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02.11.2018

09:05

Inga Höltmann ist ausgebildete Wirtschaftsjournalistin und Expertin für die Themen Frauen im Beruf und Diversity, Arbeiten 4.0 und New Work. (Foto: Axel Kuhlmann)

Gründerin, Autorin und Speakerin

Inga Höltmann ist ausgebildete Wirtschaftsjournalistin und Expertin für die Themen Frauen im Beruf und Diversity, Arbeiten 4.0 und New Work.

(Foto: Axel Kuhlmann)

New-Work-Expertin Inga Höltmann

„Professionell zu sein muss nicht immer heißen, dass man nett ist“

Von: Carina Kontio

Inga Höltmann ist Expertin für weibliche Karrieren und Kulturwandel. Im Interview erklärt sie, warum Frauen im Job beherzter Ja sagen sollten.

Inga Höltmann ist ausgebildete Wirtschaftsjournalistin und Expertin für die Themen weibliche Karrieren und Kulturwandel in Unternehmen, New Work und Digital Leadership. Sie versendet einen monatlichen Newsletter zu diesen Themen.

Außerdem ist sie Mitgründerin des Frauen-Business-Magazins „BizzMiss“, das sich bis Anfang 2016 mit Themen rund um Frauen - Wirtschaft - Beruf beschäftigte und Gründerin der „Accelerate Academy“, einer Plattform für neue Lernkonzepte rund um neue Arbeit und moderne Führung in Unternehmen. Daneben tritt Inga Höltmann bei Podiumsdiskussionen auf, hält Vorträge, leitet Workshops und engagiert sich bei den Digital Media Women #DMW.

Liebe Inga, was sind Deine Stärken?
Das ist eine schwierige Frage gleich zu Beginn (lacht). Doch wenn ich mir anschaue, was andere Menschen mir spiegeln und was mir leicht von der Hand geht, dann sage ich: Kommunikation und Analyse auf der fachlichen Seite, ein ehrliches und tiefes Interesse und Wertschätzung den Menschen gegenüber auf der persönlichen Seite – glücklicherweise wichtige Dinge in meinem Beruf.

Wer ist Dein persönliches Rolemodel und warum?
Ich habe keine einzelne Person als Rolemodel. Vielmehr stelle ich immer wieder fest, wie viele tolle Menschen es da draußen gibt, die ganz unterschiedliche Eigenschaften mitbringen, die ich persönlich als bewundernswert oder nachahmenswert empfinde. Es sind Eigenschaften oder Haltungen, die ich schätze oder an denen ich mich reibe, die ich reflektiere und von denen ich versuche zu lernen. Ich bin immer wieder begeistert, wie viel ich von anderen Menschen lernen kann, wie vielfältig sie sind und wie spannend es sein kann, mit ihnen zu arbeiten oder sie kennenzulernen.

Ich schätze es, wenn Menschen andere Menschen mit sich hochziehen – das ist wahre Größe. Doch um das an einem Menschen entdecken zu können, muss man sich Zeit für ihn nehmen und ihn kennenlernen. Deshalb ist bloßes „Netzwerken“ nicht genug – für mich geht es in meiner beruflichen Arbeit darum, Beziehungen aufzubauen, die tragbar und tiefgehend sind. Nur so werden wir die Arbeitswelt tatsächlich verändern können. Rolemodels sind für mich die Menschen, die wertschätzend und offen durch die Welt gehen und sich bemühen, andere Menschen wirklich zu erkennen.

Was bei der Arbeit stresst

Verantwortung

Was sorgt im Büro für Stress? Der Personaldienstleister Robert Half hat im höheren Management nach den wichtigsten Gründen gefragt. Dabei gaben 18 Prozent der Befragten zu viel Verantwortung oder ständiges an die-Arbeit-denken auch in der Freizeit als Grund für Stress bei der Arbeit an. Nur in Tschechien können die Beschäftigten außerhalb des Arbeitsplatzes schwerer abschalten - dort gaben 28 Prozent an, dauernd an die Arbeit denken zu müssen. Auf der anderen Seite der Skala ist Luxemburg: nur fünf Prozent haben dort dieses Problem.

