MenüZurück
Wird geladen.

28.07.2018

14:04

Betriebsratschef Osterloh ist das Symbol der alten VW-Kultur picture alliance / Peter Steffen

Bernd Osterloh

Auf Fragen zu seiner Verantwortung in der Aufarbeitung des Dieselskandals reagiert er gereizt.

VW-Betriebsrat im Porträt

Bernd Osterloh – der letzte Vertreter von Volkswagens alter Firmenkultur

Von: Jan Keuchel, Martin Murphy

Der VW-Betriebsratschef war lange mächtigster Arbeitnehmervertreter der Nation. Doch unter VW-Boss Diess schwindet Osterlohs Einfluss allmählich.

WolfsburgUnd dann erzählt Alexander Wilke den Trick mit der Tiefgarage. Wilke steht vor 300 Betriebsräten des Volkswagen-Konzerns, ohne Anzug, dafür in Jeans und mit grau meliertem Haar. Reden kann er, und Spannungsbogen kann er auch.

Wilke, Kommunikationschef bei Thyssen-Krupp, hat dort den Kulturwandel begleitet und soll hier davon berichten. Zum Beispiel, indem man die alte Ordnung in der Tiefgarage abschafft, erzählt Wilke. Früher hieß es: Je höher der Rang, desto näher der persönliche Parkplatz zum Aufzug. Nun dürfe sich jeder hinstellen, wo er wolle. Wilke zeigt ein Bild aus der Garage, wo nun kleine rote Autos neben mittelgroßen weißen und großen schwarzen Fahrzeugen stehen. Wenn jetzt der Vorstandsvorsitzende zu spät komme, müsse er eben weiter laufen, sagt der PR-Profi. Das ist ganz nach dem Geschmack des Publikums.

Und Bernd Osterloh? Der hat nicht einmal den Kopf gehoben. Der Gesamtbetriebsratschef des VW-Konzerns sitzt auf dem Podium, ein massiger Mann mit kahlem Kopf, in irgendetwas vertieft. Als Wilke ihn einmal anspricht, wirkt er abwesend. Hat er zugehört? Findet er das überhaupt wichtig, Kulturwandel? Auf die Vorhaltung, er selbst habe bei Wilkes Vortrag ziemlich gelangweilt gewirkt, insistiert Osterloh später, dass das nicht stimme. „Das, was er erzählt hat: So stelle ich mir das vor.“

Bernd Osterloh: Zur Person

Kleine Verhältnisse

Mit 17 beginnt Bernd Osterloh im heimischen Braunschweig als Azubi beim Kamerahersteller Rollei. Erst wird er Elektroniker, später Industriekaufmann.

Große Bühne

Zu VW wechselt er mit 20, wird Vertrauensmann und arbeitet sich im Betriebsrat hoch. Seit 2005 führt er die Arbeitnehmervertretung für den Gesamtkonzern an.

Später wird Osterloh den Anwesenden sagen, dass er in der Führungskultur bei VW Schwächen erkenne. Auch Osterloh will eigentlich Kulturwandel, er hat Wilke eingeladen. Aber Hierarchien sind dem 61-Jährigen eben auch wichtig. Seit 41 Jahren ist Osterloh im Unternehmen, seit 13 Jahren Chef des Gesamtbetriebsrats. Genauso lang sitzt er im Aufsichtsrat, dem obersten Überwachungsorgan. Kann so einer Teil der Lösung sein?

Schließlich hat Wilke, der Kulturwandler, eine Grafik präsentiert: 70 Prozent der Führungskräfte habe man bei Thyssen-Krupp ausgetauscht. Bei VW ist ebenfalls einiges in Gang gekommen, wenn auch selten freiwillig. Erst trat Patriarch Ferdinand Piëch vom Aufsichtsratsvorsitz zurück und verkaufte schließlich seine Anteile an andere Familienmitglieder des Porsche/Piëch-Clans.

Prinzip „dicke Hose“

Dann stürzte der unangreifbar scheinende Vorstandschef Martin Winterkorn zu Beginn der Dieselkrise. Sein Nachfolger Matthias Müller hielt sich keine drei Jahre an der Konzernspitze, und Audi-Chef Rupert Stadler, einst Piëchs Büroleiter, sitzt gar in Untersuchungshaft. Fast alle sind weg. Alle bis auf Osterloh.

