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21.03.2019

18:39

Streit um Unkrautvernichter

Glyphosat-Urteil bringt Bayer-Chef Werner Baumann in Bedrängnis

Von: Bert Fröndhoff

Der juristische Streit um den Unkrautvernichter Roundup wird für Bayer-Chef Baumann zum Problem. Langsam verlieren die Investoren ihre Geduld.

Bayer: Chef Werner Baumann steht vor schwierigen Zeiten dpa

Werner Baumann

Der Bayer-Chef wollte mit dem Monsanto-Deal seine Laufbahn krönen. Jetzt könnte er sie beschädigen.

DüsseldorfElliott? „So heißt der Freund meiner Tochter, mit dem hab’ ich neulich noch gesprochen“, sagt Werner Baumann. „Sonst gibt es weiter nichts zu vermelden.“ Der Bayer-Chef antwortet launisch auf die Frage, ob er mit dem aktivistischen Hedgefonds Elliott aus den USA in Kontakt stehe.

Der für sein aggressives Vorgehen bekannte Fonds hält einen Anteil von weniger als drei Prozent an Bayer, hat sich aber nie über seine Absichten geäußert. Das will auch Baumann nicht tun. Zum Austausch mit Investoren nehme er grundsätzlich nicht Stellung.

Dabei könnte Baumann einiges dazu sagen. Es gibt in den kommenden Wochen bis zur Hauptversammlung Ende April einigen Gesprächsbedarf. Die Investoren sind verunsichert, wie vor einigen Monaten gab es wieder einen Erdrutsch bei der Börsenbewertung.

Sieben Milliarden Euro weniger wert war Bayer nach dem am Dienstag gefällten Urteil im zweiten Glyphosat-Prozess in den USA. Wie im ersten Verfahren sieht es auch diese Gerichtsjury als erwiesen an, dass der glyphosathaltige Unkrautvernichter Roundup Krebs verursachen kann. Nun drohen Bayer angesichts von über 11.000 Klagen milliardenhohe Rechtsbelastungen.

Es ist ein schwerer Schlag für Bayer und seinen Vorstandsvorsitzenden. Der 56-Jährige hat voll darauf gesetzt, dass sich in dem Prozess die wissenschaftliche Meinung durchsetzt, nach der es keinen Zusammenhang von Krebs und Glyphosat gibt. Dem folgte die Jury aber nicht.

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Das Unkrautvernichtungsmittel Roundup war laut Jury ein „erheblicher Faktor“ bei der Krebserkrankung des Klägers. Für Bayer ist das eine unerwartete Schlappe.

Ein Sieg in dem Verfahren hätte Baumann endlich wieder in die Offensive gebracht: Der Bayer-Chef steckt seit Monaten in einer Verteidigungsschleife – gegenüber unbequemen Investoren und gegenüber der deutschen Öffentlichkeit, die die Monsanto-Übernahme kritisch sieht.

Der Deal soll eigentlich Baumanns Lebenswerk werden: Er hat ihn kurz vor seinem Antritt im Mai 2016 eingefädelt. Der Erfolg des Projekts, das hat er von Beginn an gesagt, sei eng mit ihm als Chef verknüpft. Doch es stellt sich angesichts des Debakels an der Börse schon jetzt die Frage: War Monsanto ein Fehlgriff?

Die Investoren sind sauer

Viele Investoren sind angesichts des Kursverfalls von 33 Prozent binnen Jahresfrist mehr als sauer. Schon im Herbst 2018 grillten große Fonds Baumann mit der Frage, ob das Rechtsrisiko von Monsanto ausreichend genug geprüft wurde. Er bejaht dies stets.