Stressfrei

Keinen Stress haben dagegen nur sieben Prozent der deutschen Befragten. Genauso niedrig ist der Anteil derer, die ihren aktuellen Job nicht mögen.

Druck von oben

Unangemessener Druck vom Chef nannten 27 Prozent der Befragten hierzulande als Stressgrund. In Brasilien sind es dagegen 44 Prozent.

Chefqualitäten

Wenn der Chef sich eher um sein Handicap kümmert, statt ordentlich zu führen: 28 Prozent der Befragten sind mit der Managementfähigkeit des Chefs unglücklich. Das Unvermögen des führenden Managers, das zu Stress führt, scheint in Luxemburg relativ unbekannt zu sein - nur 11 Prozent der Befragten sind dort mit den Befragten unglücklich, in Dubai sind es gar neun Prozent.

Büroklatsch

Dass unangenehme Kollegen oder fieser Büroklatsch zu Stress führen kann, ist allgemein bekannt. Dementsprechend führen auch 31 Prozent der Befragten das als Stressgrund an - der Anteil derer, die das ähnlich sehen, liegen in allen anderen Ländern fast gleich hoch - außer in Brasilien: 60 Prozent der Befragten geben unangenehme Kollegen und fiesen Büroklatsch als Stressgrund an.

Unterbesetzung

Ein weitere Stressgrund: personelle Unterbesetzung. 41 Prozent der Befragten sehen das als wichtigen Grund für Stress bei der Arbeit an - ein Wert, der fast in allen Ländern ähnlich ist.

Arbeitsbelastung

Doch am problematischsten, laut der Studie: die hohe Arbeitsbelastung. 51 Prozent der Befragten gaben dies als Stressgrund an. Deutschland liegt damit im Schnitt, auch in den anderen elf Ländern ist ein ähnlich hoher Anteil der gleichen Meinung.

Bitte ergänze den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiter in schwierigen Situationen, indem...?
... ich kommuniziere, dass ich die Probleme wahrnehme und sie anerkenne. Und ich frage nach: Was genau ist Dein Problem? Was steckt dahinter? Wie fühlst Du Dich damit? Ich biete auch immer Hilfe an beziehungsweise schaue, ob ich jemanden empfehlen oder vermitteln kann, der unterstützen kann. Das ist eine echte Gratwanderung, denn je nachdem wie nah man an der Person dran ist und wie offen man nachfragen kann, so ist manchmal auch die beste Hilfe, sich etwas zurückzunehmen und Raum zu geben.

Angenommen, eine Freundin oder Kollegin denkt oft: „Ich verdiene den Erfolg gar nicht“, „Ich bin gar nicht gut genug“, „Das schaffe ich nie“, „Andere sind um Welten besser als ich…“ – Was rätst Du ihr?
Wenn ich in solchen Fällen um Rat gefragt werde, gebe ich immer zuerst Feedback, wie ich die Person, ihre Arbeit und ihr Verhalten wahrnehme – offen und ehrlich, aber mit einer positiven Herangehensweise und mit einem wertschätzenden Menschenbild. Und ich rate in solchen Fällen immer dazu, eigene Fähigkeiten oder Erfolge für sich selbst sichtbar zu machen – das kann eine einfache Liste sein, die man erstellt, eine Mindmap oder auch eine Art Moodboard, wo man vielleicht auch Bilder verwendet.

Dieses umgekehrte Sichtbarmachen ist wirklich ein kraftvolles Mittel, weil es die Wahrnehmung verschiebt: Weg von den empfundenen eigenen Unzulänglichkeiten hin zu dem, was man an sich selbst schätzt oder mag. Und in den allermeisten Fällen kommt ja doch wesentlich mehr auf der Haben-Seite zusammen als man zuerst dachte.

Verena Pausder: „Wahre Leader müssen keinem aufs Brot schmieren, wie toll sie sind“

Verena Pausder

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Verena Pausder will Kinder mit der Digitalisierung vertraut machen. Im Interview spricht sie über No-Gos im Umgang mit Mitarbeitern und den Wert von Feedback.

