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24.05.2022

14:16

Umstrukturierung

Siemens Energy will 30 Prozent der Managementpositionen streichen

Von: Axel Höpner, Sandra Louven

Mehrere Hierarchie-Ebenen sollen wegfallen. Das Geschäft mit erneuerbaren Energien soll konsequent in den Konzern integriert werden.

An der Börse ist die Abspaltung der Siemens-Energietechnik noch keine Erfolgsgeschichte. imago images/Hannelore Förster

Börsendebüt von Siemens Energy im Herbst 2020

An der Börse ist die Abspaltung der Siemens-Energietechnik noch keine Erfolgsgeschichte.

München, Madrid Mit einer konsequenten Sanierung der Windkrafttochter Siemens Gamesa, schlankeren Strukturen und mehr Transparenz will der Siemens-Energy-Konzern das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen. „Wir wollen schneller, flexibler und kundenorientierter werden“, sagte CEO Christian Bruch am Dienstag vor Investoren.

Konkret plant Siemens Energy die Streichung von 30 Prozent der bisherigen Managementpositionen. In Geschäftsbereichen, in denen es bisher bis zu elf Hierarchieebenen gab, würden es künftig nur noch maximal sechs sein. „Eine Reduktion der Beschäftigung wird durch die Neuorganisation nicht angestrebt“, hieß es.

Siemens Energy: Wegfall von Managementpositionen wird dreistellig

Dennoch dürfte die Ankündigung unter den Führungskräften erst einmal für Unruhe sorgen. Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen soll eine dreistellige Zahl von Managementpositionen wegfallen.

Am Wochenende hatte Bruch ein Barangebot für die Komplettübernahme der verlustreichen Tochter Siemens Gamesa angekündigt. Mit einer Vollintegration des Spezialisten für erneuerbare Energien soll dessen Sanierung besser vorankommen. Bislang waren alle entsprechenden Bemühungen gescheitert. Innerhalb von drei Jahren sollen mit der Integration Kostensynergien von etwa 300 Millionen Euro gehoben werden.

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    Kursverluste wegen Problemen bei Siemens Gamesa

    Siemens Energy hält zwei Drittel der Anteile an der börsennotierten Gamesa. Die Übernahme der restlichen Anteile lässt sich der Mutterkonzern mehr als vier Milliarden Euro kosten. Bruch hatte bereits vorgewarnt: Es werde mehrere Jahre dauern, bis alle Probleme gelöst seien.

    An der Börse ist Siemens Energy bislang keine Erfolgsgeschichte. Seit dem Hoch bei 33 Euro vor anderthalb Jahren hat sich der Kurs nahezu halbiert. Verantwortlich dafür sind in erster Linie die Probleme von Siemens Gamesa. Das traditionelle Geschäft mit Kraftwerken, das früher als Sorgenkind galt, entwickelt sich dagegen sehr ordentlich. Am Mittwoch zeigte sich die Börse von den Ankündigungen eher unbeeindruckt, der Kurs legte zwischenzeitlich nur um 0,4 Prozent auf knapp 17 Euro zu.

    Siemens Energy schreibt weiter rote Zahlen

    Um die Fortschritte in anderen Bereichen besser herauszustellen, schafft Bruch nun mehr Transparenz im Zahlenwerk. Bislang berichtete der Konzern bei Vorlage von Quartalsergebnissen über den Geschäftsverlauf der Kraftwerkssparte „Gas and Power“ und des Geschäfts mit den erneuerbaren Energien.

    Künftig wird „Gas and Power“ in die Geschäftseinheiten „Gas Services“ mit den Gas- und Dampfturbinen, „Netztechnologien“ mit der Stromübertragung und -speicherung sowie „Transformation of Industry“ aufgeteilt. Zu Letzterer gehören zum Beispiel die Wasserstoffaktivitäten, Digitalisierungstechnologien und Kompressoren. „Mit unserer neuen Berichtsstruktur werden wir den Erwartungen des Kapitalmarkts nach mehr Transparenz der Geschäftsbereiche gerecht“, sagte Finanzvorständin Maria Ferraro anlässlich des Kapitalmarkttags.

    Bei der Veranstaltung wurden erstmals die Geschäftszahlen für die neuen Bereiche präsentiert. „Gas Services“ kam demnach im vergangenen Geschäftsjahr 2020/21 auf rund neun Milliarden Euro Umsatz und eine operative Marge (Ebita vor Sondereffekten) von sieben Prozent. Ähnlich profitabel waren die Netztechnologien bei einem Umsatz von 5,8 Milliarden Euro. Die neue Sparte „Transformation of Industry“ schrieb mit einer Umsatzrendite von minus 2,5 Prozent rote Zahlen bei Erlösen von 3,9 Milliarden Euro.

    Grafik

    Das noch junge Unternehmen Siemens Energy ist aus der Abspaltung der Energietechnik von Siemens hervorgegangen. Das Produktportfolio reicht von der Energieerzeugung mit erneuerbaren und konventionellen Energien über den Stromtransport bis zu neuen Wasserstofftechnologien.

    Bislang schrieb Siemens Energy noch rote Zahlen. Im vergangenen Geschäftsjahr stand unter dem Strich ein Nettoverlust von 560 Millionen Euro. Der Umsatz stieg leicht auf 28,5 Milliarden Euro.

    Auch im neuen Geschäftsjahr ist Siemens Energy wegen der Probleme im Geschäft mit erneuerbaren Energien defizitär unterwegs. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2022/23, das am 30. September endet, machte der Konzern einen Verlust von 492 Millionen Euro.

    „Da ist klar, dass auch Jobs verloren gehen werden“

    Um profitabel zu werden, muss darum die Trendwende bei Siemens Gamesa gelingen. Auch nach einer Komplettübernahme seien die operativen Probleme noch nicht gelöst, warnen Aufsichtsratskreise von Siemens Energy.

    Gamesa-Mitarbeiter in Spanien fürchten die geplante Komplettübernahme. „Die Angst hier ist groß“, sagt Francisco Méndez von der spanischen Gewerkschaft CCOO. „Der Konzern will 300 Millionen Euro jährlich einsparen – da ist klar, dass auch Jobs verloren gehen werden.“

    Darüber hinaus seien die Mitarbeiter skeptisch, dass die Übernahme strategisch sinnvoll ist. „Vielen kommt der Konzern seit dem Einstieg von Siemens vor wie ein kopfloses Huhn“, so Méndez. „Eine Fehlentscheidung reiht sich an die nächste, und niemand weiß mehr, wo der Konzern eigentlich hinsteuert.“

    Als Beispiel nennt er die Schließung des Werks für Rotorblätter im galicischen As Somozas im vergangenen Jahr. Ein Teil der Produktion wurde nach Indien verlagert und ein anderer Teil nach Portugal. „Anschließend schossen die Transportkosten für einen Auftrag von Indien nach Ägypten in die Höhe, und in Portugal gab es Qualitätsprobleme – vor denen wir bereits vor der Schließung von As Somozas gewarnt hatten“, so der Gewerkschafter.

    Auch das spanische Branchenblatt „El Periódico de la Energía“ kritisiert die deutsche Führung. Das Onshore-Windgeschäft, in dem die spanische Gamesa sehr erfolgreich gewesen war, sei heute komplexer, heißt es in einem Artikel. Die Rentabilität sei mittlerweile gleich null, weil die Deutschen zu keiner Zeit darauf gesetzt hätten, heißt es in dem Artikel. „Sie haben es sterben lassen.“

    Dieser Artikel erschien zuerst am 24.05.2022 um 8:45 Uhr.

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