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11.12.2017

13:59

Getty-Images-Managerin Rebecca Swift

„Wir wollen ein realistisches Menschenbild zeigen“

Von: Carina Kontio

Den Bleistiftrock hauteng, High Heels am Fuß und Kind unterm Arm – solche Rollenbilder und Stereotype will die Foto-Agentur Getty nicht mehr verbreiten. Rebecca Swift erklärt, wie Bilder mehr Toleranz schaffen.

Quelle: Lukas North So sehen sie aus, die echten  #WomeninBusiness.

Reine roten Lackschuhe, kein Bleistiftrock

Quelle: Lukas North

So sehen sie aus, die echten #WomeninBusiness.

„Stockfotos“ sind Bilder, die auf Vorrat geknipst werden, damit sie für immer wieder auftretende Situationen bereitliegen. Beispiel: Wir wollen einen Artikel zum Thema „Frauenquote“ veröffentlichen. Um nicht selbst Bilder machen zu müssen, greifen Redaktionen auf Bilddatenbanken zurück, die vorproduzierte Bilder für bestimmte Themenbereiche anbieten. Das Problem dabei ist allerdings, dass sie oftmals schiefe Rollenbilder und Klischees vermitteln.

Die Agentur Getty Images, mit 2,4 Millionen Kunden und 150 Millionen Bildern einer der größten Anbieter, will als weltweit erste Bildagentur keine Bilder mehr von Models in die Datenbank nehmen, deren Körperform retuschiert wurde, um sie schlanker oder fülliger erscheinen zu lassen. Für Rebecca Swift, Director of Creative Insights bei Getty Images, ein wichtiger Schritt für eine authentischere visuelle Darstellung. Im Gespräch erklärt sie, welchen Einfluss realitätsgetreue Bilder auf den Kampf gegen Stereotypen haben und wie sie für mehr Toleranz in der Gesellschaft sorgen.

Frau Swift, wie würden Sie eine homosexuelle Frau abseits von Klischees illustrieren?
Als eine Frau, die ihr Leben voll auskostet, und ihre Beziehungen, Freundschaften und die Arbeit genießt.

Director of Creative Insights bei der Fotoagentur Getty Images.

Rebecca Swift

Director of Creative Insights bei der Fotoagentur Getty Images.

Wenn ich als Redakteurin „Businesswomen“, „Karrierefrau” oder „Chefin” in Bilddatenbanken eingebe, werden mir überwiegend klischeebehaftete Bilder angezeigt: rote Lackschuhe und kurze Röcke zwischen Männerbeinen im Zweireiher. Ist das markttauglicher als die Realität?
Das ist mittlerweile nicht mehr so ganz der Fall. Die Lücke zwischen visueller Kommunikation und Realität schließt sich in diesem Bereich sehr schnell. Weltweit steigt die Nachfrage nach authentischen Bildern ungemein. In den letzten fünf Jahren ist der Umsatz durch Bilder mit „authentischen Menschen“ weltweit um 300 Prozent und in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) um über 400 Prozent gewachsen.

Was ist denn so der Bestseller in dem Bereich?
Noch vor zehn Jahren zeigte unser meistverkauftes Frauenbild eine halbnackte Dame auf einem Bett. Im Gegensatz dazu sind auf den heutigen Spitzenreiter-Bildern Frauen zu sehen, die Geschäftsmeetings leiten, in Technik und Wissenschaft tätig sind oder Sport machen. Natürlich haben wir noch einen sehr langen Weg vor uns. Aber wir haben es uns zum Ziel gesetzt, ein realistisches Menschenbild zu zeigen.

Sie haben sich vorgenommen, ab sofort keine Fotos mehr zu verbreiten, bei denen die Figur von Frauen retuschiert wurde, um sie schlanker oder fülliger erscheinen zu lassen - wie kam es dazu?
Wir haben uns in diesem Fall das neue französische Gesetz über die Kennzeichnungspflicht für retuschierte Bilder zu Herzen genommen. Danach sind Kunden bei der Verwendung kommerzieller Bilder in Frankreich dazu verpflichtet offenzulegen, ob die Körperform des Modells retuschiert wurde. Wir engagieren uns in diesem Zusammenhang für eine authentische visuelle Darstellung. Unsere Wahrnehmung des Möglichen wird oft durch das geprägt, was wir sehen: Positive Bilder können direkte Auswirkungen auf die Bekämpfung von Stereotypen haben.

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