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28.09.2018

09:05

(Credit: Dana Rösiger/SAP)

Deepa Gautam-Nigge

(Credit: Dana Rösiger/SAP)

Deepa Gautam-Nigge

„Menschen, die ihre Komfortzone verlassen, imponieren mir“

Von: Carina Kontio

Deepa Gautam-Nigge ist bei SAP in München Netzwerkerin zwischen Start-ups, Konzernen und Kapitalgebern. Ein Gespräch über Teamplay, lehrreiche Pannen und Chancen.

BonnDeepa Gautam-Nigge arbeitet, nach Stationen bei Microsoft und einem Start-up, seit 2017 als SAP Next-Gen Innovation Manager am Standort München. Sie sorgt unter anderem als „Vermittlerin zwischen den Welten“ dafür, dass gestandene Unternehmen mit den richtigen Start-ups zusammenkommen. Denn, so betont sie: „Die Konkurrenten von heute werden im Zuge der Digitalisierung die Partner von morgen.“

Gleichzeitig initiierte sie bei SAP ein Mentoring-Programm für weibliche Gründerinnen, das nun bereits in die zweite Runde geht, um sie bei beim ihrem „Abenteuer Gründung“ zu ermutigen und ihnen einen strukturierten Zugang zu Experten, Netzwerk und Kapital zu verschaffen.

Die nepalesisch-rheinländische Wahl-Münchnerin, so bezeichnet sich die 45-jährige Mutter einer Tochter selbst, war früher als Kampfrichterin in der Triathlon-Bundesliga aktiv. Das Interview führen wir per Telefon, während sie im Auto zwischen München und Stuttgart sitzt.

Frau Gautam-Nigge, was sind Ihre Stärken?
Bedingt durch die unterschiedlichen Stationen in meinem Berufsleben ist das mein strategischer Weitblick für Synergien und die Fähigkeit, auch in Netzwerken zu denken. Den ergebnisorientierten Pragmatismus von Start-ups mit den Stärken von Großkonzernen zu verbinden, genau in diesen Bereichen fühle ich mich wohl. Ich kann Organisationen und Menschen Perspektiven aufzeigen und sie für Neues im Alten begeistern, ohne dass sie das Alte zurücklassen müssen. Darüber hinaus schreibt mir mein Umfeld ein hohes Energieniveau zu.

Wer ist Ihr persönliches Rolemodel und warum?
Pioniere! Mutige Menschen, die Neuland betreten, Chancen ergreifen und auch mal unkonventionelle Wege gehen. Sicher geprägt durch das Vorbild meiner nepalesischen Eltern, die sich nach ihrem Medizinstudium Anfang der 70er-Jahre im Rheinland eine Heimat aufgebaut haben, sind das auch Menschen wie mein Kollege Cawa Younosi. Er ist als 14-jähriger unbegleiteter Flüchtling in Deutschland angekommen, seinen Weg gegangen und setzt heute als unser Personalchef die Diversity-Strategie in all ihren Dimensionen exzellent um.

Rolemodels sind für mich aber auch die Frauen uns unserem Mentoring-Programm. Junge Frauen, die den beschwerlichen Weg der Gründung gehen und Arbeitsplätze schaffen, obwohl sie für ein x-faches Gehalt in einem Konzern arbeiten könnten. Und da wir nun laut der jüngsten Studie von BCG wieder wissen, dass von Frauen gegründete oder mitgegründete Start-ups die nachhaltig Erfolgreicheren sind, stimme ich Frank Thelen durchaus zu, dass wir Frauen dabei stärker unterstützen sollten.

Ich unterstütze meine Kollegen und Mitarbeiter in schwierigen Situationen, indem...?
...ich ihnen viel Verantwortung und Freiraum übertrage und eine gesunde Fehlerkultur zulasse. Ich schubse sie dafür aber auch mal ein bisschen ins lauwarme Wasser.