Wie ist das bei Dir selbst?
Im Kleinen mache ich das auch jeden Tag: Ich notiere mir nicht nur meine To-Do-Liste, also das, was ich zu erledigen habe, sondern führe außerdem fortlaufend am Tag eine Done-Liste, in der ich notiere, was ich erledigt habe – es ist oftmals ganz beeindruckend, wie viel man erledigt hat, auch wenn nur ein oder zwei Dinge von der To-Do-Liste verschwunden sind. Solche Perspektivwechsel sind im Berufsleben enorm wichtig.

Ein No-Go im Umgang mit Mitarbeitern ist für mich...?
... Unaufrichtigkeit. Das kann manchmal schwierig sein, denn in vielen Organisationen dürfen Führungskräfte nicht so offen kommunizieren, wie sie gern würden. Doch Unaufrichtigkeit untergräbt das gegenseitige Vertrauen, sie verunsichert, sie kann die Zusammenarbeit empfindlich stören. Gute Arbeit kann nur in geschützten Räumen stattfinden, in denen MitarbeiterInnen sich entwickeln dürfen, in denen sie nachfragen dürfen, Fehler machen dürfen - da ist kein Platz für Unaufrichtigkeit und Verunsicherung. Die Welt da draußen ist unsicher und volatil genug – umso wichtiger ist es, dass wir uns um geschützte Räume in den Unternehmen und in der Zusammenarbeit bemühen.

Feedback ist für mich...?
... eine der wichtigsten Methoden, um miteinander zu lernen in Unternehmen. Es ist wichtig für Unternehmen, die beweglich und innovativ bleiben wollen – denn Unternehmen sind dann innovativ, wenn die Menschen in ihnen innovativ sein dürfen. Aber Feedback ist auch eine schwer zu erlernende Fähigkeit: Es zu geben und zu empfangen muss man üben, gerade in Kontexten bei der Arbeit, mit denen man auch emotional verbunden ist.

Doch das sollte uns nicht davon abhalten, aus Angst oder Sorge mit wichtigen Dingen hinterm Berg zu halten. Deshalb ist es wichtig, dass Unternehmen sich Feedbackprozesse geben, die zu ihnen passen, dass sie ihre Werte definieren und auch immer wieder evaluieren, ob sie noch auf dem richtigen Weg sind – Feedback zum Feedback sozusagen.

Tipps gegen Stress

Rituale schaffen

Versuchen Sie, ein Ritual zu finden, das den Job klar von Ihrem Feierabend und vor allem dem Wochenende abgegrenzt.

Über Stress reden

Wann immer Sie wieder gestresst sind: Geteilter Stress ist halber Stress. Also reden Sie darüber.

Aufgaben ablehnen

Sagen Sie öfter Nein.

Erfolge registrieren

Nehmen Sie Ihre Erfolge wahr, nicht nur das, was schief gegangen ist.

Zufrieden sein

Lernen Sie, mit dem, was Sie erreichen, zufrieden zu sein, auch wenn es von außen keine Anerkennung gibt. Loben Sie sich also auch einfach mal selbst, und erkennen Sie Ihre Leistungen an.

Quelle

Christiane Stenger, „Lassen Sie Ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt! – Gebrauchsanweisung für Ihren Kopf“, 252 Seiten, EAN 9783593500126, ISBN 978-3-593-50012-6

Über ihre Erfolge sollten Frauen...?
... natürlich reden! Das ist leider eine sehr triviale Antwort, die jede Frau sicher schon x-Mal gehört hat – nur leider kann man sie immer noch nicht oft genug wiederholen. Doch da endet diese Empfehlung nicht. In meiner Arbeit bemerke ich oft, dass es vor allem um das Wie geht. Digitalisierung in der Arbeitswelt heißt auch, dass wir Kommunikation ganz neu erfinden müssen – als Unternehmen genauso wie als Einzelperson. Das sind Prozesse, die nicht von heute auf morgen gehen.

Her mit dem Geld: Dein Ratschlag an andere Frauen für Gehaltsverhandlungen?
Einen hinreichend unverschämten Mann fragen, was er fordern würde, und dann 21 Prozent draufschlagen – denn so hoch ist die Gender Pay Gap in Deutschland. Und sich dann nur ein ganz bisschen runterhandeln lassen.

