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15.11.2019

14:35

Rolemodel Sophie Chung

Qunomedical-Gründerin: „Angst gehört nicht in mein Lebenskonzept“

Von: Carina Kontio

Die Medizinunternehmerin verbindet Ärzte und Patienten. Im Interview spricht sie über Durchhaltevermögen, Gehaltsverhandlungen und Teamarbeit.

Die Medizinerin bringt auf der ganzen Welt Ärzte zu ihren Patienten. (Credit: Qunomedical)

Sophie Chung

Die Medizinerin bringt auf der ganzen Welt Ärzte zu ihren Patienten.
(Credit: Qunomedical)

Bonn Die Österreicherin Sophie Chung baut in Berlin an der Zukunft der Medizin. Mit ihrem Start-up Qunomedical will sie gute ärztliche Versorgung für alle ermöglichen.

Die Idee dahinter: Das Unternehmen vermittelt Patienten an Ärzte und Kliniken im In- und Ausland; entweder um kostenintensive Eingriffe auch für weniger zahlungskräftige Kunden erschwinglich zu machen oder eine bessere Behandlung zu ermöglichen. Die Patienten kommen aus über 50 Ländern, Kliniken und Ärzte aus über 25 Ländern sind mittlerweile auf der Plattform vertreten.

Der Medizintourismus ist ein Milliardenmarkt: 2014 bezifferte die Unternehmensberatung PwC das Marktvolumen auf rund 48 Milliarden Dollar. Nach einer Schätzung der Organisation „Patienten ohne Grenzen“ wächst der Markt um 15 bis 25 Prozent pro Jahr.

Chungs Mission ist es, ein gerechteres Gesundheitssystem zu schaffen. „Es kann nicht sein, dass viele Menschen ewig auf Termine bei Ärzten warten müssen oder sich gewisse Dinge gar nicht erst leisten können“, sagt sie.

Sie ist die Tochter zweier kambodschanischer Flüchtlinge. Die Familie blickt auf eine lange Tradition als Ärzte zurück – auch für Chung war immer klar, dass sie diesen Beruf einmal ausüben wollte.

Kurz nach ihrem Studium verschlug es sie dann aber nicht in den Heilberuf, sondern in die Unternehmensberatung: Bei McKinsey arbeitete sie als Beraterin für die Gesundheitsbranche, bevor sie 2015 beim New Yorker Start-up Zocdoc anheuerte und zur rechten Hand von Chef und Gründer Oliver Kharraz wurde.

Sie wollte auch in Deutschland so etwas wie einen Vermittler von Arztterminen aufbauen. Schließlich ging die Geschäftsidee zum Medizintourismus – und Qunomedical. Ein Gespräch über Kinderträume, Durchhaltevermögen und Teamarbeit.

Frau Chung, wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
Mein Traumberuf war immer Ärztin, schon als ich klein war und das habe ich dann auch durchgezogen. Mittlerweile praktiziere ich zwar nicht mehr aktiv, aber mit Qunomedical kann ich den Patienten trotzdem treu bleiben.

Welche Hobbys hatten Sie in Ihrer Jugend? Worin waren Sie richtig gut?
Richtig gut war ich in ziemlich nerdigen Fächern, in Mathe, Geometrie und Chemie. In meiner Schule hatten wir ein Chemieolympiade-Team, wovon ich Teil war. Und dann natürlich Sport, der hat mich früher schon begeistert. Ich habe den schwarzen Gürtel in Karate und außerdem darf der Bergsport – Snowboarden, Klettern, Skitouren – bei einer Österreicherin nicht fehlen.

Welche Hobbies haben Sie heute? Was begeistert Sie daran?
Ich bin dem Sport treu geblieben, neben den Bergen bin ich auch gerne auf dem Wasser – Segeln, Kitesurfen, Tauchen. Das ist ein super Ausgleich zu meinem Arbeitsumfeld und ich finde es toll, auf diese Weise meine körperlichen Grenzen austesten zu können. Ansonsten bin ich für gutes Essen sehr zu begeistern. Wenn ich nicht gerade arbeite oder beim Sport bin, findet man mich mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Essen.

