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25.10.2019

15:49

Rolemodel Petra von Strombeck

Neue Xing-Chefin: „Geduld ist nicht gerade meine größte Tugend“

Von: Carina Kontio

Sie kommt von Lotto24 und wird Chefin beim Karrierenetzwerk: Petra von Strombeck verrät im Interview, wer ihre Vorbilder sind und was sie bei der Arbeit nervt.

Die Managerin wird die neue Vorstandsvorsitzende der New Work SE (vormals Xing). New Work SE

Petra von Strombeck

Die Managerin wird die neue Vorstandsvorsitzende der New Work SE (vormals Xing).

Bonn Noch ist sie Vorstandsvorsitzende beim Glücksspielanbieter Lotto24, doch ab Mai 2020 wird Petra von Strombeck im Chefsessel des Internetkonzerns New Work Platz nehmen. Der Betreiber des Karriereportals Xing nannte zuletzt im Geschäftsbericht noch ganz unverblümt als Ziel für den Frauenanteil im Vorstand „null Prozent“.

Strombeck, seit 2012 bei Lotto24, hinterlässt dort eine Erfolgsbilanz: Die Marktkapitalisierung des Unternehmens hat sich in ihrer Amtszeit mehr als verzehnfacht. Die Diplom-Kauffrau verfügt über fundierte Kenntnisse in der deutschen Internetwirtschaft.

Zuvor war die 50-Jährige unter anderem als Geschäftsführerin von Serpie tätig, einer französischen Tochtergesellschaft von Tchibo, als Leiterin E-Commerce bei Tchibo direct. Bei Premiere, nunmehr Sky Deutschland, führet sei drei Jahre den Bereich Advertising. Von Strombeck hat an der Ecole des Affaires de Paris sowie in Oxford und Berlin Betriebswirtschaftslehre studiert.

Im Interview berichtet die Top-Managerin, was sie anderen Frauen bei der Gehaltsverhandlung rät, worauf sie stolz ist und wann sie bei der Arbeit in einen Flow-Zustand kommt.

Frau von Strombeck, wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
Natürlich. Bei mir war es der ganz klassische Traum vieler kleiner Mädchen: Tierärztin.

Welche Hobbys hatten Sie in Ihrer Jugend? Worin waren Sie richtig gut?
Sport in jeder Facette. Allerdings lag mein Fokus auf Reiten und der Arbeit mit Pferden.

Welche Hobbys haben Sie heute? Was begeistert Sie daran?
Der Sport ist mir geblieben, egal ob Laufen, Trekken, Bladen, Squash oder Skifahren. Das ist ein schöner Ausgleich zum Bürojob. Was ich früher schrecklich fand, aber heute liebe, ist das Gärtnern. Das ist meine Art der Meditation.

Was tun Sie für Ihre Gesundheit?
Ich achte auf eine einigermaßen gesunde Ernährung – aber nicht sklavisch: Genuss muss sein und Sünden sind erlaubt. Ansonsten bin ich überzeugt, dass neben dem Sport auch Glück und Zufriedenheit sowie ein gutes Netzwerk aus Freunden und Familie wesentlich zur Gesundheit beitragen.

Gibt es etwas in Ihrem Leben, das Sie aus Angst gemieden haben und es nun bereuen?
Nein, nichts. Ich bin kein ängstlicher Mensch.

Wer ist Ihr persönliches Rolemodel und warum?
Es gibt gar nicht wirklich eine einzige Person. Ich bewundere unterschiedliche Menschen für unterschiedliche Dinge: beispielsweise Angela Merkel für Ihre Ruhe, Kompetenz und Zähigkeit im turbulenten politischen Betrieb. Oder große Unternehmer wie Bill Gates, die etwas erschaffen, das die Welt geändert hat. Oder Menschen, die ihr Leben sozialen Projekten widmen.

Haben Sie ein persönliches Motto, das Sie antreibt und motiviert?
Es ist zwar nicht direkt ein Antriebsmotto, aber „Love it, change it or leave it.“ entspricht meiner Philosophie am besten. Ich reflektiere meine Situation und bin nicht gewillt auszuharren, wenn mir etwas nicht passt, sondern gehe aktiv in den Veränderungsmodus.

Was würden Ihre alten Kollegen/Ihr alter Chef sagen auf die Frage...
... was Sie auszeichnet?
Mein hohes Energielevel und meine Dynamik.

