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22.10.2019

18:15

Unternehmerinnen der Zukunft 2019

Vier Gründerinnen, die Sie kennen sollten

Von: Carina Kontio

In München zeichnete eine Jury um Dorothee Bär die Unternehmerinnen der Zukunft 2019 aus. Womit die vier Preisträgerinnen überzeugten und was sie nun erwartet.

Schirmherrinnen der Initiative sind Dorothee Bär (links), Staatsministerin für Digitales, und Judith Williams, Unternehmerin und TV-Star. Tobias Koch

Die Schirmherrinnen

Schirmherrinnen der Initiative sind Dorothee Bär (links), Staatsministerin für Digitales, und Judith Williams, Unternehmerin und TV-Star.

Düsseldorf Laut einer Tech-Crunch-Studie werden nur fünf Prozent aller Start-ups weltweit von einer Frau gegründet. Tun sie es doch, ist dies oft mit Schwierigkeiten verbunden. So gingen beispielsweise 2017 weltweit nur zwei Prozent aller Wagnisfinanzierungen (Venture Capital) an Frauen.

Eine Ursache dafür ist, neben strukturellen Nachteilen der oft beschriebene Unconscious Bias, dem die Geldgeber – oft männliche Investoren – erliegen. Das heißt, dass sie sich von einem Vorurteil oder einer persönlichen Einstellung beeinflussen lassen, ohne es selbst zu bemerken.

Für junge Unternehmerinnen sind die Folgen dieser unbewussten Voreingenommenheit enorm, denn sie fallen aus dem Raster. So erhalten männliche Gründer laut einer Untersuchung der National Academy of Sciences bei identischen Inhalten und Präsentationen mit einer 40 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit eine Wagnisfinanzierung als Frauen.

Dabei erwirtschaften Start-ups, die von Frauen gegründet oder mitbegründet wurden, für jeden Dollar der Finanzierung 78 Cent, reine Männer-Teams nur 31 Cent, heißt es in einer Studie der Boston Consulting Group (BCG).

Auch wenn das Verhältnis zwischen Gründern und Gründerinnen aktuell noch erschreckend ist, gibt es zunehmend positive Erfolgsgeschichten – unterstützt durch spezielle Wettbewerbe, Förderprogramme und Awards für Gründerinnen.

Einer davon ist die Auszeichnung „Unternehmerinnen der Zukunft 2019“, ins Leben gerufen Anfang 2018 vom Verband deutscher Unternehmerinnen, der Netzwerk-Initiative Global Digital Women, der Brigitte Academy und dem Online-Händler Amazon. Schirmherrinnen der Initiative, die am Montag in München bereits zum dritten Mal vier Gründerinnen auszeichnete, sind Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales, und Judith Williams, Unternehmerin und TV-Star.

Gründer: Diese Fallstricke sollten Sie meiden!

Herdentrieb als Bremse

Möchte kein Teammitglied von der gemeinsamen Meinung abweichen, weil die persönliche Bindung zueinander besonders hoch ist, kommt es laut Thorsten Reiter zum gefährlichen Herdentrieb; dieser führt zu äußerst schlechten Entscheidungsfindungen, da Ideen nicht mehr hinterfragt und keine Vorschläge gemacht werden, die den Status quo gefährden. Als Lösung rät der Experte, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist, eine Person zu bestimmen. Deren Aufgabe ist es dann, die Vorschläge der anderen auseinander zu nehmen. Reiter: „Wenn diese Person oder Gruppe regelmäßig ausgetauscht wird, kann sich das Team so langsam aus dem Herdensumpf herausbewegen.“

Die richtigen Leute zur falschen Zeit

Thorsten Reiter empfiehlt, besonders erfahrene Personen nicht unbedingt schon in der Gründungsphase ins Boot zu holen. Sie sind nicht nur teurer, aufgrund ihres großen Erfahrungsschatzes, sondern bedeuten auch eine Verschwendung von Potential. Warum? „Oft sind sie es gewohnt, bereits existierende Strukturen zu verbessern, Prozesse zu optimieren oder in neue Märkte zu expandieren, so Reiter. „Demotivation und Produktivitäsverlust können die Folge sein.“

