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26.07.2019

13:05

Aya Jaff ist 23, weiblich und angesagte Programmiererin. (Credit: Privat)

"Mrs. Code"

Aya Jaff ist 23, weiblich und angesagte Programmiererin.
(Credit: Privat)

Codesign Factory Gründerin Aya Jaff

„Ich kann nicht lange an etwas arbeiten, was mich nicht erfüllt“

Von: Carina Kontio

Die Gründerin der Codesign Factory ist ein Star der Tech-Branche. Die Deutsch-Irakerin will jungen Menschen die Angst vor dem Programmieren nehmen.

Der Vater von Aya Jaff ist Taxifahrer, die Mutter Kassiererin. Mitte der 1990er-Jahre flohen sie vor dem kurdischen Bürgerkrieg aus dem Nord­Irak nach Deutschland. Nach dem Abitur schrieb Aya Jaff sich für ein Wirtschaftsinformatik-Studium in Nürnberg ein. Ein Stipendium ermöglichte ihr einen Forschungsaufenthalt im Silicon Valley. Doch nach vier Semestern schmiss sie ihre Studium.

2018 gründete die damals 22-Jährige ein eigenes Start-up. Mit der „Codesign Factory“ wollte sie eine Alternative zur normalen Unternehmensberatung schaffen und praxisnahe Nachhilfe bei der Digitalisierung geben.

Parallel dazu studiert Aya Jaff heute Wirtschaft an der Universität in Nürnberg. Sie war schon auf beinahe allen Titelseiten der wichtigen Tech-Magazine zu sehen und wurde kürzlich zur „Mrs. Code“ gekürt. Ihre Mission: Jungen Menschen – insbesondere Frauen – die Angst vor dem Programmieren nehmen.

Liebe Frau Jaff, welche Hobbies hatten Sie in Ihrer Jugend? Worin waren Sie richtig gut?
Ich hatte keine besonderen Hobbies ehrlich gesagt... Ich war auch nicht in irgendwas besonders gut. Ich war eher die Person, die in alles mal reingeschnuppert hat, zum Beispiel habe ich paar Jahre lang Gitarre gespielt und vier Jahre lang Ballett getanzt. Also, wirklich keine Besonderheit! Ich war auch nie Teil einer Clique, sondern habe mich querbeet mit den Leuten gut verstanden.

Im Rückblick: Was hat dazu geführt, dass Sie richtig gut geworden sind darin? Was haben Sie getan/gelassen?
Die Tatsache, dass ich so viel ausprobiert habe, hat dazu geführt, dass ich immer mehr Selbstbewusstsein entwickelte mit der Zeit. Damals in der 5. Klasse war ich noch ziemlich schüchtern, doch das hat sich dann in der Oberstufe geändert. Das wiederum hat dazu geführt, dass ich mich getraut habe, offen über meine Gedanken und Ideen zu reden. Ehrlich zu sein und mit anderen Menschen über seine Gefühle und Wünsche reden zu können, ist eine unglaublich wertvolle Eigenschaft - sowohl privat, als auch beruflich.

Wie fängt Ihr Tag an?
Ich werde am Morgen erst einmal von meinem Hund abgeknutscht, dann wird eine kleine Runde gekuschelt, während ich den Tag in meinem Kopf plane. Ich bin auch jemand, der sofort nach dem Handy greift, um ehrlich zu sein. Ich hätte Angst, etwas zu verpassen, wenn ich das nicht tun würde.

Was machen Sie morgens als erstes im Büro?
Spotify öffnen und die richtige Musik suchen, danach eine To-Do-Liste schreiben mit den drei wichtigsten Aufgaben des Tages.

Was sind Ihre Stärken? Bzw. Was würden Ihre alten Kollegen/Ihr alter Chef sagen auf die Frage was Sie auszeichnet?
Puh, schwer zu sagen. Jeder Chef hat etwas anderes an mir gemocht. Aber meistens ist es dann doch meine Ehrlichkeit. Wenn mir etwas nicht passt, dann sage ich das. Ich kann nicht lange an etwas arbeiten, was mich nicht erfüllt. Mich muss die Vision des Unternehmens inspirieren, sonst macht das alles keinen Sinn. Man merkt es mir relativ schnell an, wenn ich nicht mehr mit Herz und Seele dabei bin. Moment, Sie haben nach Stärken gefragt?

... was Sie besser können als alle anderen im Team?
Ich kann andere Menschen aus dem tiefsten emotionalen Loch herausholen und ihnen das Gefühl geben, dass sie weiterhin an die Vision/Idee/sich selbst glauben können. Zumindest sagen mir das meine Freunde und Kollegen oft. Ich bin dankbar, dass sie sich mir so anvertrauen.