Wie muss ich mir das konkret vorstellen?
Ich habe kürzlich eine junge Kollegin bei einer Veranstaltung auf die Bühne gestellt und gesagt: Hier, mach mal! (lacht) Ich fordere viel, aber ich bin auch nachsichtig, wenn es mal nicht rund läuft. Wie gesagt: Menschen, die Herausforderungen annehmen und bereit sind, ihre Komfortzone zu verlassen, imponieren mir.

Diese sechs Fähigkeiten brauchen Digital-Manager

1. Forschergeist

Neue Technologien testet der Chief Digital Manager sofort. Er möchte sie durchdringen und ihren Einfluss auf wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen. Er muss Richtungsweisendes von Irrelevantem trennen und einordnen können, welche Auswirkungen das Neue auf sein Unternehmen und das relevante Umfeld hat oder haben könnte.

2. Gedankliche Flexibilität

Das ständig Neue, sich technologisch Wandelnde bedingt kontinuierlichen Paradigmenwechsel. Daher sind Offenheit und Flexibilität zentrale Kernkompetenzen des CDO. Er muss in der Lage sein, das eigene Denken und Handeln permanent zu hinterfragen, kritisch zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

3. Datenverständnis

Alles was digital sein kann, wird digital. Daraus resultieren eine hochkomplexe Interkonnektivität und eine riesige Datenmasse. Daher müssen Chief Digital Officers ein hervorragendes Verständnis von End-to-End-Prozessen haben und im Detail verstehen, welche Prozesse, Aktionen, Produkte, Informationen wie ineinandergreifen.

4. Spirit

Ohne Spirit bleiben die großen Sprünge aus, denn die innovativsten und besten Leute der Digitalbranche wollen nur mit den Besten arbeiten. Sie zeichnen sich durch Feuer, Enthusiasmus, Leidenschaft und der Fähigkeit aus, andere mitzureißen - und das spürt man sofort.

5. Überzeugungskraft

Wandel hat immer schmerzhafte Seiten. Bei der erfolgreichen digitalen Transformation ist es erforderlich, alte Strukturen zu überdenken und neu zu formieren, Altlasten über Bord zu werfen und neue Prozesse zu installieren. Der Digital-Vorstand muss Brücken bauen und überzeugen können und dabei stets sicherstellen, dass er die Unterstützung der Mitarbeiter, Kollegen und Kunden erhält und sie seine Vision teilen und mittragen.

6. Mut

Einen Aufbruch zu wagen, der wie der digitale Wandel so grundlegende Veränderungen für das Unternehmen mit sich bringt, und ihn kontinuierlich weiterzutreiben, erfordert Courage. CDOs müssen den Mut haben, ein Ziel zu verfolgen, von dem sie zwar eine Vorstellung haben, aber nicht wissen, wie das Ergebnis wirklich aussehen wird.

Quelle

Sechs Fähigkeiten für Digital-Manager: Personalberater Dwight Cribb erklärt, welche Fähigkeiten ein Digital-Manager brauchen.
(Cio.de)

Eine Mitarbeiterin denkt oft: „Ich verdiene den Erfolg gar nicht“, „Ich bin gar nicht gut genug“, „Das schaffe ich nie“, „Andere sind um Welten besser als ich…“ – Was raten Sie?
Stärke deine Stärken. Das bedeutet, gemeinsam zu schauen, was derjenige oder diejenige schon erreicht hat, welche Fähigkeiten da sind und wie man diese am besten einsetzt. Dazu muss man den Blick weg von den vermeintlichen Defiziten auf seine Stärken richten. Und es ist wichtig, ein klares Ziel oder eine Vision vor Augen zu haben und nicht immer nur zu beklagen, wie schwierig alles ist. Es gibt ein passendes Zitat von Seneca: Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige.

