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29.04.2013

15:43 Uhr

Wachwechsel in Wien

Strabag bekommt neuen Chef aus Deutschland

Eigentlich wollte der Chef des Wiener Baukonzerns Strabag, Hans Peter Haselsteiner, das Unternehmen noch bis Juni 2014 führen – jetzt ist schon ein Jahr früher Schluss. Sein Nachfolger steht auch schon fest.

Thomas Birtel wird Strabag im Juni übernehmen. dpa

Thomas Birtel wird Strabag im Juni übernehmen.

WienDer Baukonzern Strabag steht vor einem Chefwechsel. Der langjährige Vorstandschef und Großaktionär Hans Peter Haselsteiner werde schon mit Ablauf der Hauptversammlung am 14. Juni zurücktreten, kündigte das Unternehmen am Montag an. Seine Nachfolge tritt wie vereinbart sein Stellvertreter Thomas Birtel an - allerdings ein Jahr früher als geplant: Eigentlich wollte der 69-jährige Haselsteiner bis Juni 2014 auf dem Chefsessel bleiben. Birtel kommt aus dem Rheinland und hatte Karriere bei der deutschen Strabag-Tochter in Köln gemacht, seit 1996 arbeitet er für das Unternehmen.

Nun verlässt er die Konzernspitze in einer schwierigen Phase: In ganz Europa sparen öffentliche Geldgeber mit Aufträgen etwa im Straßenbau. Das bekommen wiederum die Baukonzerne zu spüren, die mit Kampfpreisen um die wenigen verbleibenden Aufträge wetteifern. Einige Firmen mussten bereits Insolvenz anmelden oder sind in Schieflage gekommen - so der österreichische Baukonzern Alpine.

Strabag selbst will die Zahlen für das vergangene Jahr am Dienstag vorlegen. Analysten erwarten dabei einen Rückgang des Betriebsgewinns um knapp die Hälfte auf durchschnittlich 182 Millionen Euro. Strabag selbst hatte ein Ebit von 200 Millionen Euro in Aussicht gestellt - dies jedoch als „außerordentlich ambitioniert“ bezeichnet. Für das laufende Jahr hatte die Firma eine stagnierende Bauleistung von 14 Milliarden Euro und ein wieder steigendes Betriebsergebnis von mindestens 260 Millionen Euro angekündigt.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

Koninklijke Bam Groep (Niederlande) – 6,98 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus dem niederländischen Bunnik bei Utrecht ist europaweit tätig und hat rund 19.500 Mitarbeiter.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 10,76 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 10,6 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 12,4 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,31 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 15,35 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 31,77 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2016 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 31,98 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,07 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2016 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von 1,1 Prozent.

Quelle: Deloitte

Doch Haselsteiner will sein Unternehmen, an dem er 28,9 Prozent hält, nicht komplett verlassen. Er werde bis zum Auslaufen seines Vertrages 2015 als Generalbevollmächtigter an Bord bleiben und das Sparprogramm vorantreiben. Danach werde er ein „effizientes, finanzstarkes Unternehmen“ hinterlassen, erklärte eine Sprecherin.

Haselsteiner hatte vor über 40 Jahren bei einem Vorgängerunternehmen der Strabag begonnen und den Konzern durch zahlreiche Zukäufe zu einem der Marktführer in Europa aufgebaut. Abseits seiner Tätigkeit in der Baubranche hat er sich in den vergangenen Jahren in Österreich als Investor beim Immobilienunternehmen Conwert und der Westbahn einen Namen gemacht, die der Staatsbahn ÖBB auf einer ihrer profitabelsten Strecken zwischen Wien und Salzburg Konkurrenz macht.

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rtr

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