Der gebürtige Braunschweiger gilt als Deutschlands mächtigster Betriebsrat, lange ging nichts an ihm vorbei im VW-Konzern. Keine Frage, Osterloh hat mit seiner auftrumpfenden, lauten Art viel erreicht in diesem System, zumindest für die Arbeitnehmer in Deutschland. VW hat heute mehr Beschäftigte denn je, die Lohnerhöhungen im VW-Haustarif waren zuletzt kräftig.

Doch mit seinem Prinzip „dicke Hose“ ist Osterloh auch zum sichtbarsten Symbol des Ancien Régime bei VW geworden. Der „last man standing“ aus der streng hierarchischen, testosterongeladenen Firmenkultur, die Winterkorn und Piëch prägten. Aber auch des kumpelhaften Beisammenseins von benzinblütigen Alphamännchen in Management und Betriebsrat. „Was er leistet, ist bemerkenswert“, sagte Osterloh noch im Juli 2015 über Winterkorn, zwei Monate vor Bekanntwerden des Dieselskandals.

Osterloh spricht vor Tausenden Arbeitnehmern auf einer VW-Betriebsversammlung. imago/regios24

VW Betriebsversammlung

Osterloh spricht vor Tausenden Arbeitnehmern auf einer VW-Betriebsversammlung.

Heute bestreitet niemand mehr: Die mangelhafte Fehler- und Kritik-Kultur bei VW beförderte die Betrügereien, die dem Konzern strafrechtliche Ermittlungen gegen die Chefetage und Tausende Klagen betrogener Kunden einbrachten.

Osterloh zeigte sich in der Krise wendig: Im September 2015, kurz nach Bekanntwerden der Manipulationen, positionierte er sich mit markigen Worten. „Ich kann euch versichern, dass wir in den anstehenden Sitzungen des Aufsichtsrats alles Erdenkliche tun werden, damit die Aufklärung schnell voranschreitet und personelle Konsequenzen gezogen werden“, schrieb er in einem Brief an die Belegschaft.

Passiert ist von all dem bis heute wenig. Trotz Milliardenstrafen in den USA und mittlerweile auch in Deutschland weigert man sich bei Volkswagen hartnäckig, irgendjemanden aus der Führungsetage persönlich für den Dieselskandal verantwortlich zu machen.
Auf einer Zugfahrt Anfang Juli von Wolfsburg nach Berlin wirkt Osterloh schnell genervt, wenn man ihn aufs Thema Verantwortung anspricht. „Von 640 000 Menschen haben die Dieselgate-Verantwortlichen Fehler gemacht. Deshalb ist nicht das ganze Unternehmen schlecht“, poltert er.

Volkswagen habe super Produkte, lege zu bei den Verkaufszahlen. „Wir haben trotz Dieselkrise das Ergebnis verbessert.“ Zahlreiche Aussagen auf der Zugfahrt kann man gar nicht zitieren, weil Osterloh sie nachher nicht freigibt. Vor allem die, in denen es um die Mitverantwortung des langjährigen Aufsichtsrats Osterloh für die Dieselkrise geht.

Natürlich: Osterloh wurde keine Mitwisserschaft bei den Dieselmanipulationen nachgewiesen. Und im Amt ist er deshalb, weil ihn die VW-Mitarbeiter alle vier Jahre wiedergewählt haben. Zuletzt im März dieses Jahres: Als die Ergebnisse verkündet sind, steht Osterloh in der ersten Etage der lokalen IG-Metall-Zentrale unweit des Wolfsburger Bahnhofs. Der Wahlsieger trägt einen dunklen Anzug und Krawatte, auf seiner Stirn stehen einige Schweißperlen.

Dokumente der Staatsanwaltschaft: Beschuldigte im Diesel-Skandal haben erstmals Einsicht in VW-Ermittlungsakten

Dokumente der Staatsanwaltschaft

Beschuldigte im Diesel-Skandal haben erstmals Einsicht in VW-Ermittlungsakten

Nach fast drei Jahren Ermittlungen gewährt die Staatsanwaltschaft Einblick in die Unterlagen zum Diesel-Skandal. Jetzt sind die Anwälte am Zug.