Der Bayer-Chef ist ein sehr analytisch denkender Manager, der bei seinen Plänen jedes Detail ausarbeiten lässt. Aber Baumann teilt große Projekte in Datenpunkte auf und bewertet sie streng rational. „Ich habe in meiner Karriere bereits mehrere Situationen erlebt, die sehr fordernd waren“, sagte er einmal. „Auch wenn der Druck groß ist, bleibe ich ruhig und analysiere die Dinge sachlich.“

Das ist seine Stärke. Der Plan für die nähere Zukunft, den Baumann im Dezember vorstellte, strotzte nur so vor konkreten, ambitionierten Zielen. Analysten zeigten sich beeindruckt. Als dann noch das vierte Quartal bei Bayer überraschend gut lief, legte der Aktienkurs kräftig zu. Auf der Bilanzpressekonferenz Ende Februar wirkte Baumann gelöster als zuvor, ließ seinen Humor aufblitzen, etwa bei der Antwort auf die Elliott-Frage.

Monsanto-Prozess: Was das unerwartete Glyphosat-Urteil für Bayer bedeutet

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Die Entscheidung gegen den Konzern vor einem US-Gericht bringt Bayer in Bedrängnis. Es ist zwar ein Einzelfall, aber möglicherweise einer mit teuren Konsequenzen.

Vielleicht ist es aber auch sein Problem: Denn er hat die Gefühle vergessen, die beispielsweise Jurymitglieder gegen Monsanto-Produkte hegen. Das Vertrauen an der Börse sei jedenfalls wieder dahin, wie ein Analyst sagt. Ende April steht Baumann eine heiße Hauptversammlung bevor: Christian Strenger, früher Chef der Fondsgesellschaft DWS, heute Experte für Unternehmensführung, beantragte die Nichtentlastung des Vorstands. Er wirft ihm Fehleinschätzungen vor, spricht von einem „Desasterjahr 2018“.

Im Konzern, so ist dort zu hören, hat Baumann weiter Rückhalt. Der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning hat die Monsanto-Übernahme mit angestoßen und begleitet. Die Bürde der Glyphosat-Prozesse müssen beide mittragen – und das sicher noch monate- oder jahrelang. Erst nach einigen weiteren Prozessen und Revisionen wird deutlicher werden, was auf Bayer zukommt.

Wie geduldig die Aktionäre sind, ist eine andere Frage. Nicht nur der Hedgefonds Elliott ist bei Bayer engagiert. Die größten Bayer-Anteilseigner Blackrock und der singapurische Staatsfonds Temasek gelten zwar als langfristig orientierte, aber durchaus unbequeme Geldgeber. Die Abstimmung auf der Hauptversammlung über die Vorstandsentlastung wird für Baumann zur Vertrauensfrage.

Kommentare (2)

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Herr Frank Becher

22.03.2019, 08:27 Uhr

Man kann sicher davon ausgehen, dass die Juristen bei Bayer vor den enormen Prozessrisiken bei Monsanto gewarnt haben. Jeder Jurist mit USA-Erfahrung kennt diese Risiken, die sich vor allem aus der entscheidenden Beteiligung von Laien ergeben. Ein amerikanischer Prozess ist ein Theaterstück, bei dem gewinnt, wer am besten inszenieren kann. Das ist ja schon lange bekannt. Baumann vollkommen verblendet gewesen sein, dass er diese Warnungen in den Wind geschlagen hat. Und gelernt hat er bis heute nicht.

Herr Frank Becher

22.03.2019, 08:28 Uhr

Man kann sicher davon ausgehen, dass die Juristen bei Bayer vor den enormen Prozessrisiken bei Monsanto gewarnt haben. Jeder Jurist mit USA-Erfahrung kennt diese Risiken, die sich vor allem aus der entscheidenden Beteiligung von Laien ergeben. Ein amerikanischer Prozess ist ein Theaterstück, bei dem gewinnt, wer am besten inszenieren kann. Das ist ja schon lange bekannt. Baumann vollkommen verblendet gewesen sein, dass er diese Warnungen in den Wind geschlagen hat. Und gelernt hat er bis heute nicht.

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