Soziale Hierarchien

Werden Ideen und Ansätze nicht nach objektiven Kriterien beurteilt, sondern basierend auf der sozialen Stellung des Vorschlagenden im Team, kann das unterm Strich genauso schädlich sein wie der Herdentrieb. Der Experte rät, die in „Aussätzigen“ und in Ungnade gefallenen Personen im Team gezielt zu reintegrieren. Reiter: „Am besten ist dies möglich, indem du dir die Unterstützung des Hierachieobersten im sozialen Gefüge sicherst und diesen die soziale Rehabilitation des Aussätzigen übernehmen lässt.“

Unausgeglichene Kompetenzen

Konzentrieren sich Gründer beim Besetzen ihrer Teamrollen zu sehr auf die eigenen Kompetenzen und den eigenen fachlichen Hintergrund, kommt es laut Reiter zu „Gründerteams voller Techie-Geeks oder Banden von Sales-Haien, deren Unternehmen und Produkte es niemals auf den Markt schaffen werden, geschweige denn im Markt bestehen können.“ Helfen könnten hier vor allem Mentoren, die tote Winkel in der Wahrnehmung von Kompetenzlücken aufdecken und eventuell sogar bei der Einschätzung vielversprechender Kandidaten helfen.

Schnäppchen auf dem Arbeitsmarkt

Eine weniger gut ausgebildete Arbeitskraft wird doch die simple Aufgabe ausreichend erledigen können? Falsch gedacht, sagt Thorsten Reiter. „Egal ob es sich um ein Unternehmen der Serviceindustrie, Gastronomie oder um die Herstellung eines Produkts handelt: Gerade die ersten Mitarbeiter können zwischen Wachstum und damit Erfolg auf der einen sowie Insolvenz und damit Misserfolg auf der anderen Seite entscheiden.“ Machen Sie also zu Beginn keine Schnäppchen beim Humankapital – es zahlt sich einfach nicht aus.

Fazit

Sie wollen nicht eines Tages einer Meuterei zum Opfer fallen? Dann setzen Sie sich frühzeitig mit diesen Komponenten im eigenen Team, aber auch bei Kunden und Partnern auseinander. Reiter: „Immer wenn es um die menschliche Komponente des Business geht, lernen auch erfahrenste Geschäftsleute nie aus.“

Im Fokus des Förderprogramms, für das man sich zunächst im Februar bewerben musste, standen insgesamt 19 Geschäftsführerinnen und Firmen-Inhaberinnen mit maximal 30 Mitarbeitern. Ihr Ziel: das digitale Geschäft auf- oder ausbauen.

Wer eine Runde weiterkam, wurde dann sechs Monate lang von 25 Coaches in Einzel- und Gruppentrainings intensiv beim Ausbau des Digitalbusiness begleitet. Erst am Ende des Programms wählte die Jury die vier Unternehmerinnen aus, die die digitale Transformation ihres Geschäfts am erfolgreichsten managten.

Bär erklärt: „Das Programm fördert mutige Unternehmerinnen mit mutigen Visionen, die den Schritt in das digitale Unternehmertum wagen und dort unsere Gesellschaft mitgestalten. Sie bringen Fähigkeiten und Sichtweisen mit, die Deutschland braucht, um ein ‚Digital Leader‘ zu werden – deswegen ist Förderung für mehr weibliches Unternehmertum durch Programme wie Unternehmerinnen der Zukunft so wichtig!“

Williams ergänzt: „Für Unternehmerinnen ist es unglaublich wichtig, den Mut zu haben, groß zu denken. Unternehmerinnen der Zukunft ist ein großartiges Programm, um dieses ‚Think Big‘ auszuprobieren und zu sagen: ‚Ich trau mich jetzt einfach mal‘. Zu sehen, welchen Erfolg die Teilnehmerinnen in der Kürze der Zeit auf die Beine gestellt haben, begeistert mich. Traut Euch und geht weiter nach vorne!“

Susanne Richter, Anastasiya Koshcheeva, Anette Haverkamp-Peiß und Christiane Hübner. Tobias Koch

Die vier neuen Preisträgerinnen (v.l.n.r.)Chr

Susanne Richter, Anastasiya Koshcheeva, Anette Haverkamp-Peiß und Christiane Hübner.