Eine wirkliche Feier ist es nicht, eher ein nettes Beisammensein von Metallern. Die Gewerkschafter wirken erleichtert. Ihr Arbeitgeber steht seit drei Jahren in den Schlagzeilen, wegen der Dieselmanipulationen und ihrer Folgen. VW-Chef Matthias Müller wackelt bereits, keinen Monat später wird er seinen Job verlieren.

In diesem Umfeld hat Osterlohs IG Metall 86 Prozent der Stimmen bekommen, zwei Prozentpunkte weniger sind es als bei der letzten Wahl. „Ich bin zufrieden“, beteuert Osterloh an diesem Abend im März. Ein anderer Betriebsrat räumt ein: „Ein paar Prozentpunkte mehr hätten es schon sein können.“

Während Osterlohs Kernmannschaft zum Aufbruch drängt, warten andere noch auf einen Gratulanten: VW-Markenchef Herbert Diess. Ex-Chef Winterkorn sei meist gekommen, um zum Wahlerfolg zu gratulieren, sagt ein Anwesender. Ein Mitarbeiter ruft bei Diess’ Leuten an, ob der Manager denn noch kommen wolle. Er würde natürlich gerne kommen, lässt Diess ausrichten, aber er brauche noch. Ein Affront, zumindest nach alter Lesart.

Erst bei VW wird er zur Rampensau

Seit Diess im Juli 2015 von BMW nach Wolfsburg wechselte, ist sein Verhältnis zu den Arbeitnehmern schwierig. Winterkorn und Piëch hatten Diess für eine Mission geholt, die nur ein Konzern-Neuling erledigen konnte: die kümmerliche Rendite der Kernmarke zu steigern, auch durch Senkung der Personalkosten. Dass der neue VW-Markenchef nicht als Arbeiterflüsterer nach Wolfsburg gekommen ist, wird schnell klar: Einmal kursiert eine Mail, in der der Österreicher vor der Beförderung mehrerer Mitarbeiter nach deren IG-Metall-Mitgliedschaft fragte. Die Gewerkschaft ist sauer.

Später wirft Osterloh Diess „unsoziales Verhalten“ vor, weil er Leiharbeiter nicht übernehmen wolle. Diess ist generell kein Freund davon, alle Parteien einzubeziehen und vor Entscheidungen lange Konsultationen abzuhalten – ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger Müller. Die neue Wolfsburger Autokratie bekommen die Vorstände zu spüren, aber eben auch Osterloh. Das ist neu für ihn. Auch Piëch und Winterkorn haben am liebsten allein entschieden. Doch Osterloh, den Arbeiterfürsten, bezogen sie meist ein.
Am Anfang sieht es nach einem Sieg für Osterloh aus. Der „Zukunftspakt“, den Osterloh im Frühjahr 2017 mit Diess aushandelt, kommt ohne betriebsbedingte Kündigungen aus. Der Betriebsrat weist den überambitionierten Manager in seine Schranken, so scheint es anfänglich.

Osterloh (2.v.r.) Ende 2016 zwischen den damaligen VW-Verantwortlichen (v.l.n.r.): Personalvorstand Karlheinz Blessing, VW-Markenchef Herbert Diess, Konzernchef Matthias Müller und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. picture alliance / Philipp von D

Volkswagen Zukunftspakt

Osterloh (2.v.r.) Ende 2016 zwischen den damaligen VW-Verantwortlichen (v.l.n.r.): Personalvorstand Karlheinz Blessing, VW-Markenchef Herbert Diess, Konzernchef Matthias Müller und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil.

Im Wolfsburger Gewerkschaftshaus will Osterloh dann irgendwann nicht mehr auf den Gratulanten Diess warten. „Lasst uns losziehen, ich habe Hunger“, sagt der Betriebsratschef und setzt den Tross in Gang. Vor den Toren von Wolfsburg gibt es Rinderfilet und einen soliden Drink. Osterloh wirkt erleichtert an diesem Abend, nicht euphorisch. Er hat schon so viele Kämpfe gefochten, vielleicht hat er sich müde gesiegt.

