Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

22.09.2019

12:38

Der Touristikkonzern braucht mehr Geld für seine Sanierungspläne. AFP

Thomas-Cook-Filiale in London

Der Touristikkonzern braucht mehr Geld für seine Sanierungspläne.

Touristikkonzern in der Krise

Thomas Cook verhandelt über Rettungspaket

Der Touristikkonzern braucht dringend Geld, um die Insolvenz abzuwenden. Falls die Rettung misslingt, könnten Hunderttausende Touristen stranden.

Der britische Reisekonzern Thomas Cook versucht eine drohende Pleite abzuwenden, die rund 600.000 Touristen treffen würde. Das Unternehmen lotet am Sonntag mit Banken, Gläubigern und der Regierung in London aus, ob noch eine Rettung des ältesten Touristikkonzerns der Welt gelingen kann.

Banken fordern zusätzlich zu einem schon ausgehandelten, 900 Millionen Pfund (knapp eine Milliarde Euro) umfassenden Rettungspaket 200 Millionen Pfund. Thomas Cook verhandelt auch mit dem chinesischen Mischkonzern Fosun, der das Unternehmen übernehmen will.

Das Unternehmen mit Marken wie Neckermann-Reisen und der Fluglinie Condor braucht dringend Geld, um in die Zukunft seines Geschäfts zu investieren. Kurzfristig kommt erschwerend hinzu, dass das Unternehmen im Winter üblicherweise weniger einnimmt. Die konzerneigenen Fluggesellschaften gelten als Gewinnbringer. Sorgenkind ist vor allem das britische Veranstaltergeschäft.

Der britische Außenminister Dominic Raab sagte, dass keine Urlauber im Ausland hängen gelassen würden. „Wir hoffen, dass es weitergehen kann“, sagte er. Aber man habe Notfallpläne eingerichtet, „um sicherzustellen, dass wir im schlimmsten Fall alle diejenigen unterstützen können, die sonst gestrandet wären“, sagte Raab der BBC.

Am frühen Abend soll der Verwaltungsrat zusammenkommen und entscheiden, wie es weitergeht. Sollte Thomas Cook das Geld nicht beschaffen können, könnte der Konzern gezwungen sein, Gläubigerschutz zu beantragen. Kunden reagieren zunehmend nervös. In sozialen Medien kommt immer häufiger die Frage auf, ob und wie man nach Hause komme.

Insgesamt sind derzeit 600.000 Touristen mit dem Tui-Rivalen unterwegs, aus Deutschland rund 300.000. Sollten die etwa 160.000 Briten stranden, wäre das für Großbritannien die größte Rückholaktion in Friedenszeiten in der Geschichte des Landes.

Am Wochenende hat Thomas Cook via Twitter mehrfach Kunden zu beschwichtigen versucht, die sich wegen Medienberichten über die Finanzierungsprobleme des Konzerns Sorgen um ihre Buchungen machen. „Alle unsere Urlaube finden normal statt“, schrieb das Unternehmen via Twitter.

Grafik

Der 1841 gegründete Reiseveranstalter beschäftigt 21.000 Mitarbeiter in 16 Ländern. Pro Jahr entscheiden sich 19 Millionen Urlauber für eine Reise mit Thomas Cook. Von einer möglichen Pleite betroffen wären auch Hauptreiseländer wie Spanien, Griechenland oder die Türkei. Zum Konzern gehört auch der deutsche Ferienflieger Condor.

Thomas Cook war durch eine milliardenschwere Abschreibung auf ein britisches Tochterunternehmen und ein schwächeres Reisegeschäft ins Schleudern geraten. Stärker als TUI leidet Thomas Cook unter der mit Brexit und schwächerem Pfund einhergehenden Reiseunlust der Briten. Größter Aktionär ist die chinesische Fosun-Gruppe, die nach bisherigen Planungen 450 Millionen Pfund frisches Geld bereitstellen sowie drei Viertel des Reisegeschäfts und ein Viertel der Airline-Gruppe übernehmen will.

Mehr: Flugsicherung und Sicherheitskontrollen: Airlines fürchten neue Engpässe in der Infrastruktur

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×