Diese vier Unternehmerinnen wurden ausgezeichnet:

  • Anastasiya Koshcheeva von Moya Birch Bark (Design-Möbel aus Birkenrinde) aus Berlin, Gewinnerin der Kategorie „Von Offline zu Online“: „Mithilfe meiner Coaches habe ich einen neuen professionellen Online-Shop gelauncht und durch digitales Marketing innerhalb weniger Monate meinen Umsatz um 50 Prozent gesteigert. Vier neue Mitarbeiter werden den Ausbau von Moya auch in Zukunft unterstützen.“
  • Anette Haverkamp-Peiß von Emma Eventing (Pflege- und Ergänzungsfuttermittel für Pferde) aus Bippen in Niedersachsen, Gewinnerin der Kategorie „Marktplätze“: „Das Förderprogramm hat mir dabei geholfen, meine Produkte über verschiedene Online-Marktplätze zu vertreiben – und das sogar international: Inzwischen beliefere ich mittlerweile auch Kunden in Frankreich, Spanien und Italien. Marktplätze haben sich für mein kleines Unternehmen als eine Riesenchance entpuppt.“
  • Christiane Hübner von Renna deluxe (Wohnaccessoires, Papierwaren und Lifestyleprodukte) aus Wiesbaden, Gewinnerin der Kategorie „Export“: „Der Sprung auf die Weltbühne ist geschafft: Die Teilnahme hat mir ermöglicht, Renna deluxe international auszurichten. Jetzt machen meine Produkte auch Kunden in den USA, Großbritannien und anderswo glücklich – ein tolles Gefühl!“
  • Susanne Richter von Sanni Shoo (nützliche Design-Produkte für den Alltag) aus Küsnacht in der Schweiz, Gewinnerin der Kategorie „Markenbildung“: „Dank Unternehmerinnen der Zukunft habe ich innerhalb weniger Monate meine Markenbekanntheit enorm gesteigert und was vorher über Handelspartner lief, jetzt selbst in die Hand genommen: Meine Kunden spreche ich durch gezieltes Social Media Marketing an und eine modernisierte IT und digitalisierte Warenwirtschaft helfen mir den Überblick zu behalten.“

Tijen Onaran, Gründerin von Global Digital Women und Jurymitglied, ist der Meinung: „Das Programm beweist aufs Neue, wie wichtig die Vernetzung und der Austausch mit anderen Gründern ist – besonders für kleine Unternehmen. Die eindrucksvollen Ergebnisse der Teilnehmerinnen zeigen: Gepaart mit individuellen Coachings und Wissenstransfer ist diese Rezeptur perfekt.“

Brigitte Huber, Chefredakteurin des Frauenmagazins Brigitte, ergänzt: „Es gibt so viele Frauen, die klug, qualifiziert und voller Ideen sind. Chapeau vor den Teilnehmerinnen – sie sind alle inspirierende Vorbilder und machen anderen Frauen Mut, selbst zur erfolgreichen Unternehmerin zu werden.“

Profitiert haben seit dem Auftakt des Programms aber nicht nur die vier Gewinnerinnen, sondern alle Frauen, die teilgenommen haben. So führten insgesamt 16 Teilnehmerinnen eine neue Marke ein oder bauten eine bestehende Eigenmarke aus; 14 Kandidatinnen professionalisierten ihren Online-Shop und sechs Gründerinnen starteten mit dem Export.

Darüber hinaus stellten sie in Summe mehr als 2000 Produkte online, wodurch 35 neue Voll- und Teilzeit-Jobs in den Bereichen Vertrieb, Logistik und Marketing geschaffen wurden.

„Mit großer Freude begleiten wir jetzt schon zum dritten Mal die Erfolgsgeschichten der Unternehmerinnen der Zukunft. Wir glauben, dass dieses Programm ein Weg ist, Frauen zu ermutigen, Neues zu wagen und Zukunft zu unternehmen,“ sagt Ralf Kleber, Amazon-Deutschland-Chef und fügt hinzu: „Wer digital erfolgreich sein will, braucht den Willen zu experimentieren, muss bereit sein, Fehler zu machen und jeden Tag ein bisschen besser zu werden.“

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