Ein No-Go im Umgang mit Mitarbeitern ist für mich…?
… mangelndes Teamplay. Ich denke immer in Netzwerken und achte auf bestmögliche Synergien. Dabei machen es uns die Möglichkeiten von New-Work-Konzepten und Digitalisierung inzwischen viel leichter, diese Synergien besser zu heben, als es noch zu Beginn meines Berufslebens möglich war. Man sollte nur nicht den Fehler machen, „New Work“ mit „No Work“ zu verwechseln.

Innerhalb von SAP leihe ich mir beispielsweise für konkrete Projekte mit begrenzter Zeit ganz verschiedene Mitarbeiter aus mit Fähigkeiten und Kenntnissen, die ich selbst eventuell nicht mitbringe. Ein Mosaik wird komplett durch die Vielfalt seiner Steine. Wir kommen nicht weiter, wenn wir nicht vernetzt denken. Und so unabdingbar Teamplay dabei auch ist, genauso menschlich ist es – um bei dem Mosaik zu bleiben - dass sie an manchen Stellen mehr Fugenmasse brauchen als an anderen.

Feedback ist für mich…?
… offen, konstruktiv und immer wertschätzend. Nur dann kann Feedback ein Motor sein, um sich selbst weiterentwickeln und stärker werden zu können.

Über ihre Erfolge sollten Frauen…?
… sich in erster Linie freuen und ihren Erfolg auf keinen Fall kleinreden und auf den Zufall schieben. Gerne wird übersehen, dass auch die vermeintlichen Zufälle oft Ergebnis sind. Chancen lassen sich erarbeiten – was natürlich auch gleichermaßen für Männer gilt.

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an andere Frauen für Gehaltsverhandlungen?
Gehaltsgespräche mag nicht jeder, aber sie gehören dazu. Wichtig ist, dass sie gut vorbereitet sind und man sie beherzt angeht. Im Grunde ist jeder einzelne Arbeitstag doch ein Gehaltsgespräch. Also schaut, welche Projekte ihr habt, die herausragend sind, und macht sie sichtbar. Schreibt eine Liste mit euren Erfolgen, sucht regelmäßig Feedback durch euren Vorgesetzten. Wenn es zum Beispiel ein Projekt gibt, für das ihr bis zum Vorstand hoch von jedem gelobt wurdet, dann sollte sich das auch bei Gelegenheit auf dem Konto bemerkbar machen.

Zehn Motivationsmärchen, die Sie besser nicht glauben

Alles ist möglich – Inklusive Bankrott, Burn-out und Betrug

Der faule Zauber: „Du kannst alles erreichen, wenn du nur wirklich willst“. Das ist Bullshit. Jeder von uns hat Grenzen, körperliche, mentale, intellektuelle, finanzielle... Es kann definitiv nicht jeder Astronaut, Millionär oder auch nur Frauenschwarm werden.

Der wahre Kern: In den meisten von uns steckt mehr, als wir denken und uns zutrauen. Vielen Menschen täten eine optimistischere Grundhaltung und mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gut. Wer die Messlatte etwas höher legt und mutig handelt, erreicht mehr als jemand, der zu früh aufgibt. Insofern ist „Alles ist möglich!“ eine positive Provokation, die (typisch deutsches?) Miesmachertum und „Das haben wir noch nie so gemacht“-Lethargie infrage stellt.

Tsjakkaa! Urschrei-Therapie für Versager

Der faule Zauber: Wer Tsjakkaa schreit, wird unbesiegbar. Er spornt Sie zu großen Leistungen an, so das „Du schaffst es!“-Versprechen. Das stimmt so nicht, denn Schreien gibt allenfalls einen kurzen Kraftimpuls. Möglicherweise ist der Tsjakkaa-Schrei deswegen so beliebt, weil er als euphorisches Erlebnis, als Überlegenheitsgeste, als Aufbegehren gegen eigene Ängste empfunden werden kann. Ein solcher Schrei gibt einen kurzen Schub, man fühlt sich eine Sekunde lang unbesiegbar. Doch der Effekt verpufft, er hat keine Nachhaltigkeit.