Was tun Sie für Ihre Gesundheit?
Meine Gesundheit ist mir sehr wichtig, deshalb versuche ich bewusst zu leben und darauf zu achten, dass es mir körperlich und geistig gut geht. Das schaffe ich zum Beispiel durch meine Ernährung, den Sport und dem Erhalten eines engen Freundeskreises.

Gibt es etwas in Ihrem Leben, das Sie aus Angst gemieden haben und es nun bereuen?
Nicht wirklich, für Angst im Alltag habe ich keinen Platz, die gehört nicht in mein Lebenskonzept.

Wer ist Ihr persönliches Rolemodel und warum?
Meine Mutter hat mich immer sehr inspiriert. Sie hat sich trotz eines durchlebten Bürgerkriegs in Kambodscha ihre Lebenseinstellung bewahrt, nie aufzugeben, sondern sich immer wieder aufzurappeln. Das finde ich sehr bewundernswert und es hat meine Einstellung zum Leben und meiner Arbeit nachhaltig geprägt.

Die sieben entscheidenden Fragen für Gründer

Das Buch

Es begann als Vorlesung und wurde zum Bestseller: Peter Thiel hielt vor Studenten an der Universität Stanford einen Vortrag über Gründen, der Student Blake Masters hat fleißig mitgeschrieben und gemeinsam vollendeten sie das Buch "Zero to One" (Campus Verlag). Hier gibt Thiel wertvolle Ratschläge für Gründer. Ein paar Beispiele in Kurzform ...

Die technische Frage

Ist Ihre Technologie revolutionär oder nur eine geringfügige Verbesserung?

Die Timing-Frage

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um in Ihr Unternehmen zu investieren?

Die Monopol-Frage

Beginnen Sie mit einem großen an einem kleinen Markt?

Die Team-Frage

Haben Sie die richtigen Leute?

Die Vertriebs-Frage

Sehen Sie Möglichkeiten, Ihr Produkt nicht nur herzustellen, sondern auch zu verkaufen?

Die Haltbarkeits-Frage

Können sie Ihre Wettbewerbsposition zehn oder 20 Jahre lang halten?

Die Geheimnis-Frage

Haben Sie eine einmalige Chance erkannt, die andere nicht sehen?

Haben Sie ein persönliches Motto, das Sie antreibt und motiviert?
Aufgeben ist keine Option! Es gibt immer einen Weg, man darf nur sein Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Was würden Ihre alten Kollegen/Ihr alter Chef sagen auf die Frage…
... was Sie auszeichnet?
Ich bin bereit hart zu arbeiten, um meine oder gemeinsame Ziele zu erreichen im Beruf und auch privat. Was das angeht, kann ich wirklich viel Durchhaltevermögen an den Tag legen.

... was Sie besser können als alle anderen im Team?
Ich denke, dass ich die für meine Arbeit nötige Weitsicht und den entsprechenden Überblick mitbringe. Darin bin ich besser als andere Mitglieder meines Teams. Das ist aber auch ganz natürlich, solche Eigenschaften gehören als Gründerin und CEO zum Job dazu.

... was Ihnen schwer fällt?
Ich bin ziemlich schlecht im Warten. Manche Dinge brauchen einfach ihre Zeit, da bin ich dann meist zu ungeduldig und erwarte zu schnell Ergebnisse.

Beschreiben Sie eine Arbeitssituation, in der Sie komplett im Flow und erfüllt sind?
Wirklich erfüllend finde ich es, wenn alles so funktioniert wie es soll und alle Rädchen ineinander greifen. Das gilt besonders für Teamarbeit: Wenn man zusammen an einer Idee arbeitet, jeder mit Begeisterung dabei ist und man praktisch zusehen kann, wie sich alles zusammenfügt und am Ende ein glücklicher Patient steht. Das ist einfach ein tolles Gefühl.

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
Meine Freunde sehen mich lustigerweise immer irgendwo im Fashionbereich. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Kunst eine private Leidenschaft von mir ist. Architektur, visuelle Ästhetik, Mode, das fasziniert mich einfach.

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