500 Millionen Euro Umsatz.

    Und es wird wohl noch weniger. Die Alba SE, die nun zum Kauf steht, gehört nach der Realteilung dem älteren Bruder Eric. Kommt es zu einem Eigentümerwechsel, bleibt dem 56-Jährigen nur noch das von Berlin aus gesteuerte Geschäft mit der Abfallsammlung und das Recycling von Glas und Papier.

    Als Geschäftspartner für den Deal sieht er vor allem Metallhersteller in vorderster Linie: „In der Stahlindustrie registriere ich ein wachsendes Interesse, sich angesichts der Klimaschutzanforderungen einen direkten Zugriff auf Schrotte zu sichern und nicht nur auf externe Zulieferer angewiesen zu sein.“

    Er selbst aber wäre aus dem Geschäft raus.

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