Der wahre Kern: Ein Ritual vor großen Herausforderungen kann die Angst dämpfen und die Konzentration fördern.

Positiv Denken! Selbstbetrug statt Aufbruchstimmung

Der faule Zauber: „Erfolg entsteht im Kopf“, so die These. Doch bei den meisten Menschen bleibt er auch dort. Wer positiv denkt, programmiert sein „Unterbewusstsein“ angeblich auf Erfolg und lebt allein durch die Kraft seiner Gedanken glücklicher, erfolgreicher und gesünder.

Der wahre Kern: Eine optimistische Grundhaltung hilft, Herausforderungen zu meistern. Und man kann trainieren, sich nicht von Grübeleien und negativen Gedanken überwältigen zu lassen.

Ziele setzen! Es könnte alles so einfach sein...

Der faule Zauber: „Schreiben Sie Ihre Ziele auf und profitieren Sie von der magischen Wirkung schriftlich fixierter Zielvorstellungen!“, so das kühne Versprechen.

Der wahre Kern: Ziele wirken tatsächlich wie ein Kompass und steuern Handlungsrichtung, - dauer und -intensität. Auch eine schriftliche Fixierung ist von Vorteil. Darüber hinaus kommt es aber vor allem darauf an, ins Handeln zu kommen. Aufschreiben allein genügt nicht!

Visualisieren! Fata Morgana der Träumer

Der faule Zauber: ...besteht in der Behauptung, eine Zielcollage entfalte eine geradezu magische Wirkung und lasse die ausgewählten Bilder quasi automatisch Wirklichkeit werden.

Der wahre Kern: Im Brainstorming und bei der Ideenfindung kann man gut mit Bildern arbeiten. Und: Was wir vor Augen haben oder was uns beschäftigt, lenkt unsere Aufmerksamkeit. Sich mit seinen Zielen auseinanderzusetzen schärft daher die Wahrnehmung für thematisch Passendes.

Glaub an dich! Sprüche statt Strategien

Der faule Zauber: ...entsteht, wenn banale Trostsprüche sich als echte Hilfestellung tarnen.

Der wahre Kern: Kurzfristig tut Trost gut, und wir alle brauchen gelegentlich Trost. Der sollte uns allerdings nicht einlullen und nicht davon abhalten, ins Handeln zu kommen.

Sei ein Teamspieler! Wer's glaubt, wird selig aber nicht erfolgreich

Der faule Zauber: ...besteht im Lobgesang auf eine nicht näher definierte „Teamfähigkeit“. Wer sich im Team versteckt und Konflikte scheut, wird es nicht weit bringen.

Der wahre Kern: Wer andere für sich und seine Ziele gewinnen kann, kommt leichter vorwärts. Dafür muss man aber Teams nutzen können, statt sie als bequeme Hängematte misszuverstehen.

Lauf Marathon! Unsinn des sportlichen Aktionismus

Der faule Zauber: Es wird suggeriert, (extreme) körperliche Fitness sei der Schlüssel zum Erfolg auch auf anderen Gebieten.

Der wahre Kern: Menschen, die gesund leben, sind im Allgemeinen leistungsfähiger.

Sei ganz du selbst! Die Lüge des Authentischseins

Der faule Zauber: ...besagt, dass man „einfach“ nur man selbst sein müsse, und alles werde sich zum Besseren wenden. Das ist im besten Fall nichtssagend, im schlimmsten Fall irreführend. „Wähle dir Rollen, die zu deinen Werten und Eigenschaften passen, und reflektiere regelmäßig, wie du diese Rollen am besten ausfüllen kannst“, wäre ein ehrlicher und angemessener Rat. Nur ist der für das simple Weltbild, das die Tsjakkaa-Propheten verkaufen, vielleicht ein wenig zu komplex.