Beschreiben Sie eine Arbeitssituation, in der Sie komplett im Flow und erfüllt sind?
Wenn ich Magazine lese und mir auf einmal tausend Ideen kommen, wie ich den Inhalt auf mein Leben übersetzen kann. Dann fange ich an, Mindmaps zu basteln und die verschiedenen Themen in Form von Überschriften, Bildern oder Post-its an die Wand zu heften. Nach ein paar Stunden intensivster Konversation mit mir selber, merke ich dann oft, welche Richtung mich wirklich begeistert und was ich als nächstes angehen sollte. In solchen Moment bin ich dann so aufgeregt und hibbelig, dass ich alles andere um mich herum vergesse.

Wenn Sie Leiter der Bill Gates Foundation wären, die finanziellen Mittel jedoch nur für ein einziges Anliegen verwenden könnten, welches wäre es?
Bill and Melinda Gates, wenn ich bitten darf! Die Frau ist der absolute Hammer. Aber zurück zur Frage. Mein einziges Anliegen wäre wahrscheinlich: Frauen auf der ganzen Welt einen Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Genau dafür setzt sich Melinda auch richtig stark ein.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiter (Nachwuchskräfte, Kollegen und Kolleginnen) in schwierigen Situationen, indem…?
... ich ihnen zuhöre und versuche, zwischen den Zeilen zu lesen. Wenn ich Vermutungen habe, dann sage ich das frei heraus. Manchmal sind schwierige Situationen nämlich auch emotionaler Natur und nicht so einfach zu beschreiben. Persönliche Grenzen überschreite ich nicht, wenn ich merke, die Person fühlt sich bei dem Gespräch unwohl.

Ein No-Go im Umgang mit Mitarbeitern ist für mich…?
... wenn Hierarchie spürbar wird.

Wenn Sie ein Buch schreiben müssten: Wovon würde es handeln?
Ich glaube mein Buch würde Moneymakers heißen und es würde mal gehörig über die Börsenwelt aufklären. Aber nicht auf langweilige Art mit super vielen Fachbegriffen, sondern mit vielen Fallbeispielen aus dem Alltag und inspirierenden Vorbildern. Ich rede nicht von Gordon Gekkos! Halt...Moment... Das klingt nach einer mega Idee. Ich glaube, da setze ich mich gleich mal ran.

Welches Tool ist bei der Arbeit für Sie unverzichtbar und welche Apps haben Sie im täglichen Einsatz?
Meine Notizen-App ist mein kleines Universum - dort schreibe ich bei Meetings mit, oder auch meine To-Dos. Manchmal mache ich dort auch einen kleinen Entwurf für meine Vorträge, aber auch schwierige E-Mail-Formulierungen und Rechnungsnummern finden dort ihren Platz. Echt praktisch die App.

Inspirierende Newsletter, Podcasts oder Webseiten?
Ich liebe den Newsletter „what happened last week“ – ich habe das Gefühl, dass er mir die Welt erklärt. Hab ich erwähnt, dass er absolut kostenlos ist?

Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
Instagram! Ich deaktiviere mein Profil, wenn ich merke, dass ich mich selbst nicht beherrschen kann.

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an Kollegen und Kolleginnen für Gehaltsverhandlungen?
Nie aus einer Position der Schwäche argumentieren, sondern immer aufzählen, warum man mehr verdient - also ganz konkret aufzeigen, wo man erfolgreich war und wie viel Verantwortung man tragen muss. Außerdem immer etwas mehr verlangen, als ursprünglich geplant.

Der größte Benefit, den Sie bisher aus einem Ihrer Netzwerke gezogen haben?
Dass man sich nicht ganz so alleine fühlt in der „bösen, harten“ Business-Welt. Man hat Freunde gefunden - man hilft einander, empfiehlt einander und kann vor allem einfach um Rat fragen.

In Konfliktsituationen bin ich…?
... bemüht um Fairness.

Pannen sind…?
... Gelegenheiten zu lernen.

Auf welche Fehlentscheidung hätten Sie rückblickend trotzdem gerne verzichtet?
Meine Interesse für Computer nicht früh genug mit Freunden geteilt zu haben!

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
Ich habe eben meine Schwester und meine Mama gefragt. Sie überlegen immer noch...

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun Sie?
Ich kommuniziere meine Bedürfnisse an meinen Chef/meine Chefin. Bin ich das selbst, werde ich selbst aktiv und ändere das, was mich unglücklich macht.

Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde…?
Können Sie überhaupt etwas?

Anderen Chefs würde ich gerne sagen...?
Ich weiß es ist hart, aber bitte bleibt nett.

In den nächsten 3 Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
So viel! Zu viel. Spaß beiseite. Ich würde gerne richtig gut skaten können.

Wie schalten Sie abends ab und wann gehen Sie ins Bett?
Ich höre ein Hörbuch oder Headspace. Und ich gehe ins Bett, wenn ich müde bin. No pressure (lacht).

Frau Jaff, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

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