... was Sie besser können als alle anderen im Team?
Auf Menschen eingehen und sie motivieren.

Netzwerken für Dummies

Freiwillig aushelfen

Wer Probleme damit hat, auf Fremde zuzugehen, sollte den Veranstaltern kurz vor dem Event seine Hilfe anbieten. So geht der angehende Netzwerker auf Nummer sicher, dass er nicht nur dumm in der Ecke rumsteht – schließlich hat er durch sein Engagement eine klare Aufgabe. Und währenddessen kommt er ganz zufällig mit neuen Menschen ins Gespräch, ohne dafür selbst den ersten Schritt machen zu müssen.

Gewohntes Umfeld verlassen

Leute außerhalb des direkten Umfeldes können dafür sorgen, dass man eine ganz neue Perspektive auf Projekte oder Probleme einnehmen kann. Jedem sollte eine Chance gegeben werden: Schließlich weiß man nie, wer einen interessanten Kontaktpartner ausmacht.

Frühzeitig da sein

Ganz wichtig beim Netzwerken: die Ruhe vor dem Sturm ausnutzen. Um neue Kontakte während einer Veranstaltung zu knüpfen, bietet es sich an, etwas früher da zu sein als die Mehrheit der Gäste. Denn wenn nur ein paar Menschen da sind, bleibt einem nichts anderes übrig, als auf diese zuzugehen. Und dann ist auch die Chance groß, die Organisatoren oder Sprecher wichtiger Organisationen zu erwischen, bevor sie von einer Meute umringt werden, die sich gerne vorstellen will.

Nicht sofort drauf losschießen

Der angehende Netzwerker ist überpünktlich da, überwindet seine Hemmungen und gesellt sich zu einer kleinen Gruppe. Den größten Fehler, den er dann machen kann: einfach drauf losplappern. Wenn es zu einem Gespräch kommt, sollte er lieber erst einmal aufmerksam zuhören und Fragen stellen. Schließlich ist Netzwerken keine Einbahnstraße: Wenn man ehrliches Interesse an den Problemen anderer zeigt, werden sie wahrscheinlich auch dasselbe für ihr Gegenüber tun.

Lächle

Noch Fragen?

Sich ein Ziel setzen

Schon vor der Veranstaltung sollte man sich gut überlegen, mit wie vielen Leuten man sich unterhalten will. Schließlich passt nicht jede x-beliebige Person in das persönliche Netzwerk. The Changer rät angehenden Netzwerkern deshalb dazu, sich vorab die Teilnehmerliste zu organisieren, um vorab herauszufinden, wer während des Events als möglicher neuer Kontakt geeignet ist.

Fragen zurechtlegen

Wenn geklärt ist, wen der angehende Netzwerker ansprechen möchte und warum, ist es sinnvoll, sich ein paar Fragen zurecht zu legen. Zum Beispiel: „Welche Vorschläge hast für mich?“ oder „Kennst du jemanden, mit dem ich mal reden sollte?“. Natürlich sollte man sich vorab auch Gedanken darüber machen, welche Fragen einem selbst gestellt werden könnten.

Rechtzeitig weiterziehen

Das Gespräch mit einer fremden Person kann super laufen. Das bedeutet aber nicht, dass man bis zum Ende der Veranstaltung zusammenbleibt. Spätestens nach zehn Minuten sollten Netzwerker weiterziehen – um mit möglichst vielen Menschen in Kontakt zu kommen. Wem es schwer fällt, das Gespräch zu beenden, dem rät The Changer dazu, in einem geeigneten Moment die Businesscard zu zücken und vorzuschlagen, das Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt intensiver weiterzuführen.

Zweitkontakt intelligent herstellen

Der erste Kontakt wurde während des Events hergestellt. Im zweiten Schritt gilt es, den Zweitkontakt geschickt herzustellen. Wer allerdings nicht mehr zu bieten hat als „Schön, dich gestern kennengelernt zu haben“ läuft Gefahr, dass der Kontakt ins Leere läuft. Sinnvoll ist es, Informationen – zum Beispiel zu Gesprächsthemen – mitzuschicken, um zu beweisen, dass man als Kontaktperson wirklich etwas zu bieten hat.

