Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

04.11.2019

04:09

Thomas Ulbrich

Das ist der VW-Manager für die neue Elektro-Zeit

Von: Stefan Menzel

Der VW-Konzern beginnt diesen Montag mit der Produktion seiner E-Familie. Fast zwei Jahre lang hat VW-Manager Thomas Ulbrich auf diesen Tag hingearbeitet.

Ulbrich: Das ist der VW-Manager für die neuen Elektro-Fahrzeuge Franz Bischof für Handelsblatt

Thomas Ulbrich

Der Manager studierte nach seiner Ausbildung zum Kfz-Schlosser Fahrzeugbau.

Zwickau An diesem Montag hat sich hoher Besuch in Zwickau angekündigt. Kanzlerin Angela Merkel kommt nach Sachsen. Nicht unmittelbar in die Stadt, sondern etwas nördlich in den industriellen Speckgürtel – zum VW-Werk. Dort, wo 8000 Menschen für den Wolfsburger Konzern neue Autos montieren.

Für Thomas Ulbrich wird es zweifellos ein besonderer Tag, auf den er fast zwei Jahre lang hingearbeitet hat. „Die Vorbereitungen sind nahezu abgeschlossen, und ich bin sehr zuversichtlich, dass unsere Mannschaft in Zwickau den Anlauf der Serienproduktion des ID.3 erfolgreich über die Bühne bringen wird“, sagt der Volkswagen-Manager dem Handelsblatt.

Es könnte ein Tag werden, der vielleicht in die Industriegeschichte eingeht. VW startet den lange angekündigten Einstieg in die Elektromobilität. In Zwickau beginnt etwas, das in den nächsten zehn Jahren die gesamte Automobilindustrie auf den Kopf stellen dürfte. Und genau deshalb kommt auch die Kanzlerin: Es geht um die Zukunft von Deutschlands wichtigstem Industriezweig.

Ulbrich ist seit Anfang 2018 bei der Marke Volkswagen als Elektro-Vorstand verantwortlich für die Produktion der neuen E-Fahrzeuge. Er muss dafür sorgen, dass in der Fabrik in Zwickau am Ende tatsächlich fahrbereite Elektroautos herauskommen. Der 53-Jährige ist ein Volkswagen-Eigengewächs, seit bald 30 Jahren arbeitet Ulbrich für den Wolfsburger Autokonzern. Er kommt aus der Produktion, hat aber auch in der Logistik gearbeitet und etliche Jahre bei der chinesischen VW-Tochter zugebracht.

Zum ersten Mal ist er vor mehr als 15 Jahren in Wolfsburg aufgefallen, damals als Chef der Konzerntochter „Auto 5000“. In der Region war die Arbeitslosigkeit hoch. Konzern und IG Metall verständigten sich darauf, dass die neue Tochter „Auto 5000“ gegründet wird. 5000 Arbeitslose sollten eingestellt und für die Produktion des neuen Minivans „Touran“ geschult werden. Die Besonderheit: Das alles passierte damals außerhalb des gut dotierten VW-Haustarifs und damit zu deutlich niedrigeren Kosten. Ulbrich gelang der Aufbau dieses Projekts. „Sein Gesellenstück“, heißt es auch heute noch in Wolfsburg dazu.

Danach fiel Ulbrich bei der Neuausrichtung der Marke Volkswagen auf. Als Produktionsvorstand sorgte er mit dafür, dass sich die beinahe schon traditionell ertragsschwache Marke deutlich verbesserte. Die operative Rendite ist inzwischen bei 4,9 Prozent angekommen, Anfang 2016 war es noch weniger als ein Prozent.

Das gesamte Team muss viel lernen

Mit diesen Erfahrungen im Rücken war es keine allzu große Überraschung, dass der Konzern den bewährten Produktionsmanager Anfang vergangenen Jahres zum Elektro-Vorstand machte. Auch wenn Volkswagen immer wieder betont, dass der Einstieg in die Elektromobilität gelingen wird, ist der Erfolg alles andere als garantiert. Für den riesigen Konzern Volkswagen ist die Großserienfertigung von E-Autos komplett neu. Das gesamte Team – vom Bandmitarbeiter bis hinauf zum Vorstand – muss viel lernen.

Die VW-Fabrik in Zwickau war bislang ein konventionelles Autowerk für die Modelle Golf und Passat. Für Ulbrich bestand die Aufgabe darin, daraus die erste Fabrik des Konzerns zu machen, in der ausschließlich Elektrofahrzeuge der neuen ID-Familie von den Bändern laufen werden. Der ID.3, dessen Produktion die Kanzlerin an diesem Montag freigibt und der ein E-Auto im Golf-Format ist, ist das erste Modell aus dieser Familie. Etwa 100.000 Exemplare sollen davon im nächsten Jahr in Zwickau gefertigt werden.

Ulbrich, der nach einer Ausbildung zum Kfz-Schlosser Fahrzeugbau studierte, ist ein extrem ehrgeiziger Manager, für den 16-Stunden-Tage nichts Außergewöhnliches sind. Wenn es nötig wird, hängt er auch noch das Wochenende dran. „Das ist okay für mich, schließlich werde ich sehr gut dafür bezahlt“, sagte er kürzlich in einem internen Mitarbeiterzirkel. Wahrscheinlich hat er auch an diesem Wochenende in Zwickau beim letzten Schliff selbst mit Hand angelegt, damit beim Besuch der Kanzlerin bloß nichts schiefgeht.

Handelsblatt Premium

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×