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12.02.2019

17:19

Gehaltsreport 2019

Wo Spitzenkräfte in Deutschland am besten verdienen

Von: Carina Kontio

Banken, Pharma oder Auto: Die aktuelle Gehaltsstudie von Stepstone zeigt, welche Schlüsselbranchen in Deutschland besonders gut zahlen.

Banken, Pharma, Auto – Schlüsselbranchen zahlen besonders gut. Getty Images

Gehaltsstudie

Banken, Pharma, Auto – Schlüsselbranchen zahlen besonders gut.

Bonn Wie stark zahlt sich unter dem Strich ein Studium aus, in welcher Stadt verdienen Akademiker am besten, und kann man mit einem Umzug einen ordentlichen Gehaltssprung machen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der aktuelle Gehaltsreport der Online-Jobplattform Stepstone.

Die vielleicht wichtigste Nachricht: Bildung zahlt sich auch in Zeiten von Renditeschwund und Rezessionsängsten noch aus. Spitzengehälter erzielen demnach Absolventen der Studiengänge Medizin und Zahnmedizin (81.600 Euro), Wirtschaftsingenieurwesen (74.300 Euro), Wirtschaftsinformatik (73.600 Euro), Ingenieurwissenschaften (72.100 Euro) sowie Mathematik und Informatik (70.800 Euro).

Entsprechend sind die am besten verdienende Berufsgruppe die Ärzte (77.400 Euro). Sie liegen vor Finanzexperten (72.200 Euro), wie zum Beispiel Vermögensberatern, Compliance-Managern oder Controllern, und Bankern (64.200 Euro).

Damit liegen Absolventen dieser Studiengänge deutlich über dem Durchschnittsgehalt, das laut Stepstone bei rund 58.100 Euro liegt. Für den Gehaltsreport hat die Plattform die Angaben von 85.000 Fach- und Führungskräften (Männer wie Frauen) ausgewertet, die auf der Jobsuche ihren aktuellen Verdienst angegeben haben.

Die Daten sind zwar nicht repräsentativ, eignen sich aber zur Orientierung oder für die nächste Gehaltsverhandlung mit dem Chef (mein Tipp: Machen Sie das regelmäßig einmal im Jahr).

Die Hitliste der Chef-Lügen

„Bei mir steigen Teamarbeiter auf“

Die Absicht: Sie sollen selbstlos schuften und Erfolge teilen, Konflikte schlichten und andere motivieren, kurz: einen Teil der Chefarbeit unentgeltlich übernehmen.

Die Wahrheit: Befördert wird immer der Einzelne, der aus der Masse herausragt und kein ganzes Team. Wer Ellenbogen zeigt und Erfolge für sich verbucht, hat beste Chancen auf den Aufstieg.

Gegenstrategie: Zwingen Sie den Chef, konkret zu werden. Was müssen Sie für den nächsten Karriereschritt erreichen? Schnell wird er dann wieder bei Einzelleistungen landen.

„Ich würde Ihr Gehalt ja erhöhen - aber das Geld fehlt...“

Die Absicht: Sie sollen den Chef als Ihren Förderer ansehen, dem leider die Hände gebunden sind. So legen Sie sich doppelt für ihn ins Zeug. Nach dem Wirtschaftsaufschwung bekommen sie jedoch eine neue Phrase zu hören.

Die Wahrheit: Die Firma hat Geld, mit dem sie wirtschaften kann - sonst wäre sie pleite. Sie will diese Mittel vielleicht nur nicht in Gehalt investieren.

Gegenstrategie: Machen Sie deutlich, dass die Firma unterm Strich ein Geschäft macht: Sie haben Ihre Leistung ausgebaut und bringen der Firma mehr Geld. Davon wollen Sie lediglich einen fairen Anteil.

„Es fehlt die Stelle, um Sie zu befördern“

Die Absicht: Der Chef signalisiert seine Bereitschaft, Sie auf der Karriereleiter voranzubringen. Leider fehlt die dafür nötige Sprosse. Er ermutigt Sie, unter Volldampf weiterzuarbeiten.

Die Wahrheit: In der modernen Personalpolitik werden nicht Menschen für Stellen gesucht, sondern Stellen für Menschen geschaffen. Deshalb hat der Chef womöglich kein Interesse an einer Beförderung. Vielleicht will er seinen besten Spieler nicht an eine höhere Liga verlieren?