Netzwerk pflegen

Netzwerken bedeutet nicht: Man tut es einmal und hakt es dann auf seiner Liste ab. Netzwerken muss vielmehr in die Arbeitsweise integriert werden. Wer wirklich von seinen Kontakten profitieren will, muss sie pflegen und Zeit investieren.

Quelle

Die Karriereplattform The Changer gibt in ihrem Buch „Karriere mit Sinn“ zehn Tipps, wie Laien zu Netzwerk-Experten werden.

... was Ihnen schwer fällt?
Geduld ist nicht gerade meine größte Tugend.

Beschreiben Sie eine Arbeitssituation, in der Sie komplett im Flow und erfüllt sind?
Kurz vor dem Abschluss eines Projektes in einem funktionierenden Team: Es ist hektisch. Alle sind unter Hochdruck. Die letzten Hindernisse müssen aus dem Weg geräumt werden. Alle leisten ihren Beitrag, um gemeinsam anzukommen – und dann wird der Erfolg eingefahren.

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
Viele, solange sie mit Menschen zu tun haben.

Was gibt Ihnen Energie im Arbeitsleben?
Die Interaktion mit Menschen. Also eigentlich fast alles an einem normalen Arbeitstag.

Was frustriert Sie und ist Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
Repetitive, langweilige Tätigkeiten.

Welches Tool ist bei der Arbeit für Sie unverzichtbar, und welche Apps haben Sie im täglichen Einsatz?
Mein Smartphone – wie ja für fast jeden. Kommunikations-, Recherche-, Orga- und News-Tool, alles in einem Gerät. Wunderbar. Ich nutze neben Mail und Messenger-Apps auch gerne die unterschiedlichsten Presse-Apps – und, nicht überraschend, natürlich Xing (lacht).

Was macht Sie stolz?
Gemeinsame Erfolge mit einem Team.

Was waren Ihre wichtigsten drei (Arbeits-) Ergebnisse der letzten drei Jahre?

Erstens: Die Vervielfachung des Börsenwertes der Lotto24 AG und der Breakeven in 2017. Zweitens: Ein Kununu-Score von durchschnittlich 4,6 von 5 für Lotto24. Drittens: Ein begeistertes Team, das für die Firma durchs Feuer geht.

Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiter (Nachwuchskräfte, Kolleginnen und Kollegen) in schwierigen Situationen, indem…
… ich mir Zeit nehme, zuhöre und Hilfe zur Selbsthilfe gebe.

Angenommen, eine Kollegin oder Kollege denkt oft: „Ich verdiene den Erfolg gar nicht“, „Ich bin gar nicht gut genug“, „Das schaffe ich nie“, „Andere sind um Welten besser als ich…“ – Was raten Sie?
Ein Coaching, um das Selbstwertgefühl zu steigern. Einen Blick auf bisher Erreichtes und den Beitrag des Kollegen oder der Kollegin dazu.

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun Sie?
Überprüfen, was ich an den Rahmenbedingungen ändern kann – ansonsten wechseln. Ganz im Sinne von „Love it, change it or leave it“.

Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde?
„Das lernst Du nie.“

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an andere Frauen für Gehaltsverhandlungen?
Vorher Fachargumente sammeln, zum Beispiel Gehaltsbandbreiten. Und gerne direkt mit einer satten Forderung beginnen, nicht zu bescheiden sein.

Verbündete und Mentoren finde ich, indem...
…ich offen auf Menschen zugehe und transparent kommuniziere. Und natürlich durch Leistung, die man – gerade als Frau – auch gerne zeigen und für sich vermarkten darf. Oftmals reicht es leider nicht zu hoffen, dass man schon gesehen wird.

Der größte Benefit, den Sie bisher aus einem Ihrer Netzwerke gezogen haben?
Der aktuellste: Für meinen neuen Job bei New Work haben sieben Leute aus meinem Netzwerk Referenzen für mich abgegeben.

In den nächsten drei Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
Dank der unmittelbar bevorstehenden neuen beruflichen Herausforderung werde ich in sehr kurzer Zeit extrem viel lernen – und freue mich sehr darauf: Neues Geschäftsmodell, komplexere Strukturen, neue Menschen und Teams. Ich werde unter anderem testen müssen, inwiefern das skaliert, was bisher in meinem Berufsleben funktioniert hat, und wo ich vielleicht umdenken muss.

Frau von Strombeck, vielen Dank für das Interview.

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