Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

11.05.2022

20:25

Toom, Berentzen, EWE, Viva con Agua

Maskenaffäre: Diese Firmen beenden die Zusammenarbeit mit Fynn Kliemann

Von: Luisa Bomke, Dennis Pesch

Viele Unternehmen haben die Kooperation mit Fynn Kliemann bereits gekündigt. Weitere ziehen nun nach. Es wird einsam um den einstigen Youtube-Star.

Zuvor hatte schon About You die Zusammenarbeit mit Kliemann beendet. IMAGO/APress

Fynn Kliemann

Zuvor hatte schon About You die Zusammenarbeit mit Kliemann beendet.

Düsseldorf Neben der Baumarktkette Toom und dem Getränkehersteller Berentzen hat nun auch der Whirlpool-Hersteller Nordpool die Zusammenarbeit mit dem Youtuber Fynn Kliemann beendet. Das berichtete der Spiegel am Mittwochabend.

Bereits am Montag hatten die Hilfsorganisation Viva con Agua, der Energieversorger EWE und der CBD-Shop Vaay die Kooperation mit Kliemann aufgekündigt.

Der durch Heimwerker-Clips bekannt gewordene Youtuber und Unternehmer hatte für seine Videos mit Toom zusammengearbeitet. Die Baumarktkette habe „sofort nach Veröffentlichung der Berichterstattung alle laufenden Kooperationsmaßnahmen umgehend ausgesetzt“, zitiert der „Spiegel“ eine Unternehmenssprecherin. Aktuell prüfe das Unternehmen auch juristische Mittel.

Zudem soll auch der Whirlpool-Hersteller Nordpool dem Bericht nach nicht mehr mit Kliemann arbeiten. „Aufgrund der aktuellen Berichterstattung distanzieren wir uns, wie andere Partner auch, eindeutig von der eingegangenen Kooperation mit Fynn Kliemann“, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Die Kooperation soll die Lieferung eines Whirlpools für Kliemanns Ferienhaus in Nordstrand betroffen haben. Dieses hat er über die Webseite LDGG vermietet, die der Youtuber ebenfalls betreibt.

LDGG hatte damit geworben, „Urlaub zu günstigen Preisen anzubieten“. Gäste konnten freiwillig mehr bezahlen, um Menschen mit weniger Geld einen Urlaub zu schenken. Bislang wurden jedoch keine dieser Urlaube gebucht, weil niemand das Geld für Kliemann verwalten wollte und konnte. Die Unklarheiten in der Spendenverwaltung hatten bereits für einen Bruch zwischen der Tafel Deutschland und Kliemann gesorgt.

ZDF Magazin Royale enthüllte Maskendeal

Auslöser für die Konsequenzen war die Berichterstattung des ZDF Magazin Royale über einen mutmaßlichen Maskenbetrug. Jan Böhmermann hatte am Freitag in seiner Sendung erklärt, dass Kliemann Kunden und die Öffentlichkeit wissentlich getäuscht haben soll.

Zu Beginn der Coronapandemie 2020 stellte Fynn Kliemann die Produktion seines Textilunternehmens Oderso von Pullovern auf Stoffmasken um. „Günstig, fair und aus Europa“ sollten diese sein. Für das Geschäftsmodell wurde er 2020 sogar mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

Anstatt in Portugal sollen die von Kliemann verkauften und vermarkteten Masken jedoch in Bangladesch und Vietnam produziert worden sein. Auch habe der Youtuber die Masken nicht, wie angegeben, zum Selbstkostenpreis verkauft. Rund eine Million Euro Gewinn sollen Fynn Kliemann und sein Geschäftspartner Tom Illbruck von Global Tactics bei den Deals gemacht haben.

Darüber hinaus warf Böhmermann den Unternehmern vor, die erste Charge von 100.000 unbrauchbaren Masken aus Bangladesch an Geflüchtete in Griechenland und Bosnien weitergegeben zu haben. In der Berichterstattung ließen sich die beiden Unternehmer für die „Spende“ feiern.

Viva con Agua: „Nicht mit unseren Werten vereinbar“

Vor allem Viva con Agua, eine Hamburger NGO, die weltweit Projekte für sauberes Trinkwasser unterstützt, war langjähriger Partner Kliemanns. In einem offiziellen Statement auf der Website teilte die Hilfsorganisation mit: „Die geschilderten Vorgänge stehen in krassem Gegensatz zu unseren Werten und unserer Vorstellung von gemeinwohlorientiertem Unternehmertum.“ Viva con Agua beende deshalb alle Geschäftsbeziehungen mit Kliemann und seinen Unternehmen. Bis zuletzt hatte die Hilfsorganisation prominent mit ihm geworben.

Neben Viva con Agua, EWE und Vaay beendeten der Zweitligist FC St. Pauli, der Online-Modehändler About You und die Tafel Deutschland bereits am Wochenende die Zusammenarbeit mit Kliemann. Die Tafel Deutschland begründete den Schritt mit dem verloren gegangenen Vertrauen in den Influencer. Dieser hatte Spendengelder bei der Vermietung seiner Ferienhäuser eingesammelt, sie aber nicht transparent verwaltet. Auch der Deutsche Nachhaltigkeitspreis wurde ihm aberkannt.

Kliemann bekommt jetzt nicht nur die Konsequenzen der Unternehmen und Geschäftspartner zu spüren, sondern auch die seiner Fans. Seit Bekanntwerden des Skandals entfolgten ihm Tausende Follower auf seinen Social-Media-Kanälen.

Fynn Kliemann: Maskenaffäre sorgt für massiven Imageschaden

Am vergangenen Montag hatte Kliemann sich erneut geäußert: „Alle Leute erwarten zu Recht Aufklärung. Diesmal nicht wieder mit einer überhitzten Aussage“, schrieb der Influencer bei Instagram. Er brauche Zeit, „bis ich Klarheit über die Details habe“, und versprach: „Ich kann und will antworten.“

EWE, Viva con Agua und Vaay haben die Zusammenarbeit mit Fynn Kliemann beendet. Auslöser ist der Maskenskandal des Youtubers. imago images/Future Image

Fynn Kliemann

EWE, Viva con Agua und Vaay haben die Zusammenarbeit mit Fynn Kliemann beendet. Auslöser ist der Maskenskandal des Youtubers.

In einem Video entschuldigte er sich zuvor, teilte gleichzeitig aber mit, dass About You und andere Großhändler über die Herkunftsländer der Masken informiert gewesen wären. Jene Betrugsvorwürfe würden einfach nicht stimmen. Das teilte er am Freitag mit.

Eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Appinio, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, zeigt, dass der Skandal einen massiven Imageschaden für Kliemann verursacht. 60 Prozent der Befragten, die schon einmal von Fynn Kliemann gehört haben, kennen ihn erst seit Bekanntwerden des Skandals. Doch Kliemann steigerte seine Bekanntheit durch die Maskenaffäre nicht nur. Die Befragten sind auch davon überzeugt, dass der Unternehmer sich von diesem Skandal nicht mehr erholen wird.

Dieser Artikel erschien zuerst am 10.05.2022 um 14:55 Uhr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×