Bernd Osterloh kommt von unten. Sohn eines Eisenbahners, in Braunschweig aufgewachsen, qualifizierter Hauptschulabschluss. Bei der ortsansässigen Firma Rollei, einem bekannten Hersteller von Kameras, ist er im April 1973 in die Lehre gegangen. Einen nachhaltigen Eindruck hat er dort nicht hinterlassen. Trotz seiner heutigen Bekanntheit, gerade in der Region, kann sich dort kaum jemand an den Lehrling Bernd Osterloh erinnern.

Selbst ein Kollege aus demselben Ausbildungsjahrgang 1973 muss passen. „Keiner hat hier über ihn gesprochen“, sagt Standortmanagerin Heidi Opiela, seit Ende der 80er-Jahre bei der Firma. „Er muss total unauffällig gewesen sein.“ Ähnliches berichtet auch Ausbildungsleiter Hans Meves. „Der Typ, der er heute ist, war er damals nicht“, sagt Meves.

Darauf angesprochen, lacht Osterloh, ist erkennbar aber auch ein bisschen beleidigt. Meves sei ja sicherlich auch schon weit über 80. Da erinnere man sich schon mal falsch. Im Gegenteil: Er sei Klassensprecher und später stellvertretender Schulsprecher gewesen.
Zur richtigen Rampensau wird Osterloh wohl erst bei VW. Sein großer Auftritt kommt in einer tiefen Krise für den Konzern und seine Arbeitnehmervertreter : in der Lustreisenaffäre, über die sein Vorgänger Klaus Volkert 2005 stürzt. Es geht um Prostituierte auf Firmenkosten. Osterloh spült die Affäre an die Spitze.

Unter Piëch und Winterkorn wächst VW drastisch. Die Prozesse im Unternehmen aber bleiben unterentwickelt. Während das Führungsduo den Konzern neu organisiert, hält Osterloh die Belegschaft bei der Stange.

Er fährt nicht schlecht damit, auch persönlich. Im Jahr 2005 beträgt sein monatliches Gehalt 6.500 Euro brutto. 2007 sagt er zu dem Thema: „Für mich ist wichtig, mit meinem Gehalt keinen Neid auszulösen. Wenn ein VW-Mitarbeiter 30 000 oder 50 000 Euro verdient, glaube ich nicht, dass er ein Problem damit hat, wenn der Betriebsratsvorsitzende das Doppelte verdient.“

Ex-VW-Vorstandschef: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen umstrittener Überweisungen durch Martin Winterkorn

Ex-VW-Vorstandschef

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen umstrittener Überweisungen durch Martin Winterkorn

Gegen Ex-VW-Vorstandschef Martin Winterkorn wird einem Medienbericht zufolge auch wegen Steuervergehen ermittelt. Es geht um Überweisungen in die Schweiz.

Es gebe aber klare Grenzen. „Wenn es aber das Zehn- oder Zwanzigfache ist, führen wir eine ganz andere Diskussion. Mir ist wichtig, dass ich mein Gehalt moralisch vor meinen Kolleginnen und Kollegen vertreten kann.“ Tatsächlich? Im vergangenen Jahr kommt raus, dass er in einem Jahr sogar 750.000 Euro verdient hat.

Wie erklärt er das der Belegschaft? „86 Prozent“, sagt Osterloh. „Das beurteilen die, die mich wählen.“ Inzwischen hat ihn die Konzernführung massiv herabgestuft. Zwischen 140.000 und 150.000 Euro jährlich sind es mit Boni nur noch. Das Unternehmen lässt die Frage der Vergütung außerdem durch ein Schiedsverfahren klären.

Es mag Zufall sein, dass sein Gehaltseinbruch in eine Zeit fällt, in der auch Osterlohs Machtfülle in Gefahr geraten ist. Statt Ferdinand Piëch gibt in der Eigentümerfamilie nun Wolfgang Porsche den Ton an: „Der Vorstand führt das Unternehmen und nicht der Betriebsrat“, erklärt Porsche im Frühjahr 2017. Dafür bringt er Diess in Stellung, zunächst als Kernmarken-, dann als Konzernchef.

