Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2017

13:47 Uhr

Villeroy & Boch, Grohe, Duravit

Das Badezimmer-Kartell muss zahlen

VonMaike Freund

Wasserhähne, Toiletten, Waschbecken: Jahrelang haben Verbraucher zu viel bezahlt, weil Unternehmen wie Villeroy & Boch und Dornbracht die Preise absprachen. Doch die Firmen bestritten das. Nun hat der EuGH entschieden.

Der Europäische Gerichtshof urteilt: Das Kartell muss zahlen. dpa

Teure Dusche

Der Europäische Gerichtshof urteilt: Das Kartell muss zahlen.

DüsseldorfEs klingt wie in einem Hollywood-Film: Vertreter von 17 Badezimmer-Ausstattern trafen sich heimlich in verschiedenen Konstellationen mehr als 250 Mal, über Jahre hinweg. Der Grund: Absprachen der Preise.

Preiserhöhungen, Mindestpreise und Rabatte wurden bei diesen Treffen festgesetzt und vertrauliche Informationen ausgetauscht. Mit bei den geheimen Treffen: die deutschen Unternehmen Villeroy & Boch, Dornbracht, Duravit, Grohe, Hansa und Kludi.

Villeroy & Boch: Keramikhersteller wächst mit Bad-Ausstattungen

Villeroy & Boch

Keramikhersteller wächst mit Bad-Ausstattungen

Schlechtes Geschäft in Russland, dafür ein „wahnsinnig gutes“ Schlussquartal in China: Villeroy & Boch trotzt der Krise. Der Gewinn des Keramikherstellers steigt stark an – dank des Sanitär-Bereichs.

Diese Treffen und Absprachen hat es tatsächlich gegeben – und zwar von Badezimmer-Ausstattern aus Deutschland, Österreich, Italien, Belgien, Frankreich und den Niederlanden zwischen 1992 und 2004. Zu diesem Schluss kamen die EU-Kommission und das EU-Gericht im Jahr 2013.

Gegen das Urteil und den Vorwurf wehrten sich mehrere Unternehmen. Eine Sprecherin von Villeroy & Boch erklärte damals, die Preisabsprachen habe es nie gegeben. Die Firmen reichten Widerspruch beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) ein. Doch der EuGH bestätigte am heutigen Donnerstag: Jahrelang haben Verbraucher in Europa viel zu viel für ihre Toiletten, Wasserhähne und Waschbecken bezahlt. Nach diesem Urteil müssen die Unternehmen nun die Bußgelder zahlen.

Allerdings: Dem deutschen Unternehmen Grohe wurde – wie auch der US-Firma Ideal Standard – die Strafe um ein Drittel erlassen. Der Grund: Beide Unternehmen haben mit der Kommission kooperiert. Trotzdem musste Grohe zahlen – rund 55 Millionen Euro, Ideal Standard bekam mit 326 Millionen Euro die höchste Strafe.

2010 nannte der damalige EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia die Machenschaften schon ein „wohlorganisiertes Kartell“, die Kommission verhängte eine 622 Millionen Euro-Strafe. „Dieses Kartell hat den Bau- und Handwerksfirmen ebenso wie vielen Verbrauchern geschadet“, sagte Almunia damals – und empfahl den Geschädigten, die Firmen zu verklagen.

Aufgeflogen war das Kartell durch einen Hinweis der US-Firma Masco, die bis zu diesem Punkt bei den Machenschaften mitmischte. Diese habe „als erstes Unternehmen Informationen über das Kartell vorgelegt“, teilte die Kommission 2010 mit – und erließ den Amerikanern die komplette Strafe. Von den deutschen Unternehmen muss Villeroy & Boch mit 71,5 Millionen Euro die höchste Buße zahlen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

26.01.2017, 13:40 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×