Der wahre Kern: ...besteht darin, dass Menschen, die im Einklang mit ihren Werten und Bedürfnissen leben, glücklicher und potentiell auch erfolgreicher sind als Menschen, die das Gefühl haben, sich täglich verbiegen zu müssen.

Hab Spaß! Das Lächeln der Loser

Der faule Zauber: „Hab Spaß“ wird zur Erfolgsphilosophie überhöht, nach dem Motto: „Lächle in die Welt, und die Welt lächelt zurück.“ Das lädt zur Realitätsflucht ein und verhindert einen angemessenen Umgang mit Krisen. Wer die Erwartung schürt, der Job, das Leben (die Beziehung, der Sport etc.) solle immer Spaß machen, braucht vor allem eines - unbeschränkten Zugang zu Glückspillen.

Der wahre Kern: ... ist, dass man Erfolge feiern sollte, um Kraft für die Zukunft zu schöpfen, und dass in einem erfüllten Leben auch Platz für Freude und Genuss ist.

Quelle

Rolf Schmiel

Senkrechtstarter – Wie aus Frust und Niederlagen die größten Erfolge entstehen

Campus Verlag; Auflage: 1 (10. September 2014)
ISBN-10: 3593500086
ISBN-13: 978-3593500089

Verbündete und Mentoren finde ich, indem….?
… ich sie anspreche. Auch hier ist es wieder wichtig, dass ich das nicht ohne Ziel mache. Dass ich mich frage: Wo will ich überhaupt hin? Wofür brauche in denn einen Mentor? Und ich rate jedem, sich mehrere Mentoren zu suchen und sich nicht nur auf einen Impulsgeber zu fixieren. Das macht Netzwerke lebendig und vielfältig. Denn die Verantwortung für meine persönliche Entwicklung habe ich am Ende selbst. Ein Mentor kann mich leiten, mich unterstützen und mir Türen öffnen. Letztlich aber bin ich der Gestalter meines Lebens, nicht der Verwalter.

In Konfliktsituationen bin ich…?
… immer vorausschauend, ergebnisorientiert und habe die Sache im Blick. Dabei versuche ich, sie konstruktiv zu lösen, zu analysieren und zu schauen, warum hier überhaupt ein Konflikt entsteht. Die Ursache ist immer sinnvoll, um ihr in der Auseinandersetzung Rechnung tragen zu können. Natürlich nur, solange die Ursachenforschung nicht den konstruktiven Blick nach vorne überlagert. Auch wenn eine konstruktive Reibungswärme manchmal ein gutes Klima für Innovationen sein kann, versuche ich möglichst, Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen.

Pannen sind...?
...menschlich und oft die beste Quelle für Inspiration. Ohne Fehler bin ich nicht in der Lage, mich selbst übertreffen zu können.

Wie gehen Sie mit Stress um?
Mit positivem Stress kann ich sehr gut umgehen, dann bin ich in meinem Funktions-Modi. Das ist mein Motor.

Und negativer Stress?
Ich verwende meine Lebenszeit nicht darauf, mich über Dinge aufzuregen, die ich nicht ändern kann. Stattdessen fokussiere ich mich auf die Dinge, die ich beeinflussen kann. Diese Herangehensweise ist eine, die wiederum viel Stress rausnimmt und mir Gestaltungsspielraum gibt.

Und wie entstressen Sie nach einem anstrengenden Arbeitstag?
Die Zeit mit meinem Kind bringt ohnehin regelmäßig eine gewisse Entschleunigung im Berufsalltag mit sich. Ansonsten nehme ich mir immer wieder bewusst Auszeiten und schalte aktiv ab, zum Beispiel auch durch kleine Inseln, die ich mir im Alltag schaffe: ein gutes Buch, ein heißes Bad, 2000 Meter Schwimmen oder ein langer Spaziergang. Alles nicht spektakulär, aber immer wieder kurze Auszeiten, um zwischendurch die Akkus aufzuladen, sind wichtig. Manchmal hilft es auch schon, sich eine plötzlich im Kalender auftuende Lücke nicht direkt mit dem nächsten Telefonat oder Termin zu füllen, sondern in dieser Zeit mal eine Runde um den Block zu gehen.