Seit einigen Monaten kämpfen beide Seiten um fast jede wichtige Personalie im Konzern. Bisher scheint es, als gewinne Osterloh dabei manche Schlacht, aber Diess den Krieg. Als der Konzernchef etwa den Audi-Finanzvorstand Alexander Seitz nach Stadlers Festnahme zum Interimschef machen will, votiert Osterloh stattdessen für Vertriebsvorstand Bram Schot. Seitz hatte ein moderates Sparprogramm bei Audi auf die Bahn gebracht. Eigentlich kein Casus Belli für die Arbeitnehmervertreter.

Personalcoup könnte nach hinten losgehen

Doch Osterloh geht es um die Machtfrage. Kurzfristig setzt er sich durch, Schot wird Chef – aber nicht lange, wie diese Woche bekannt wurde. Neuer Audi-Chef soll nun Markus Duesmann werden, der als BMW-Einkaufsvorstand lange mit Diess zusammenarbeitete. Die Duesmann-Berufung ist ein doppelter Sieg für Diess: Einerseits stärkt er seine Hausmacht im Konzern, ersetzt er doch den Piëch-Intimus Stadler mit einem eigenen Mann. Zudem muss Quereinsteiger Duesmann keine Rücksicht auf Seilschaften und langjährige Verbündete bei den Arbeitnehmern nehmen, wenn er die zuletzt schwache Rendite der Ingolstädter wieder auf Vordermann bringt.

Selbst Osterlohs größter Personalcoup könnte noch zum Flop werden: Als Preis dafür, dass er Diess als Konzernchef nicht verhindern konnte, fordert Osterloh den Kopf von Personalvorstand Karlheinz Blessing, der ihm zu sehr Manager gewesen war. Ein Personalvorstand müsse doch wissen, was die IG Metall wolle, sagte Osterloh mal in kleiner Runde. Als Nachfolger setzt er Gunnar Kilian durch, seinen engsten Mitarbeiter im Betriebsrat.

Verbalattacke auf Ex-Manager Blessing: VW-Betriebsratschef Osterloh: „Einen Personalvorstand ohne Tiefgang brauche ich hier nicht“

Verbalattacke auf Ex-Manager Blessing

VW-Betriebsratschef Osterloh: „Einen Personalvorstand ohne Tiefgang brauche ich hier nicht“

In Wolfsburg geht nichts ohne VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. In einem Interview verteidigt er seine Macht im Konzern und übt harsche Kritik.

Der fehlt ihm nun. Osterloh ist zwar bestens vernetzt, Kompromisse auszuhandeln ist aber nicht so seine Sache. Da geht es um viele Details, die überließ er bislang vor allem Kilian. Dank seines guten Drahts zu den Vorständen, zu Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, den Eigentümerfamilien und dem Land Niedersachsen hat Kilian viele Deals ausgehandelt, die später Osterloh zugerechnet wurden.

Kilian ist keiner, der sich nach vorn drängelt, eher ein Macher im Hintergrund – der nun auf der anderen Seite steht. Osterloh muss jetzt mehr Termine selbst erledigen, etwa die Gespräche im Vorfeld von Aufsichtsratssitzungen. Das ist nicht nur eine zeitliche Mehrbelastung, Osterloh muss sich nun auch früher selbst positionieren.

Machttaktisch ist das ein Nachteil: Einmal ausgehandelte Kompromisse kann er so nicht mehr nachträglich zugunsten des Betriebsrats verändern – zumal er einen Personalvorstand auf der anderen Seite hat, der ihn bestens kennt. Der erste große Konflikt mit Kilian könnte schon im Herbst anstehen, wenn über Betriebsvereinbarungen verhandelt wird.

Osterloh wird im September 62, es ist seine letzte Amtszeit als Betriebsratschef. In den nächsten drei Jahren muss er einen Nachfolger aufbauen. Drei Kandidaten habe er im Auge, heißt es in Betriebsratskreisen. Wer das sei, darüber schweigt Osterloh. „Die Namen derer, die ich nennen würde, wären doch gleich verbrannt“, sagt er.

Einen Betriebsratschef mit so viel Macht, wie sie Osterloh hatte, wird es bei VW ohnehin so schnell nicht mehr geben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×