Gegenstrategie: Machen Sie deutlich, dass Sie unbedingt aufsteigen wollen. Signalisieren Sie, dass sie dafür auch zu einer anderen Firma wechseln würden. Die Aussicht, Sie komplett zu verlieren, könnte seine Meinung ändern.

„Überstunden sind die Ausnahme...“

Die Absicht: Im Vorstellungsgespräch sollen Bedenken zerstreut werden. Die Formulierung ist mit Absicht schwammig: Auch wenn Sie an zwei von fünf Wochentagen Überstunden leisten müssen, liegt eine „Ausnahme“ vor.

Die Wahrheit: Im Einstellungsgespräch kommt alles an die große Glocke, was für die Firma spricht. Nachteile werden verschwiegen. Sobald die Probezeit begonnen hat, schnappt die Falle zu - eine Kündigung wäre ein Schandfleck im Lebenslauf.

Gegenstrategie: Zeigen Sie sich als Wortspalter - freundlich im Ton und bestimmt in der Sache: „Was meinen Sie damit? Einmal im Monat? Einmal in der Woche? Wie viele im ungünstigen Fall?“

„Wenn Sie gehen, ist die Tür für immer zu!“

Die Absicht: Sie sollen das Gefühl bekommen, bei einem Wechsel verbrannte Erde zu hinterlassen. Gerade in engen Märkten ist diese Behauptung vorzüglich geeignet, um Sie zu halten.

Die Wahrheit: Exzellente Mitarbeiter sind Mangelware - Ihnen wird sich die Tür auch ein zweites Mal öffnen. Wichtig sind die Umstände: Geben Sie so früh wie möglich Bescheid oder erst in letzter Sekunde? Erledigen Sie Ihre Aufgaben nach der Kündigung mit alter Zuverlässigkeit oder sind Sie in Gedanken schon bei Ihrem neuen Arbeitgeber.

Gegenstrategie: Lassen Sie sich nicht einschüchtern, falls Sie einen Wechsel planen. Sollte Ihr Herz noch an der alten Firma hängen, warum geben Sie ihr nicht noch eine Chance? „Ich habe ein Angebot, das sehr interessant ist. Allerdings fühle ich mich ziemlich wohl hier - und würde am liebsten weiter zum Erfolg unserer Firma beitragen...“

„Sprechen Sie offen - ich behalt's für mich“

Die Absicht: Ihr Chef will alles von Ihnen erfahren. Über ein gescheitertes Projekt oder über einen unfähigen Mitarbeiter. Sie wollen weder Schaden anrichten, noch der Aufforderung des Chefs nicht Folge leisten. Seine Schweigeversprechen scheint daher ideal.

Die Wahrheit: Der Chef wird dafür bezahlt, Schaden von der Firma abzuwenden. Erzählen Sie ihm pikante Details, wird er sicher nicht schweigen.

Gegenstrategie: Als Antwort ist „Ich kann Ihnen da nicht helfen“ genau richtig - sofern Sie Schaden von sich und anderen abhalten wollen.

„Mal privat telefonieren oder frühen gehen - das stört mich nicht“

Die Absicht: Ihr Chef will nicht nur als Aufpasser gelten. Schließlich sollen Sie für ihn durchs Feuer gehen, wenn es mal eng wird. Oft senkt ein solches Angebot auch die Quote der Privatgespräche und Frühabgänge.

Die Wahrheit: Kein Chef hat es gern, wenn seine Mitarbeiter private Schwätzchen am Telefon halten oder vor Feierabend aus der Firma spazieren. Er fürchtet Kettenreaktionen.

Gegenstrategie: Verlegen Sie private Gespräche auf Zeitpunkte, zu denen Ihr Chef nichts mitbekommt. Müssen Sie einmal früher gehen, nennen Sie ihm den (wichtigen) Grund und fragen noch einmal nach, ob es ok ist.

„Ich kann Sie rauswerfen, wenn's Ihnen hier nicht passt!“

Die Absicht: Sie sollen das Gefühl bekommen, dass Ihr Chef Sie in der Hand hat. Wenn Sie nicht klein beigeben, können Sie jederzeit auf der Straße landen.

Die Wahrheit: Kündigungen sind leicht anzudrohen und schwer durchzusetzen. Ein Mitarbeiter kann sowohl gegen Abmahnungen als auch gegen Kündigungen juristisch vorgehen. Sollte die Firma aufgrund der Wirtschaftslage gezwungen sein, Personal abzubauen, wackeln vor allem die Stühle der Frischlinge.

