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18.01.2022

09:35

Technologiekonzern

Siemens verkauft Verkehrstechnik-Tochter Yunex für knapp eine Milliarde Euro an italienische Holding

Von: Axel Höpner, Christian Wermke

Die Holding Atlantia der Unternehmerfamilie Benetton setzt sich im Bieterverfahren durch. Der Infrastrukturinvestor hat strategisches Interesse.

Yunex bietet Lösungen für die intelligente Straßenverkehrssteuerung an. dpa

Ampeln einer Straßenkreuzung

Yunex bietet Lösungen für die intelligente Straßenverkehrssteuerung an.

München, Rom Siemens verkauft seine Verkehrstechnik-Tochter Yunex Traffic für knapp eine Milliarde Euro an die italienische Infrastrukturholding Atlantia. „Wir schärfen und optimieren kontinuierlich unser Portfolio, um Siemens als fokussiertes Technologieunternehmen weiter zu stärken“, sagte Siemens-CEO Roland Busch am Montag in München.

Für die Abspaltung von Siemens Mobility hatte sich im Bieterverfahren eine ganze Reihe von Finanzinvestoren und Strategen interessiert. Über den nahenden Zuschlag für Atlantia hatte das Handelsblatt bereits berichtet. Die Holding zahlt 950 Millionen Euro. Die Transaktion soll im September abgeschlossen werden.

Man habe den besten Eigentümer für Yunex Traffic gefunden, sagte Busch: „Die Kompetenz, langfristige Orientierung und das große Engagement für Wachstum und Innovation von Atlantia sind im besten Interesse aller Beteiligten.“ Yunex bietet Lösungen für die intelligente Straßenverkehrssteuerung an, von Mautsystemen bis zu Ampelsteuerungen. Siemens zählte das Unternehmen nicht mehr zum Kerngeschäft seiner Bahntechniksparte.

Der Umsatz von Yunex lag zuletzt bei mehr als 600 Millionen Euro, der Auftragseingang sei in den vergangenen Jahren im Schnitt um acht Prozent gewachsen. Das Unternehmen arbeitet inzwischen profitabel.

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Standort erkennen

    Der Käufer Atlantia wird von der Unternehmerfamilie Benetton kontrolliert. Holding-Chef Carlo Bertazzo nannte die Übernahme einen „Meilenstein beim Ausbau unseres Geschäfts“. Man wolle Betriebs- und Wachstumssynergien nutzen. Die Italiener sind unter anderem in Autobahn-, Flughafen- und Mobilitätsdienstleistungsgeschäften aktiv.

    Das Unternehmen bringe Atlantia in Länder, in denen man bisher nicht aktiv sei. Gleichwohl sieht Bertazzo auch „großes Wachstumspotenzial“ für Yunex in den Atlantia-Kernmärkten Italien, Spanien und Frankreich. Das spiegelt sich auch in den Umsatzerwartungen wider: Innerhalb von fünf Jahren soll er die Grenze von einer Milliarde Euro übersteigen.

    Siemens zufrieden mit dem Käufer

    Zu den Bietern hatten nach Handelsblatt-Informationen zuletzt neben Atlantia noch die Finanzinvestoren Bridgepoint und KKR, die tschechische Industrieholding PPF sowie der Wettbewerber Cubic der Beteiligungsfirmen Veritas Capital und Evergreen Coast Capital gehört.

    In Siemens-Kreisen zeigte man sich sowohl mit dem Preis zufrieden als auch mit der Tatsache, dass ein strategischer Käufer gewählt wurde. Das sei ein wichtiges Signal für die rund 3000 Beschäftigten von Yunex.

    Die Atlantia Holding war nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua international in die Schlagzeilen gekommen. Sie gehörte zum Straßennetz der früheren Atlantia-Tochter Autostrade per l’Italia (ASPI). Nach jahrelangen Konflikten mit der Regierung hatte Atlantia den Mautstraßenbetreiber Mitte 2021 für gut neun Milliarden Euro an ein Investorenkonsortium verkauft.

    Die italienische Verkehrstechnik-Holding hat den Zuschlag für Yunex bekommen. Reuters

    Zentrale von Atlantia

    Die italienische Verkehrstechnik-Holding hat den Zuschlag für Yunex bekommen.

    Danach hatte Atlantia erklärt, sich künftig nicht mehr nur an Autobahnen, Flughäfen und Mautsystemen zu beteiligen, sondern auch in verwandte Geschäftsfelder wie intelligente Verkehrslösungen einzusteigen. Yunex ist das bisher größte Investment in Deutschland. Vor gut einem Jahr verkündete Atlantia bereits den Einstieg beim Flugtaxi-Start-up Volocopter. Dort halten die Italiener aber nur einen Minderheitsanteil – sie stiegen in der Serie-D-Finanzierungsrunde ein, die insgesamt 200 Millionen Euro brachte.

    Nach weiteren geplanten Investments gefragt, gab sich Bertazzo am Montagabend zurückhaltend. Er wolle nichts verkünden, was noch nicht spruchreif ist. Aber: „Es gibt Möglichkeiten in der Pipeline, die wir verfolgen.“

    Das Kerngeschäft von Siemens Mobility, zu der Yunex zuvor gehörte, ist der Bau von Zügen und Signaltechnik. Im vergangenen Geschäftsjahr 2020/21 steigerte Mobility den Umsatz um drei Prozent auf 9,2 Milliarden Euro. Mit einer operativen Marge von 9,3 Prozent erfüllte Mobility die neuen Mittelfristziele von zehn bis 13 Prozent zwar noch nicht. Allerdings war der Bahnsektor zwischenzeitlich stärker von den Auswirkungen der Coronapandemie betroffen.

    Inzwischen steigt die Nachfrage wieder. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 steigerte Mobility den Auftragseingang um ein Drittel auf 2,8 Milliarden Euro.

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