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26.06.2019

15:13

Vera Schneevoigt im Mindshift-Podcast

Bosch-Managerin: „Als ich anfing, Macht zu kriegen, wurde es schwierig“

Von: Carina Kontio

Sie ist eine der wenigen Frauen in Spitzenpositionen bei IT-Konzernen. In der neuen Folge von Mindshift spricht Vera Schneevoigt über ihre Karriere.

Düsseldorf Vera Schneevoigt hat einen Job, den es früher gar nicht gab: Die IT-Expertin arbeitet als Chief Digital Officer im Geschäftsbereich Gebäudetechnik bei der Bosch-Gruppe. Dort dreht sich alles um vernetzte Sicherheits- und Kommunikationslösungen für kommerzielle Gebäude, beispielweise Brandmelde- oder Videosysteme, sowie um Energieeffizienzlösungen.

Gerade hat die Managerin 100 Tage in der neuen Position hinter sich und führt das erste Gespräch in dieser neuen Rolle im Mindshift-Podcast.

Schneevoigt ist eine der wenigen Frauen in Spitzenpositionen bei einem deutschen Technikkonzern. Sie gilt als Expertin für das Internet der Dinge (IoT), Industrie 4.0 und digitale Transformation und brennt für ihren Beruf: „Das ist der coolste Job, den ich bis jetzt in meinem Leben gemacht habe.“

Frauen galten in der Branche lange Zeit als Exoten. Vor allem in den USA haben es jedoch inzwischen etliche Managerinnen an die Spitze geschafft – und das nicht nur in Start-ups, sondern auch bei Traditionskonzernen. So leitete beispielsweise Ursula Burns bis 2017 die Geschicke von Xerox, Meg Whitman gab bis 2018 bei Hewlett-Packard den Ton an, Marissa Mayer war bis 2017 Chefin von Yahoo und Anfang 2012 übernahm Virginia Rometty bei IBM das Ruder.

Während es in den USA mittlerweile normal ist, dass Frauen Spitzenpositionen in IT- und anderen Hightech-Firmen einnehmen, setzt sich dieser Trend in Deutschland erst langsam durch.

Geboren in Rheinland-Pfalz hat Vera Schneevoigt in Neustadt an der Weinstraße das Mädchengymnasium absolviert, dann aber nicht studiert, sondern bei Siemens eine Lehre zur Industriekauffrau gemacht. Sie arbeitete sich dort über 30 Jahre lang bis nach oben. „Das wichtigste ist, dass man eine gefestigte Persönlichkeit hat und weiß, was man kann oder eher nicht kann“, sagt Schneevoigt.

Zum Ende ihres Jobs bei Siemens wurde die Kommunikationssparte, bei der Schneevoigt beschäftigt war, ausgegliedert und von einem Investor übernommen. Somit landete sie für fünf Jahre im Private-Equity-Bereich. Sie selbst sagte mal über ihre Zeit damals: „Ein Bootcamp bei den Marines hätte vermutlich nicht viel härter sein können“. Bei Handelsblatt Mindshift resümiert sie: „Die Private-Equity-Zeit war die härteste.“

In 2014 übernahm Schneevoigt dann die Leitung des Fujitsu-Werks in Augsburg Dass dieses 2020 schließt, konnte die Managerin aber nicht verhindern – rund 1800 Stellen sollen wegfallen. Der japanische IT-Konzern will seine Fertigung von Hardware wieder zurück nach Asien verlegen.

Für Vera Schneevoigt ein hartes Ende, das sie sehr betroffen gemacht hat. Aber sie hat in ihrer Zeit dort auch viel gelernt, vor allem, wie es ist, als Frau mit stark hierarchisch geprägten Managern aus Japan zusammenzuarbeiten. Und Manager meint in Japan vor allem: Männer. „Ich wäre nicht so, wie ich heute bin, wenn ich nicht diese ganzen Kulturen kennengelernt hätte“, berichtet die Bosch-Managerin in Handelsblatt Mindshift.

Seitdem meditiert Vera Schneevoigt regelmäßig, um in stressigen Situationen gelassener zu bleiben. „In langen Meetings mache ich bewusst Pausen, ja, auch mal meditierend auf der Toilette, um runterzukommen.“

Im Gespräch erzählt sie auch, dass sie im Umgang mit richtig schlechten Chefs gerne mal Widerworte gegeben und mit ihrer resoluten Art Jobs riskiert oder sogar verloren hat.

„Als ich anfing, Macht zu kriegen, wurde es schwierig“, erzählt Schneevoigt. Aber sie hat gelernt, auch damit umgehen zu können: „Ich bin ja nicht jedermanns Freundin und das muss ich auch nicht sein.“ Was sie im Geschäftsleben aber gar nicht mag, ist Respektlosigkeit. „Meine Kulanzzeit, schlechte Chefs auszuhalten, ist massiv nach unten gegangen“, sagt Schneevoigt.

Ihre Vita ist wirklich beeindruckend - und das nicht nur beruflich. Schneevoigt berichtet, dass sie sich schon als junges Mädchen lieber für einen Programmierkurs entschied, als einen Tanzkurs zu buchen. So wird man also offenbar Chief Digital Officer bei Bosch. „Ich würde fast nichts anders machen, wenn ich zurück blicke“, erzählt Schneevoigt.

Wir wollten von der IT-Managerin aber auch wissen, welche Kernkompetenzen denn entscheidend für diesen Job sind. Schneevoigt: „Ich bin ja hier nicht die kreative Spinnerin, die sich jeden Tag etwas Neues ausdenkt.“

Und welche Fähigkeiten es braucht, um auch im digitalen Zeitalter eine gute Führungskraft zu sein. Denn trotz des Hypes um Künstliche Intelligenz darf auch die emotionale Intelligenz nicht vergessen werden, wenn man eine gute Führungskraft sein will. Oder wie Vera Schneevoigt sagt: „Menschen nicht zu mögen disqualifiziert einen, eine gute Führungskraft sein zu können.“

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Kommentare (1)

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Herr Hans A.K. Dr. Edelmann

26.06.2019, 16:22 Uhr

Sehr guter Beitrag! Bitte weiter so!

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