Verbündete und Mentoren finde ich, indem...?
... ich danach suche. Ja, man sollte sich um sie bemühen und vor allem viel geben. Und sich auch trauen zu fragen – ich habe meinen Mentoren gefunden, weil ich mir ein Herz genommen habe und ihn gefragt habe. Meine Erfahrung ist, dass Menschen gern unterstützen und gern geben.

In Konfliktsituationen bin ich...?
Ich versuche – besonders in beruflichen Situationen – einen kühlen Kopf zu wahren. Was ich aber auch lernen musste: Dass es manchmal auch wichtig sein kann, seinen Unmut zu äußern und zu zeigen, dass man emotional angegriffen ist, dass das verletzend oder unkollegial war. Wenn man das klar in der Botschaft, aber trotzdem wertschätzend tut, kann das wichtig in einem Konflikt sein. Professionell zu sein muss nicht immer heißen, dass man nett ist, denn nett allein gewinnt keinen Blumentopf.

Pannen sind...?
... keine Probleme, sondern exzellente Möglichkeiten zu lernen – wenn man richtig mit ihnen umgeht. Nicht unter den Teppich kehren, sondern Licht drauf werfen und sich fragen: Was kann ich davon lernen? Was will ich beim nächsten Mal anders machen?

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Wie gehst Du mit Stress um?
Selbstorganisation und Selbstführung sind ein großes Thema für jede Gründerin. Phasen mit einem großen Workload gehören immer wieder dazu. Solche Phasen sind bittersüß, denn es sind die Zeiten, in denen viel passiert. Gleichzeitig können sie ihre Kraft nur entfalten, wenn sie durch Zeiten zum Luftholen ausbalanciert werden, um die Batterien wieder aufzuladen oder strategische und konzeptionelle Arbeit machen zu können.

In stressigen Zeiten versuche ich mir so viel Gestaltungsspielraum wie möglich zurückzuerobern, auch wenn es nur kleine Inseln sind, die ich mir verschaffen kann. Darin ist auch viel Selbstbild codiert: Wie wichtig bin ich mir? Wie ganzheitlich darf ich sein? Ehrlicherweise muss ich sagen, dass es mir das bis heute schwer fällt und ich immer merke, wie sehr ich dazu neige, zu wenig Zeit für mich selbst einzuplanen.

Doch ich werde langsam besser damit. Und ich setze mich nicht damit unter Druck, sondern respektiere, dass das ein Weg ist, auf dem ich mich befinde. Es geht hier um Balance – und die zu finden, sie auszutarieren und sie zu halten ist ein wahrscheinlich lebenslanger Prozess.

Nein sagen sollten Frauen zu...?
Ich wünsche mir, dass Frauen viel beherzter Ja sagen. Zu Anfragen und Chancen, die an sie herangetragen werden, auch wenn ihr erster Impuls ablehnend ist, aus Sorge, dem nicht gewachsen zu sein. Ich habe mir angewöhnt, immer erst einmal Ja zu sagen, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich das wirklich kann. Seit ich das tue, stelle ich fest: Ich kann das. Und was ich nicht kann, lerne ich unterwegs.

Du merkst, dass Du unglücklich bist in Deinem Job. Was tust Du?
Zuerst versuche ich, Gespräche zu suchen, Vorschläge zu machen und vor allem auch meinen eigenen Anteil darin zu suchen. Manchmal stimmt ja auch die eigene Haltung nicht oder man stellt in diesem Reflexionsprozess fest, dass das Problem ganz woanders liegt. Wenn das nicht der Fall ist: Gehen. Nicht daran festhalten, sich nicht von Angst zurückhalten lassen, sondern sich auch emotional abnabeln und dann beherzt springen. Ich prophezeie: Wenn man irgendwann zurückschaut, wird es immer die richtige Entscheidung gewesen sein.

Anderen Chefs würde ich gerne sagen,...
... Ban Bossy.

Vielen Dank für dieses Gespräch, liebe Inga.

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