Nein sagen sollten Frauen zu...?
...allem, wo sie das Gefühl haben, sich verbiegen zu müssen – auch das gilt übrigens gleichermaßen für Männer wie für Frauen. Man muss sich selbst treu bleiben und sich im Jahr 2018 nicht mehr fragen lassen müssen, wie man es sich vorstellt, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, wenn man dieses Modell bewusst für sich gewählt hat. Frauen sollten diese Frage nicht beantworten, so lange sie nicht auch den berufstätigen Familienvätern gestellt wird.

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun Sie?
Dann gehe ich einen Schritt zurück und überlege, was gerade wirklich los ist. Unzufriedenheit wird oft von verschiedenen Faktoren bedingt, deren Ursachen nicht immer zwingend am Arbeitsplatz zu finden sein müssen. „Love it, change it or leave it“ ist sicher ein überstrapazierter Satz in diesem Zusammenhang, aber das sollte sich bei der Problemanalyse auf das gesamte Umfeld beziehen. Es ist ratsam, erst analytisch der Wurzel auf den Grund zu gehen und sich dann zügig einer nach vorne gerichteten Lösung zu widmen. So könnte man beispielsweise firmenintern ein Praktikum in einer anderen Abteilung machen, um einen anderen Blick zu bekommen. Bei SAP nennt sich das „Fellowship“. Ich kenne einige Kollegen, die darüber ihre eigene Positionierung klarer schärfen konnten und sich auf dieser Basis weiterentwickelt haben oder mit neuen Erfahrungen ihre früheren Aufgaben anreichern konnten.

Anderen Chefs würde ich gerne sagen, …
… habt Mut, seid neugierig und betrachtet Innovation als Evolutionsprozess und nicht als Zwang zur Revolution. Das meine ich insbesondere im Blick auf die Digitalisierung, die uns mehr Chancen eröffnet, unsere Stärken zu stärken, als dass sie uns bedroht. Wir sollten uns gerade in Deutschland darauf besinnen, dass wir mit unseren Hidden Champions einen starken und innovativen Mittelstand haben, um den uns die gesamte Welt beneidet. Bei aller berechtigter Kritik bezüglich der fehlenden Finanzierungsmöglichkeit hierzulande haben wir einen immensen Vorteil, wenn wir es schaffen, eine stabile Verbindung der Innovationen aus der Start-up-Crowd mit den etablierten Unternehmen zu schaffen. Wir können uns außerdem auch mehr Selbstbewusstsein erlauben: Jeder weiß, dass die Automatisierung der Automobilindustrie in Amerika erfunden und die Qualität der Produktionsprozesse in Japan optimiert wurde – aber niemand bestreitet, dass wir immer noch die besten Autos bauen. Warum soll uns das nicht auch in anderen Bereichen gelingen?
Frau Gautam-Nigge, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Kommentare (1)

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Herr Ingo Quentin

04.10.2018, 13:04 Uhr

Tut mir wirklich leid. Echt jetzt. Aber exakt diese Art Menschen und ihre Tätigkeit kann ich immer weniger ernst nehmen. Jetzt habe ich das alles gelesen, den ganzen Text und wirklich alles was diese Dame von sich gab sind Personal-/Marketing-/Public Relation Blablabla Allgemeinplätze, wie man sie seit Jahrzehnten zu Hauf hört. Ein sehr sparsames Rolemodel. Originell ist daran leider fast gar nichts.

"Ja, ich bin geil auf positiven Stress, ...ich bin fordernd, kann aber auch.., ..teamplay.., evolution, blablabla...,...."(Schnarch!)

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