Gegenstrategie: Wenn dieser Satz fällt, ist Feuer unterm Dach. Sagen Sie, dass sie für sachliche und konstruktive Kritik an Ihrer Arbeit offen sind, sich Drohungen aber verbitten.

„Tut mir leid, dafür sind Sie zu alt/jung!“

Die Absicht: Offensichtlich will sich Ihr Chef nicht auf sachliche Argumente einlassen. Vielleicht hofft er auch, Sie mit Ihrem Alter an einem wunden Punkt zu erwischen.

Die Wahrheit: Nirgendwo steht geschrieben, wie jung oder alt man für eine bestimmte Aufgabe sein muss. Alter sagt nichts über Qualifikation oder Qualität aus.

Gegenstrategie: Lenken Sie das Gespräch zurück auf eine sachliche Ebene. Fragen Sie beispielsweise: „Welche Qualitäten hätte ich Ihrer Meinung nach, wenn ich fünf Jahre älter (oder jünger) wäre?“ Nun wird der Chef mit Stichworten reagieren - und Sie können aufzählen, was Sie auf diesem Gebiet bereits geleistet haben.

Ein abgeschlossenes Studium macht sich schon beim Berufseinstieg bemerkbar: Während Akademiker im Schnitt bereits etwa 11.600 Euro mehr Gehalt bekommen als Nicht-Akademiker, wächst der Unterschied mit langjähriger Berufserfahrung auf circa 28.600 Euro an.

Sogar innerhalb einzelner Berufsgruppen macht ein Studium einen Unterschied: So kommen Akademiker im Marketing auf durchschnittlich 22 Prozent mehr Gehalt (60.100 Euro) als ihre Kollegen ohne Studienabschluss (49.500 Euro).

Wer künftig besser verdienen will, sollte außerdem einen Weg in die Kernsektoren der deutschen Wirtschaft einschlagen: Dort belegen Banken den ersten Platz mit den höchsten Durchschnittsgehältern von etwa 70.800 Euro, vor der Pharmaindustrie mit rund 70.000 Euro und der Autoindustrie mit 67.900 Euro.

Dazu passt, dass sich die Bankenmetropole Frankfurt am Main (73.200 Euro) im Städtevergleich vor München (70.600 Euro) und Stuttgart (68.000 Euro) an die Spitze gesetzt hat. Unter den Bundesländern verteidigt Hessen (65.300 Euro) seine Spitzenposition der vergangenen Jahre vor Baden-Württemberg (62.400 Euro) und Bayern (62.200 Euro).

Unternehmensgröße zahlt sich aus

Wobei, das zeigte kürzlich eine andere Untersuchung der Personalberatung Options Grou, über die wir berichtet haben: Für Banker brechen angesichts schrumpfender Märkte und der Sorgen über einen chaotischen EU-Ausstieg durchaus auch schwierigere Zeiten an – mit sinkenden Boni und möglichen Entlassungswellen.

Vor allem im Investmentbanking sind die fetten Jahre vorbei, und auch die Autoindustrie durchlebt gerade angesichts des Dieselskandals nicht ihre besten Zeiten. Augen auf also bei der Berufswahl.

Das gilt aber auch beim künftigen Wohnort. Die niedrigsten Durchschnittsgehälter werden in Sachsen (43.100 Euro), Sachsen-Anhalt (42.300 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (42.100 Euro) gezahlt. Wer einen Gehaltssprung plant und flexibel ist, könnte sich Gedanken über einen Umzug machen.

Eine weitere Rolle für das Gehalt spielt der Faktor Unternehmensgröße. Es lohnt sich also, in großen Unternehmen (mehr als 1.000 Mitarbeiter) tätig zu sein. Der Durchschnittslohn in Höhe von 66.800 Euro liegt hier satte 15 Prozent über dem Gesamtdurchschnitt, während Angestellte kleinerer Unternehmen mit maximal 500 Mitarbeitern zehn Prozent unter dem Durchschnitt liegen (52.200 Euro).

Natürlich ist das Thema Gehalt nur ein Faktor, wenn es darum geht, wie zufrieden und glücklich man mit seinem Job ist. Für den ein oder anderen Kandidaten kann daher durchaus auch eine Karriere im Mittelstand spannend sein, der mit flachen Hierarchien und schnellen Entscheidungsprozessen punkten kann.

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