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11.05.2019

13:07

Travis Kalanick

Uber und sein Ex-Chef: Der Sieger des Börsengangs heißt Kalanick

Von: Astrid Dörner, Britta Weddeling

Viele hatten Travis Kalanick nach seinem spektakulären Rauswurf abgeschrieben. Doch beim Börsengang zählt der Fahrdienst-Gründer zu den großen Gewinnern.

Der frühere CEO von Uber war auf der Ehrentribüne, wo die Börsenglocke geläutet wird, anscheinend nicht erwünscht. Reuters

Travis Kalanick

Der frühere CEO von Uber war auf der Ehrentribüne, wo die Börsenglocke geläutet wird, anscheinend nicht erwünscht.

New York, San Francisco Den großen Moment hat Travis Kalanick abseits des Trubels erlebt. Lässig gekleidet im grauen Sakko, hellblauen Hemd und ohne Krawatte beobachtete er von einer Empore aus mit Vater Donald, wie Uber-Chef Dara Khosrowshahi und ein gutes Dutzend Mitarbeiter die Glocke an der New Yorker Börse läuteten.

Den Moment wollte sich der Mann, der den Fahrtenvermittler 2009 gründete und zum weltweiten Phänomen aufbaute, nicht entgehen lassen. Als die TV-Kameras ihn entdeckten, lächelte Kalanick. Auf dem Parkett brach Applaus aus.

Wieder einmal zeigt sich: Uber wird seinen Ex nicht los. Kalanick mischt sich immer ein und stiehlt dem neuen Chef die Show. Die Beziehung zum Vorgänger sei „in Ordnung”, wiegelt Khosrowshahi ab. „Er bringt als Verwaltungsrat wertvolle Einblicke mit, die widerspiegeln, was für ein Genie er ist und wie gut er das Unternehmen kennt.“

Doch es stimmt eher das Gegenteil. Die zwei Uber-Granden agieren von jeher mehr als Gegenspieler, denn als Partner. Der wichtigste Auftrag von Khosrowshahi war es, zu beweisen, dass sein Start-up die Ära Kalanick hinter sich gelassen hat, den ewigen Streit mit den Fahrern, Behörden, die interne Kultur, die lange geprägt war von Sexismus, Diskriminierung und Selbstüberschätzung.

Das Wall-Street-Debüt sollte den Neustart bei Uber besiegeln, den Höhepunkt des großen Turnaround. Alles sollte anders werden, von der neue Strategie mit E-Rädern, E-Autos und Scootern, über neue Kooperationen mit den Städten und dem öffentlichem Nahverkehr, bis hin zum Friedensschluss mit Konkurrenten in China und anderswo. Immer wieder mimte Khosrowshahi den Anti-Kalanick. Er entschuldigte sich für Ubers früheres Verhalten – und kritisierte damit implizit den Vorgänger. Und nun schiebt sich wieder der ewige Bad Boy ins Bild.

Der Geschäftsführer des Unternehmen konnte beim Wall Street Debüt die Glocke läuten. dpa

Dara Khosrowshahi

Der Geschäftsführer des Unternehmen konnte beim Wall Street Debüt die Glocke läuten.

Als der Expedia-Chef Khosrowshahi 2017 beim Uber-Aufsichtsrat anheuern wollte, stand auf einer seiner Folien: „Es kann nur einen CEO zu einer Zeit geben.” Inzwischen agiert Kalanick zwar nicht mehr als Chef, doch er sitzt nach wie vor im Aufsichtsrat des vor zehn Jahren gegründeten Unternehmens.

Nebenher treibt er Geschäftsbereiche voran, die auch für Fahrtenvermittler von Interesse sind, startete einen Lieferservices für Speisen und investierte in Lkw-Logistik. Zudem lässt er keine Gelegenheit aus, den Nachfolger zu düpieren. Schon kurz nach dessen Dienstantritt 2017 benannte er zwei neue Aufsichtsratsmitglieder ohne Abstimmung.

Die Strategie setzt er fort. Kurz vor Ubers Börsengang brandete großer Streit darüber auf, wer auf dem Parkett die Glocke schwingen dürfe, Kalanick oder Khosrowshahi. Den Trubel bezeichnete der Uber-CEO als „unglücklich“. Er wollte vor allem langjährigen Mitarbeitern und Fahrern die Gelegenheit geben, die Glocke zu läuten, sagte er dem Börsensender CNBC. Khosrowshahi setzte sich durch, doch der große Gewinner des Börsengangs heißt Kalanick.

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Die Papiere des US-Fahrdienstleisters Uber beendeten den ersten Tag an der New Yorker Börse mit 41,57 Dollar. Das ist deutlich niedriger als der Ausgabepreis.

Der Ex-Chef besitzt als größter individueller Anteilseigener 8,6 Prozent an Uber, selbst nachdem er bereits 29 Prozent der Anteile für 1,4 Milliarden Dollar an den japanischen Investor Softbank veräußerte. Der aktuelle CEO kommt nur auf 196.000 Aktienscheine.

Immerhin: Gelingt es Khosrowshahi, Ubers Bewertung an 90 aufeinander folgenden Tagen über der Marke von 120 Milliarden Dollar zu halten, erhält er laut Vertrag einen Aktienbonus in Höhe von 100 Millionen Dollar, wie die New York Times berichtete.

Doch nach dem ersten Handelstag stehen die Vorzeichen dafür nicht gut. Der Börsencoup, auf den die Branche seit Monaten hinfieberte, entpuppte sich als Flopp. Schon der Ausgabepreis der Aktie lag mit 45 Dollar pro Stück unter den Erwartungen. Der Kurs eröffnete bei 42 Dollar und rutschte dann bis zu neun Prozent nach unten.

Uber kam auf eine Marktkapitalisierung von 82 Milliarden Dollar und ist damit so viel wert wie BMW und Volkswagen zusammen. Doch damit blieb die Firma deutlich unter der zeitweise angepeilten Marke von 100 Milliarden Dollar.

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